Fragen und Antworten Leerverkäufer: Engel oder Teufel der Börse?

von Angela Göpfert

Stand: 12.05.2013, 08:49 Uhr

Es gibt Vorurteile gegen "Short Seller". Doch sind Personen, die Wertpapiere verkaufen, die ihnen nicht gehören, wirklich so böse? boerse.ARD.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Leerverkäufe.

Wie funktionieren Leerverkäufe?


Bei Leerverkäufen wetten "Investoren" auf fallende Kurse von Wertpapieren. Sie verkaufen zum Beispiel Aktien, die sie sich etwa bei Fonds ausgeliehen haben. Das Kalkül dahinter: Sinkt der Kurs, können sie die Titel später zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen und dem eigentlichen Besitzer zurückgeben. Den Differenzbetrag zwischen Verkaufs- und späterem Rückkaufkurs streichen sie als Gewinn ein. Die Fonds machen dieses Spiel mit, weil sie die Aktie langfristig im Bestand halten wollen. Als Entschädigung für die Ausleihe erhalten sie vom Leerverkäufer eine Gebühr.

Was sind "gedeckte" Leerverkäufe?

Bei "gedeckten" Leerverkäufen leihen sich Marktteilnehmer die zu verkaufenden Papiere für eine gewisse Frist beim Besitzer aus, um sie am Markt zu verkaufen.

Und was sind dann "ungedeckte" Leerverkäufe?

Bei "ungedeckten" beziehungsweise "nackten" Leerverkäufen haben sich die Investoren noch nicht einmal die Papiere geliehen. Im Extremfall könnte ein pessimistischer Anleger eine große Menge Aktien eines Unternehmens auf den Markt werfen, die es im Grunde genommen gar nicht gibt. Durch das große Angebot erzeugt er massiven Druck auf die Kurse, weil der Markt die Aktien nicht sofort "verdauen" kann. Diese Geschäfte können die Kursausschläge bei dem Basiswert drastisch beschleunigen - auch nach oben. Denn sobald der Anleger die Aktien wieder zurückkaufen möchte, um den Leerverkauf zu beenden, treibt er den Kurs ungewollt in die Höhe. Solche Deals sind möglich, weil eine Lieferpflicht für die Papiere meist erst nach Tagen besteht. In Deutschland sind ungedeckte Leerverkäufe jedoch verboten.

Welche Papiere können eigentlich leerverkauft werden?

Bei Leerverkäufen denken die meisten Privatanleger wahrscheinlich zuerst an Aktien. Doch auch Währungen und Staatsanleihen können leerverkauft werden.

Wer macht denn so was?

Leerverkäufer im großen Stil sind in aller Regel Hedgefonds. Diese Art von Investoren verdient ihr Geld, indem sie auf Kursbewegungen wettet. In welcher Art oder in welcher Richtung, ist Hedgefonds dabei völlig egal.

Können Leerverkäufer tatsächlich den Markt beeinflussen?

Hier gehen die Meinungen der Experten auseinander. Während die einen den Einfluss von Leerverkäufern auf die Kurse der betroffenen Aktien, Staatsanleihen oder Währungen komplett ausschließen, weisen andere auf Folgendes hin: Leerverkäufer machen nur dann einen Gewinn, wenn der Kursverfall der Papiere, auf den sie ja wetten, auch tatsächlich eintritt. Sie werden daher alles tun, um die Kursentwicklung in die von ihnen gewünschte Richtung zu lenken, etwa indem sie gezielt negative Informationen streuen. Zuweilen wird Leerverkäufern die gezielte Streuung von Falschinformationen vorgeworfen, mit denen sie die betreffenden Kurse drücken wollen, ein Vorwurf, der sicher öfter erhoben wird, als er zutreffend ist.

Wie wichtig sind Shorties für die Finanzmärkte?

Tatsächlich weisen zahlreiche wissenschaftliche Studien zu dem Thema darauf hin, dass Leerverkäufer ein wichtiges Korrektiv sind, um Kursexzesse nach oben abzuschwächen. Wie Märkte funktionieren, wenn es keine Leerverkäufer gibt, zeigt das Beispiel Immobilienmarkt: Hier sind Spekulationsblasen viel verbreiteter, die größten Börsen- und Wirtschaftskrisen hatten meist hier ihren Ursprung. Shorties sind in dieser Lesart die wahren Finanzaufseher der Märkte. Zumal Leerverkäufer nicht auf Dauer gegen ein gesundes Papier oder gegen einen gesunden Staat spekulieren können. Ihre Rechnung geht nur dann auf, wenn dort wirklich etwas im Argen liegt.