Kenneth Fisher
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Verhältnis vom Börsenwert zum Umsatz KUV statt KGV: Die Strategie des Kenneth Fisher

Stand: 08.02.2019, 11:18 Uhr

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist eine beliebte Kennziffer unter Anlegern, die der Value-Strategie folgen. Starinvestor Kenneth Fisher vertraut dagegen lieber auf die Umsätze der Konzerne und machte das Kurs-Umsatz-Verhältnis populär. Können Privatanleger folgen?

Value-Anleger suchen Anteilsscheine von unterbewerteten "werthaltigen" Unternehmen - im Gegensatz zu Papieren von Firmen in einem zukünftigen Boom-Markt (Growth-Strategie).

Dabei ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis, englisch Price-Earnings-Ratio, für den Vergleich von Unternehmen einer Branche und damit die Auswahl ihrer Favoriten sehr populär. Die Kennzahl beschreibt das Verhältnis des (geschätzten) Unternehmensgewinns zum Börsenwert. Je niedriger das KGV einer Aktie desto preisgünstiger erscheint sie auf den ersten Blick.

Seit Jahrzehnten ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis das laut dem Wirtschaftsmagazin "Forbes" am häufigsten verwendete und diskutierte Aktienanalyseverhältnis und in vielen Zeitungen die einzige Bewertungskennzahl, die in ihren täglichen Börsennotierungen enthalten ist.

Umsatz als Zeichen der Stärke

Starinvestor, Kolumnist, Milliardär und Gründer von Fisher Investments: Kenneth Fisher ist in der Finanzwelt hoch angesehen. 1984 beschrieb er das Konzept des Kurs-Umsatz-Verhältnisses (KUV), englisch Price-Sales-Ratio, als Identifizierung unterbewerteter Aktien in seinem Buch "Super Stocks". "In Fachkreisen wurde dieses Konzept sehr schnell adaptiert, das brachte mich unheimlich schnell auf die Landkarte", sagte Fisher einmal.

Der Vermögensverwalter fand heraus, dass auch die Gewinne größerer Unternehmen aus diversen Gründen wie Geräteaustausch oder Anlagenbeschaffung, Forschungs- und Entwicklungskosten oder aber Änderungen der Bilanzierungsmethoden von Jahr zu Jahr stark schwanken können. Fisher zufolge war der Schlüssel die Frage, wie ein Unternehmen bewertet werden kann, wenn seine Erträge nach unten gehen. In dem Fall eignet sich das auf Gewinne ausgelegte KGV nicht. Seine Antwort: der Umsatz.

Die Umsätze von sogenannten "Super-Unternehmen", die in der Lage waren, ihren Aktienkurs innerhalb von drei bis fünf Jahren um das Drei- bis Zehnfache zu steigern, fluktuierten weit weniger und seien damit der verlässlichere Indikator in Bezug auf die Stärke des zugrunde liegenden Geschäfts.

Deshalb lenkte er den Blick auf das KUV und baute darauf ein beeindruckendes Vermögen auf. Die Kennzahl wurde zu einem festen Bestandteil der Anlagesprache. Das KUV vergleicht den Börsenwert einer Firma mit ihren Erlösen. Je höher das Kurs-Umsatz-Verhältnis, desto teurer erscheint das Unternehmen.

Können auch Privatanleger von seiner Strategie profitieren?

Vor allem bei jungen Unternehmen, bei denen noch keine Gewinne anfallen, wird als Alternative zum KGV auf das KUV zurückgegriffen. Anleger neigen Fisher zufolge dazu, die Erwartungen an Unternehmen in starken frühen Wachstumsphasen auf ein unrealistisches Niveau zu heben. Wenn diese favorisierten Unternehmen jedoch einen Rückschlag wie negative Schätzungen der Analysten erleiden, würden Anleger oft überreagieren und den Aktienkurs in die Tiefe stürzen. Das sei jedoch Teil des Reifeprozesses eines Unternehmens, so der Starinvestor.

Durch die Betrachtung der Erlöse mit dem KUV können Anleger Chancen in Form von Unternehmen finden, die mit Verlusten arbeiten. Diese haben niedrige KUVs, aber dennoch gute Wachstumsaussichten. "Um Aktien erfolgreich zu kaufen, müssen Sie sie nach Ursachen und nicht nach Ergebnissen bewerten. Die Ursachen sind Geschäftskonditionen - Produkte mit einer umsatzfähigen Kostenstruktur. Die Ergebnisse resultieren aus den Gewinnen, den Gewinnmargen und schließlich dem Ergebnis je Aktie", erklärt der Milliardär in seinem Buch.

Auf andere Kennzahlen achten

Obwohl das KUV der Schlüssel zu Fishers Strategie war, warnt er davor, sich ausschließlich auf diese Kennzahl zu verlassen. Weitere quantitative Messungen, die Fisher verwendete, sind die Gewinnmargen, der Verschuldungsgrad und das Gewinnwachstum.

Das Hauptproblem des Kurs-Umsatz-Verhältnisses besteht darin, dass die Profitabilität des Unternehmens ignoriert wird. Zu beachten ist auch, dass das Ergebnis stark von dem zugrunde gelegten Kurs abhängt. Mit Jahresdurchschnittskurs, Jahresendkurs oder aktuellem Aktienkurs ergeben sich teils erhebliche Unterschiede im Ergebnis. Daher ist bei einfachem Ablesen der Kennzahl in verschiedenen Finanzportalen Vorsicht geboten.

Auf der anderen Seite kann ein niedriges KUV statt einer günstigen Kaufgelegenheit sogar ein Warnzeichen sein. So können katastrophale Zukunftsaussichten zu einer geringen Bewertung geführt haben. Womöglich weiß die Anlagewelt bereits, dass ein Unternehmen auf dem Weg zum finanziellen Ruin ist.

tb

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Die Top-10-Aktien im Portfolio von Kenneth Fisher Von Visa bis Cisco

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