US-Bullen- und Bärenmärkte
Video

Wo stehen wir? Können wir aus den Börsenzyklen der Vergangenheit lernen?

Stand: 24.08.2017, 15:58 Uhr

Hausse und Baisse sind kein Phänomen unserer Zeit, sondern seit Jahrhunderten zu beobachten. Es wäre hilfreich, wenn man aus ihnen lernen könnte. Newfound Research ist bis ins Jahr 1903 zurückgegangen.

Bulle und Bär

Bulle und Bär. | Bildquelle: colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

An der Börse repräsentiert der Bär, mit seinem nach unten geneigten Blick, fallende Kurse. In der Regel spricht man von einem Bärenmarkt, sobald die Kurse um mindestens 20 Prozent gegenüber dem vorherigen Hoch fallen. Gleiches gilt umgekehrt für den Bullenmarkt. Mit seinem nach oben gerichteten Blick repräsentiert der Stier steigende Kurse.

Die Bären sind schneller

S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum 10 Jahre
Kurs
2.816,05
Differenz relativ
+0,23%

Newfound Research hat ausgehend von einer Publikation Robert Shillers die Bären- und Bullenmärkte der vergangenen Jahrzehnte analysiert. Anhand des S&P 500 betrachteten die Forscher den über 100-jährigen Zeitraum zwischen 1903 und 2016. Es gab insgesamt zwölf Bullenmärkte mit einer Dauer zwischen 1,8 und 14,6 Jahren sowie elf Bärenmärkte, die zwischen 0,3 und 2,8 Jahren dauerten. Der durchschnittliche Bullenmarkt hielt 8,1 Jahre an und liegt damit deutlich über der durchschnittlichen Dauer des Bärenmarktes mit lediglich 1,4 Jahren.

Derzeitige Hausse hat historisch gesehen noch Luft

Der seit März 2009 anhaltende Bullenmarkt ist gerade mal der siebtgrößte der Geschichte und müsste bis Ende 2023 andauern, um den bisherigen Rekord zu brechen.

Gemessen wird dies an der jährlichen Rendite, die in einem solchen Markt erzielt wird. Einen Marktzyklus mit einer durchschnittlichen einstelligen jährlichen Rendite gab es in Bullen- und Bärenmarkt seit 1903 nicht. In zehn der elf Bärenmärkte war der durchschnittliche jährliche Verlust größer als 15 Prozent. In der Spitze wurden minus 46 Prozent, in der Finanzkrise zwischen Oktober 2007 und März 2009 minus 38 Prozent verzeichnet. Bei den Bullenmärkten ergibt sich ein ähnliches Bild. In zehn von zwölf Fällen entstand ein jährlicher Anstieg, der 15 Prozent überstieg. Der aktuelle Bullenmarkt sei historisch betrachtet eher langsam und ähnele der Zeit im Anschluss an die Große Depression 1929. Es war der einzige Bärenmarkt, der stärker war als die Finanzkrise.

Die Gründe für Bullenmärkte könnten unterschiedlicher nicht sein

Steigen die Kurse, ist dies selten auf einen Faktor zurückzuführen. Kein Bullenmarkt ist gleich. Dauer und Stärke prägen sich immer wieder anders aus. Das Börsenwachstum der 70er und 80er Jahre war überwiegend durch Inflation getrieben. Ergebniswachstum schob den Markt vor der Finanzkrise. Nach der Krise spielte die Kurserholung in Richtung des langfristigen Durchschnitts die Hauptrolle. Zinsniveau, Investorenerfahrungen sowie steigende Dividenden dürften ebenfalls Gründe für den aktuellen Bullenmarkt sein.

Lediglich Hilfsmittel

Nikkei 225: Kursverlauf am Börsenplatz Tokio SE für den Zeitraum 10 Jahre
Kurs
22.794,19
Differenz relativ
+0,43%

Bären- und Bullenmärkte entstehen also aus verschiedenen Gründen und treten in unterschiedlicher Dauer und Geschwindigkeit auf. Das macht es schwierig, die Länge eines Zyklus zu bestimmen. Der Blick in die Vergangenheit erleichtert es aber, den Reifegrad eines Zyklus einzuschätzen. Aber auch das ist kein Allheilmittel, wie das Extrembeispiel Japan zeigt: So hat der japanische Aktienmarkt nach einem 15,2 Jahre andauernden Bullenmarkt einen 22-jährigen Bärenmarkt (bis ins Jahr 2011) durchlitten.

kp