Gefahr durch ICOs

Zwischen Startup-Finanzierung und Straftat ICOs - die gefährliche Seite des Bitcoin-Booms

von Angela Göpfert

Stand: 22.11.2017, 08:15 Uhr

Startup-Finanzierung, aber auch Betrug, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung – das alles ist heutzutage ganz bequem vom Computer aus möglich. Via Initial Coin Offering (ICO). Weltweit laufen jetzt die Finanzaufsichtsbehörden Sturm.

Was haben der Produzent DJ Khaled, der Boxer Floyd Mayweather und das It-Girl Paris Hilton gemein? Sie alle haben für so genannte Initial Coin Offerings (ICOs) Werbung gemacht – und damit vielleicht eine Straftat begangen.

So lautet zumindest der Vorwurf der SEC. Die amerikanische Börsenaufsicht will prüfen, ob die Promis gegen Gesetze wie zum Beispiel die Rechtsvorschriften für Betrugsbekämpfung verstoßen haben.

Die öffentlichkeitswirksame Warnung der SEC wirft ein Schlaglicht auf eine Seite des Booms der Kryptowährungen, die deren Anhänger gerne unter den Tisch fallen lassen: die kriminelle Seite.

Paris Hilton

Paris Hilton von der SEC an den Pranger gestellt . | Bildquelle: Imaginechina

Doch was genau ist eigentlich ein ICO?

ICOs werden vor allem von Start-ups aus dem Kryptowährungs-Bereich begeben. Man verspricht, eine neue digitale Währung zu erschaffen, und verkauft im Vorfeld deren Einheiten – Token oder Coins genannt, eine Art digitaler Gutschein. Anleger können so frühzeitig in eine Kryptowährung investieren, die es eigentlich noch gar nicht gibt.

Die Idee dahinter: Sollte das Projekt Erfolg haben und die Coins eines Tages auf den Kryptowährungs-Börsen aufschlagen, können die Investoren sie mit einem Aufschlag verkaufen. ICOs sind damit in erster Linie eine gnadenlose gute Idee, um Geld dafür zu bekommen, eine Idee zu haben.

Finanzmittelbeschaffung via ICO 2017 in Mio.

Explosionsartiger Anstieg bei ICOs im laufenden Jahr . | Bildquelle: CoinSchedule, Canaccord Genuity, Grafik: boerse.ARD.de

Super Finanzierungsmöglichkeit für Startups

Für die Entwickler von Kryptowährungen und Blockchain-Produkten bietet das Modell einzigartige Vorteile, können sie so doch ihre Arbeit ohne den mühsamen und langwierigen Umweg über die traditionellen Kapitalmärkte finanzieren.

Häufig werden die mangelnden Finanzierungsmöglichkeiten für Startups bemängelt. ICOs könnten diese Lücke schließen und so eine wichtige Funktion erfüllen. Doch nicht alle Anbieter hegen lautere Absichten.

Mehr schwarze als weiße Schafe?

Der milliardenschwere ICO-Markt lockt auch jede Menge schwarze Schafe an. Der Anleger hat nämlich keinerlei Möglichkeit zu überprüfen, wofür das Geld tatsächlich ausgegeben wird. Das öffnet Betrügereien Tür und Tor.

Zugleich geht der Anleger ein enorm hohes Risiko ein, bezahlt er doch erst einmal nur für eine Idee. Im Extremfall droht der Totalverlust des investierten Geldes.

Behörden sind alarmiert

Kein Wunder also, dass die Finanzaufsichtsbehörden weltweit Sturm laufen gegen diese über alle Maßen intransparente Form der Finanzmittelbeschaffung. Im November hat die deutsche Finanzaufsicht BaFin erstmals vor ICOs gewarnt, diese wiesen eine „systembedingte Anfälligkeit (...) für Betrug, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“ auf.

Geldscheine in einer Waschtrommel

ICOs taugen auch zur Geldwäsche . | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA schlägt in die gleiche Kerbe, ebenso die amerikanische SEC und die britische FCA. China und Südkorea sind sogar schon einen Schritt weiter: Hier wurden ICOs bereits komplett untersagt.

Nachfrage extrem hoch

Die Frage ist nur: Sind Verbote der richtige Weg? Oder werden Kryptowährungen und speziell ICOs dadurch nur noch interessanter für Anleger auf der Jagd nach dem schnellen Geld?

Fakt ist: Die wachsende Kritik der Aufsichtsbehörden hat das Interesse der Anleger bislang nicht schmälern können – im Gegenteil. Laut dem ICO-Tracker auf Coindesk haben Unternehmen im laufenden Jahr bereits mehr als 3,3 Milliarden Dollar via ICOs eingenommen. Für das Gesamtjahr 2016 lag dieser Wert noch bei rund 100 Millionen Dollar.

Chart Finanzmittelbeschaffung via ICO

Mehr als 3 Milliarden Dollar haben sich Unternehmen 2017 schon mit Hilfe von ICOs beschafft. | Bildquelle: Coindesk

Bald völlig normal?

Schon in 20 Jahren könnte ein ICO so normal sein wie IPO, also ein klassischer Börsengang, rechnen Experten vor. Mag sein. Doch zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist ein ICO vor allem eines: extrem riskant für den Anleger – und potenziell kriminell.

Dass Paris Hilton so genau wusste, für was sie da eigentlich Werbung macht, ist zu bezweifeln. 

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