Großaktionären auf die Finger geschaut

von von Detlev Landmesser

Stand: 07.05.2007, 16:57 Uhr

Wer in großem Stil bei einem börsennotierten Unternehmen einsteigt, muss mittlerweile neun Meldeschwellen für seine Beteiligung beachten. Das macht die Eigentümerstruktur erfreulich transparent.

Laut Paragraph 21 des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) muss jeder Investor, der den Anteil von drei, fünf, zehn, 15, 20, 25, 30, 50 oder 75 Prozent der Stimmrechte an einer börsennotierten Gesellschaft aus Deutschland erreicht, über- oder unterschreitet, dies dem Unternehmen und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) mitteilen.

Diese Meldung hat "unverzüglich, spätestens innerhalb von vier Handelstagen" zu erfolgen. Bis Anfang 2007 hatte noch eine Frist von bis zu sieben Tagen gegolten. Die Gesellschaft muss die Mitteilung dann spätestens drei Handelstage nach Zugang europaweit veröffentlichen sowie an das elektronische Unternehmensregister weiterleiten.

Gilt nicht für Freiverkehrstitel

Diese Meldevorschriften gelten für börsennotierte Aktien inländischer Emittenten, also nicht für ausländische Titel. Außerdem erstrecken sich die Regelungen des WpHG nicht auf Unternehmen, die nur im Freiverkehr gehandelt werden. Diese gelten im strengen Sinne nicht als "börsennotiert".

Die Meldeschwellen von drei, 15, 20 und 30 Prozent gelten erst seit dem 20. Januar 2007, als der deutsche Gesetzgeber mit der Ergänzung eine EU-Richtlinie für mehr Transparenz umsetzte. Die neue Drei-Prozent-Schwelle galt dabei nicht rückwirkend. Wer zuvor etwa vier Prozent an einer Gesellschaft hielt und den Anteil bisher nicht geändert hat, musste sich also nicht rühren.

Auch Derivate erfasst

Mit der Neuregelung wurden auch "Finanzinstrumente" erfasst, die dem Inhaber das Recht verleihen, Aktien der Gesellschaft zu erwerben, also insbesondere Aktienoptionen. Hier gelten dieselben Meldepflichten mit Ausnahme der Drei-Prozent-Schwelle. Dabei werden die Ansprüche aus Finanzinstrumenten getrennt von den direkt gehaltenen Anteilen gezählt und gemeldet.

Für Unternehmen und Anleger ist die dichte Folge der Meldeschwellen und die damit erreichte Transparenz über die Eigentümerstruktur sehr nützlich. Verdeckte Operationen potenzieller Übernehmer sind deutlich schwieriger geworden - zumal auch Banken mittlerweile ihre Handelsbestände ab der Fünf-Prozent-Schwelle offenlegen müssen. Die Gesellschaft und die übrigen Aktionäre können so früher reagieren, wenn sich sich eine Übernahme anbahnt. Lesen Sie mehr dazu im Beitrag "Anschleichen ist nicht mehr!".