Zahlenflut

Eigenkapitalschmälerungen drohen Goodwill: Möglicher Risikofaktor in Bilanzen

Stand: 17.04.2020, 16:49 Uhr

Der so genannte Goodwill gilt schon lange als bilanzieller Risikofaktor. Durch die aktuelle Krise werden möglicherweise Abschreibungen auf den Goodwill notwendig, die auch das Eigenkapital mindern.

Zwischen 2005 und 2015 hatte sich der ausgewiesene Goodwill deutscher börsennotierter Unternehmen laut einer Studie des Beratungsunternehmens Duff & Phelps mehr als verdoppelt. Das resultierte aus dem starken Anstieg der Unternehmenszukäufe und -übernahmen. Seither hat es weitere erhebliche Akquisitionen gegeben.

Immer wieder müssen Unternehmen große Anteile ihres Goodwills abschreiben, weil sich der Wert der übernommenen Unternehmensteile mindert. Beispielsweise aufgrund eines schwierigen wirtschaftlichen Umfelds - so, wie es derzeit für viele Branchen und Unternehmen der Fall ist.

Der Goodwill in der Coronakrise

Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft dürften also auch Einfluss auf die Goodwill-Abschreibungen haben. Denn neben dem jährlichen Impairment-Test könnte für viele Unternehmen auch ein außerplanmäßiger Impairment-Test nötig werden. "Die Mehrheit der Unternehmen wird sich mit außerplanmäßigen Impairment-Tests beschäftigen müssen", sagt Wirtschaftsprüfer Volker Specht, Partner bei KPMG im Gespräch mit boerse.ARD.de.

Goodwill Impairment-Tests

Der Goodwill darf nicht periodisch abgeschrieben werden (weder nach den Regeln des IFRS noch denen des US-GAAP). Stattdessen ist ein jährlicher Impairment-Test nötig. Dabei wird geprüft, ob die ursprünglichen Annahmen zur Ermittlung des ursprünglich verbuchten Goodwills noch korrekt sind. Sind sie das nicht, muss ein Teil des Goodwills abgeschrieben werden. Zudem gibt es außerplanmäßige Impairment-Tests. Diese sind Pflicht, wenn besondere Ereignisse eintreten, sogenannte "Triggering-Events". Durch die Corona-Krise könnte für viele Unternehmen ein Triggering-Event vorliegen. Dann müssten sie einen Sonder-Impairment-Test durchführen.

Welche Unternehmen besonders betroffen sind und ob diese Tests dann tatsächlich zu verstärkten Goodwill-Abschreibungen führen, ist derzeit noch unklar. "Um zu sagen, ob und in welchen Branchen es Goodwill-Impairments geben wird, ist es noch zu früh", erklärt Specht.

Grundsätzlich droht aber eine Schmälerung des Gewinns, ein sinkendes Eigenkapital und die Notwendigkeit von Kapitalerhöhungen.

Was Anleger beachten sollten

Ein hoher Goodwill in der Bilanz allein muss kein Grund zur Sorge sein. Natürlich spielen die wirtschaftliche Verfassung der übernommenen Unternehmensteile und die Liquiditätslage eine wichtige Rolle.

Robert Halver

Robert Halver. | Bildquelle: Imago

Im Vergleich zur Situation im Neuen Markt gibt es heute mehr Werte mit hoher Substanz, sagt Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. "Wenn der Aktienmarkt nicht nachhaltig zusammenbricht, dann muss sich der Anleger darum keine Sorgen machen." Wie beinahe immer gilt also, dass das Unternehmen als Ganzes betrachtet werden sollte. Das Stichwort Goodwill sollten Anleger aber im Hinterkopf behalten.

ms