Goldlöckchen - Mädchen mit golden Locken
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Kurz erklärt Goldlöckchen an der Börse

von Angela Göpfert

Stand: 05.09.2017, 13:49 Uhr

Überall liest man, die Aktienmärkte befänden sich in einem "Goldlöckchen-Szenario". Doch was ist damit eigentlich genau gemeint?

Die Goldlöckchen-Metapher wird von Marktbeobachtern wie Fondsmanagern gerne benutzt, um einen Markt zu beschreiben, der einfach perfekt aussieht.

Sie beruht auf dem im englischen Sprachraum äußerst populären Märchen "Goldlöckchen und die drei Bären" ("Goldilocks and the Three Bears") des britischen Autors Robert Southey.

Ein ungezogenes kleines Mädchen

Das Märchen beginnt mit den Worten: "Es war einmal ein sehr ungezogenes kleines Mädchen das Goldlöckchen hieß." Im weiteren Verlauf verirrt sich das Mädchen in eine Hütte, in der drei Bären wohnen. Diese sind aber gerade nicht zuhause.

Das Mädchen isst den Brei der Bären – der erste Brei ist viel zu heiß, der zweite viel zu kalt, der dritte aber genau richtig.

Im gleichen Stil testet Goldlöckchen die Stühle und Betten der drei Bären. Das letzte Bett ist schließlich genau richtig. Goldlöckchen schläft sofort darin ein.

Die perfekte Mitte

Übertragen auf die Welt der Wirtschaft beschreibt das Goldlöckchen-Szenario demnach die perfekte Mitte: Das weltwirtschaftliche Wachstum ist weder zu hoch noch zu niedrig, sondern liegt leicht oberhalb des langjährigen Durchschnitts.

Zugleich sind die inflationären Belastungen gering, sodass die Zinsen und somit die Kosten der Kreditaufnahme gering gehalten werden können.

Moderates Wachstum, moderate Inflation, niedrige Zinsen – so sieht in der Tat das perfekte Umfeld für Investitionen aus.

Und wenn es nicht gestorben ist…

Anleger sollten allerdings bedenken, wie das Märchen vom Goldlöckchen endet: Die drei Bären kehren nach Hause zurück und verjagen das ungezogene Mädchen.

Goldlöckchen - Mädchen mit golden Locken

Wehe, wenn die drei Bären zurückkehren . | Bildquelle: picture-alliance / Mary Evans Picture Library

An der Börse gibt es gleich mehrere Möglichkeiten, wie ein Goldlöckchen-Szenario endet kann: Erstens, die Inflation zieht an, die Notenbanken müssen gegensteuern. Zweitens, die Inflation fällt, es kommt zur Deflation. Drittens, das Wachstum sinkt unerwartet. Viertens, die Wirtschaft wächst stärker als erwartet.

Paradoxerweise fürchten Anleger alle vier Szenarien. Wie Goldlöckchen fühlen sie sich auf dem Mittelweg am wohlsten.