Die Flaggen der USA und der Bundesrepublik Deutschland

Fazit der "Weihnachtsrally" USA top, Deutschland flop

von Marc Stephan

Stand: 06.01.2020, 08:40 Uhr

Am 4. Januar endete die "Weihnachtsrally". Dieses Phänomen verschafft Anlegern regelmäßig hohe Kursgewinne. Wie ist die Rally diesmal ausgefallen und welche Folgen hat sie für das noch junge Börsenjahr 2020?

Während die "Jahresendrally" in der Regel schon ab Oktober zu beobachten ist, ist der Zeitraum der "Weihnachtsrally" deutlich enger. Sie findet laut Dimitri Speck von Seasonax statistisch gesehen zwischen dem 17.12. und dem 4.1. an der Wall Street statt.

S&P 500 Index - saisonal

Saisonaler Chart des S&P 500 Index über die vergangenen 91 Jahre. | Bildquelle: Seasonax, Grafik: boerse.ARD.de

Auch wenn beispielsweise der S&P 500 über die vergangenen 91 Jahre während der "Weihnachtsrally" durchschnittlich eine annualisierte Rendite von 47,41 Prozent (restliche Zeit des Jahres durchschnittlich 3,9 Prozent) einfuhr, ist die "Weihnachtsrally" keine Gewinngarantie. Bestes Beispiel dafür ist das Jahr Börsenjahr 2018. Denn damals fiel die Rally komplett aus.

So fiel die "Weihnachtsrally" aus

Während die Weihnachtsrally an der Wall Street in New York bei allen großen Indizes ihrem Namen alle Ehre gemacht hat, fand sie bei deutschen Indizes nicht statt. Die Kurse von Dax und Co sanken oder gewannen nur minimal. Der Dow hingegen konnte in derselben Zeit Kursgewinne von über einem Prozent verzeichnen und entsprach somit perfekt dem Muster der "Santa Claus Rally".

Zur Analyse haben wir jeweils die Schlusskurse des 16.12.2019 und des 3.1.2020 herangezogen.

"Weihnachtsrally" an der Wall Street

Der Dow konnte noch vor Weihnachten leicht klettern, bevor er zwischen den Jahren etwas sank. Danach ging es aber nochmal steil aufwärts. Zum Ende der Rally lag der amerikanische Leitindex bei 28.630 Punkten. Das entspricht einem Anstieg von 1,4 Prozent.

Ein ähnliches Verlaufsmuster ist auch beim S&P 500 zu beobachten. In nur 17 Kalendertagen stieg der Index, in dem auch die großen US-Techfirmen enthalten sind, um 1,38 Prozent.

Den größten Kursgewinn verzeichnete der Nasdaq 100. Der Index, der die 100 nach Marktkapitalisierung größten Tech-Unternehmen umfasst, legte um rund 2,6 Prozent zu.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
27.662,87
Differenz relativ
-0,87%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
3.318,01
Differenz relativ
-1,20%
Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
10.936,98
Differenz relativ
-1,30%

"Weihnachtsrally" in Deutschland durchwachsen

Während die Weihnachtsrally in den USA "nach Plan" ablief, verlief sie in Deutschland eher durchwachsen. Während Dax, SDax und TecDax Verluste über die 17 Kalendertage einfuhren, konnte lediglich der MDax leichte Gewinne verzeichnen. Sein Kurs stieg um rund 0,3 Prozent.

MDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
27.512,91
Differenz relativ
-0,40%

So verlor der Dax rund 1,6 Prozent und der Kurs des TecDax nahm um gut 1,9 Prozent ab. Der SDax verlor rund 0,6 Prozent. Dazu trug insbesondere der vergangene Freitag bei, an dem die Eskalation im Iran-Konflikt die Kurse in Deutschland deutlich stärker als in Amerika unter Druck setzte.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
13.116,25
Differenz relativ
-0,70%
SDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
12.463,27
Differenz relativ
-0,51%
TecDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
3.118,02
Differenz relativ
+0,55%

Ist eine ausgefallene "Weihnachtsrally" schlimm?

Dass eine ausgefallene "Weihnachtsrally" negative Auswirkungen auf das darauf folgende Börsenjahr hat, lässt sich so nicht sagen. Daher ist an dem Börsensprichwort "If Santa fails to call, a bear may come to Broad & Wall" auch nicht zwingend etwas dran.

Dieser Mythos lässt sich leicht widerlegen. Denn trotz des Ausfalls der Rally im vorvergangenen Jahr ging es an den Börsen danach aufwärts. Sowohl die US-Indizes als auch die deutschen Indizes konnten große Kursgewinne verbuchen.

Mark Hulbert von der US-Finanzwebseite "Marketwatch" schreibt sogar, dass sich der Aktienmarkt in den Jahren, in denen es keine "Weihnachtsrally" gab, besser entwickelt habe als in Jahren mit "Weihnachtsrally".

Das deckt sich auch mit den Prognosen für das Börsenjahr 2020: In den USA stehen die Aktienmärkte vor massiven Herausforderungen, allen voran den US-Wahlen im Herbst. In Deutschland hingegen könnte das Börsenjahr 2020 erneut gut verlaufen. Die niedrigen Zinsen der EZB taten den Börsen in den vergangenen Jahren auch schon gut. Die Deutsche Bank rechnet sogar damit, dass der Dax zum Jahresende den Sprung über die 14.000-Punkte-Marke schafft.