Bitcoin Futures

Wissenswertes über Kryptowährungen FAQ zu Bitcoin-Futures

Stand: 18.12.2017, 13:18 Uhr

Der Bitcoin-Future ist in aller Munde. Was bedeutet das für die Anleger? Welche Produkte dürfen wir noch erwarten? Wir beantworten Ihnen die wichtigsten Fragen.

Was ist eigentlich ein Future?  

Ein Future ist ein Terminkontrakt, mit dem Rohstoffe oder Finanzprodukte zu einem vorab festgelegten Preis zu einem bestimmten künftigen Zeitpunkt gehandelt, also verkauft oder veräußert werden. Terminkontrakte werden einerseits dazu verwendet, um sich gegen Preisschwankungen abzusichern. Fluggesellschaften können sich beispielsweise auf diese Weise gegen negative Folgen von Preisschwankungen beim Kerosin schützen. Erforderlich ist mindestens eine klare Meinung zur künftigen Preisentwicklung. In der Theorie soll der Handel dadurch ruhiger und die Zukunft für die Unternehmen planbarer werden.

Aufgrund ihrer Gestaltung eignen sich Futures aber auch hervorragend für Spekulationen. Es sind aufgrund der Hebelwirkung kräftige Gewinne möglich – vor allem aber auch Verluste, die den Einsatzwert auch massiv übersteigen können.  

Und besonders ruhig ist der Handel bislang nicht geworden. Der Preis für den bis Mitte Januar laufenden Terminkontrakt schoss am vergangenen Montag um gut ein Viertel nach oben. Die CBOE musste den Handel zeitweise unterbrechen. Immerhin haben sich die bislang zum Teil sehr hohen Preisunterschiede beim Bitcoin auf verschiedenen Handelsplattformen etwas verringert.

Wo wird der Bitcoin-Future gehandelt?

Einen Bitcoin-Future gibt mittlerweile bei der US-Terminbörse CBOE und beim weltweit größten Börsenbetreiber CME. Weitere werden mit Gewissheit folgen, denn das Geschäft mit dem Bitcoin-Hype will niemand sich entgehen lassen. Unter anderem die US-Technologiebörse Nasdaq und die Deutsche Börse denken ebenfalls über Bitcoin-Handelsprodukte nach.

 Wo finde ich den aktuellen Bitcoin-Kurs?

Das Problem bei der Kurssuche ist, dass es viele verschiedene Bitcoin-Börsen gibt, die verschiedene Preise anbieten. Als guter Richtwert gilt der Preis, der auf der New Yorker Handelsplattform Coinbase ermittelt wird.

Wie hängen Bitcoin-Future und Bitcoin-Preis zusammen?

Robert Rethfeld von "Wellenreiter Invest" hat sich über die wichtige Frage Gedanken gemacht, inwiefern der Future-Kurs den Cash-Index beeinflusst. Dabei trete laut Rethfeld die Schwierigkeit auf, dass es einen einzigen Cash-Index nicht gebe, da Bitcoin an einer Vielzahl von Börsen zu jeweils leicht unterschiedlichen Preisen gehandelt werde. Dabei gilt es zu bedenken, dass die Datenlage naturgemäß noch begrenzt ist. Jedenfalls kommt Rethfeld zum vorläufigen Schluss, dass mal der Cash-Index den Future geführt habe und mal umgekehrt: „Erst mit der Zeit erhält man Aussagen im Bezug auf die Führungsqualität des Futures gegenüber dem Cash-Index“, so Rethfelds Fazit. 

Wie wird sich der Wert des Bitcoin entwickeln?

Wer das genau weiß, muss nicht mehr arbeiten. Im Augenblick geht es unter auch mal recht starken Schwankungen aufwärts, da immer mehr Anleger an den fantastischen Gewinnen teilhaben wollen. Man kennt das aus der Geschichte der Finanzmärkte und der Spekulation: Es geht genau solange nach oben, wie sich jemand findet, oder anders gesagt: ein Narr findet, der einen höheren Preis bezahlt. Wenn diese Reihe mal an ein Ende kommt, wird es ungemütlich.  

Eugen Weinberg, Experte bei der Commerzbank, sieht den Bitcoin jetzt an einem kritischen Punkt. „Mit dem Future haben künftig beispielsweise Hedgefonds die Möglichkeit, im großen Stil auf einen Wertverfall beim Bitcoin zu wetten.“ Grundsätzlich sei dies schon vorher möglich gewesen, künftig sei es aber viel leichter.

Was bedeutet es, dass Futures mit längerer Laufzeit höher notieren?

Für Anleger lohnt es sich unbedingt, auch den Preis der länger laufenden Bitcoin-Futures zu beobachten und zu wissen, in welchem Verhältnis lange und kurze Laufzeiten zueinander stehen. Der Grund ist simpel: Wenn Bitcoin-Futures mit längerer Laufzeit höher notieren heißt das, die Investoren rechnen damit, dass der Kurs steigen wird. Notieren sie niedriger, erwarten die Anleger hingegen fallende Preise.

Kann man den Bitcoin-Future auch shorten?

Mittlerweile gibt es einige Produkte, mit denen man auf einen fallenden Bitcoin wetten kann. Die Schweizer Bank Vontobel bietet beispielsweise „Short-Mini-Futures“ an. Und bei CFD-Anbietern wie Interactive Brokers kann man ebenfalls auf fallende Bitcoin-Kurse wetten kann. Aber Vorsicht: Angesichts der aktuellen Kursentwicklung, bei der ein Rekord den nächsten jagt, ist es ungeheuer riskant, auf fallende Kurse zu wetten. Je nach den eigenen Kapazitäten droht früher, oder eben später die Pleite. Selbst wenn man auf lange Sicht recht hat, muss man das auch durchhalten können – oder den exakt richtigen Zeitpunkt treffen. Die Liste derjenigen, die daran gescheitert sind, ist lang.

Kommt jetzt bald der Bitcoin-ETF?

Nach der Einführung von Bitcoin-Terminkontrakten erwägt die Börse CBOE in Chicago die Einführung weiterer Finanzprodukte. "Wir werden in den kommenden Monaten Vertrauen schaffen, und bleiben Sie dran, es wird noch mehr kommen", sagte CBOE-Chef Ed Tilly der Nachrichtenagentur Reuters. Dabei könne es um Optionen auf Future-Kontrakte und Indexfonds (ETFs) gehen. Auch könnten Produkte für andere Krypto-Währungen außer Bitcoin folgen. Jeder will jetzt ein Stück vom Kuchen bekommen.

Bislang gibt es noch keinen ETF auf Bitcoins. Mehrere Anbieter, darunter die Winklevoss-Zwillinge versuchen allerdings, von der US-Wertpapier-Aufsicht (SEC) die Genehmigung für einen Bitcoin-ETF zu erhalten. Sollte das genehmigt werden, könnte dies die Nachfrage nach der Cyberwährung befeuern. „Auch hier gilt bei den jüngst eingeführten Terminkontrakten der First-Mover- Effekt. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, meint Timo Emden vom Online-Broker DailyFX.

Was sind die Risiken?

Der Bitcoin ist seit Jahresbeginn um rund 1.700 Prozent gestiegen, Skeptiker warnen vor einer Preisblase, die platzen und zu Turbulenzen führen könnte. Viele Experten raten deshalb vor Investitionen in das virtuelle Geld ab. Der Präsident der britischen Aufsichtsbehörde FCA, Andrew Bailey, betonte in einem Interview mit Bloomberg, Bitcoin-Anleger riskierten, ihr angelegtes Kapital ganz zu verlieren. Wenn es nur das wäre: Wie oben dargelegt, können bei Futures die Verluste das eingesetzte Kapital auch übersteigen. Festzuhalten ist: Das Investieren in Bitcoins ist riskant genug. Wer über Futures an der Preisentwicklung mitverdienen will, sollte sich der noch einmal erhöhten Risiken bewusst sein – und vor allem über hinreichend Expertise im Umgang mit Futures und Optionen verfügen.

Ein Dartpfeil fliegt auf einen roten Ballon zu

Die "Wirtschaftsweise" Isabel Schnabel hatte jüngst vor möglichen systemischen Risiken nach dem Future-Start gewarnt. Wenn die Internetwährung aus einer Nische in die etablierte Finanzwelt vordringe, berge das Gefahren: „Die Preisentwicklung der Bitcoins erinnert an die großen Blasen der Wirtschaftsgeschichte, zum Beispiel an die Tulpenkrise. Solange die Spekulationen mit Eigenkapital finanziert sind, verlieren die Investoren im Falle eines Crashs zwar viel Geld, die Ansteckungsgefahren dürften aber begrenzt sein", sagte sie der "Welt am Sonntag".

Auch der Schweizer Notenbankchef Thomas Jordan unterstrich, Anleger müssten sich des Risikos bei Bitcoin-Geldanlagen bewusst sein. Der Verwaltungsratspräsident der UBS, Axel Weber, sieht die Währung als nicht werthaltig an. Um Kleinanleger zu schützen, sollten die Regulierer einschreiten, sagte er der "NZZ am Sonntag". Der Bitcoin sei eine "hoch spekulative Anlageform", sagte in der vergangenen Woche die Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen. Für Bitcoin-Anleger gebe es erhebliche Risiken; für die internationalen Finanzmärkte sieht Yellen aber keine Gefahr von der Digitalwährung ausgehen.