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Directors' Dealings Wenn Insider handeln

von Detlev Landmesser

Stand: 30.01.2015, 15:04 Uhr

Wie stellt man sicher, dass Firmeninsider ihren Informationsvorsprung nicht illegal ausnutzen, indem sie vor Bekanntwerden der Information Aktien handeln? Antwort: Überhaupt nicht! Aber es gibt immerhin Mittel dagegen.

Seit 1995 gilt auch in Deutschland ein "Insiderhandelsverbot": Paragraph 14 des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) verbietet es Personen mit Kenntnissen von Insiderinformationen, diese vor deren Öffentlichmachung auszunutzen, indem sie Aktien der betreffenden Gesellschaft kaufen oder verkaufen. Bei Verstoß droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe (Paragraph 38 WpHG).

Solche "Insider" sind laut Paragraph 13 WpHG Personen, die Informationen über kursbeeinflussende Tatsachen früher als die breite Öffentlichkeit erhalten. Das Verbot bedeutet nicht, dass Insider nicht mit Papieren der betreffenden Gesellschaften handeln dürfen - nur dürfen sie dabei eben keine Insiderinformationen ausnutzen.

Directors'-Dealings-Mitteilungen sollen Transparenz bringen

Um das zu verhindern, hat der deutsche Gesetzgeber im Juli 2002 nachgelegt: Mit der Offenlegung ihrer Transaktionen, wie in den USA "Directors' Dealings" genannt, sollen Unternehmensinsider für Transparenz sorgen. Und damit dokumentieren, dass sie zum betreffenden Zeitpunkt keine Insiderinformationen ausgenutzt haben.

Laut Paragraph 15a des WpHG müssen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder und börsennotierter Gesellschaften und deren nahe Verwandte ihre Geschäfte mit Wertpapieren der Gesellschaft sowie der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) innerhalb von fünf Werktagen mitteilen. Die Gesellschaft muss diese "Directors'-Dealings-Mitteilung" wiederum "unverzüglich" veröffentlichen. Das geschieht über spezialisierte Dienste wie etwa die Deutsche-Börse-Tochter DGAP, die auch Ad-hoc- oder Stimmrechts-Mitteilungen verbreiten.

Auch die Oma muss gegebenenfalls melden

Als nahe Verwandte gelten Ehepartner, eingetragene Lebenspartner, unterhaltsberechtigte Kinder und andere Verwandte, die mit den Personen mit Führungsaufgaben seit mindestens einem Jahr im selben Haushalt leben. Unter bestimmten Voraussetzungen sind auch juristische Personen meldepflichtig. Seit der Neufassung des WpHG vom Oktober 2004 sind nur noch kleine Transaktionen, deren Summe bis zum Ende des Kalenderjahres insgesamt unter 5.000 Euro bleibt, von der Offenlegungspflicht ausgenommen.

"Karenzzeiten" bei ihren Transaktionen, wie etwa ein Handelsverbot kurz vor Veröffentlichung von Unternehmenszahlen, müssen Insider übrigens nicht beachten. Dass ein Directors' Dealing veröffentlicht wird, bedeutet natürlich nicht automatisch, dass es keine gesetzeswidrige Transaktion war.

Gilt nicht für Freiverkehrstitel!

Wie die Pflicht zu Ad-hoc- oder Stimmrechtsmitteilungen gilt diese Veröffentlichungspflicht nicht für Gesellschaften, die nur im Freiverkehr gehandelt werden. Diese gelten im gesetzlichen Sinne nicht als "börsennotiert". Auch im von der Deutschen Börse regulierten Teilbereich "Entry Standard" des Frankfurter Freiverkehrs (Open Market) fallen Director's Dealings nicht unter die Veröffentlichungspflicht kursrelevanter Informationen, die die Entry-Standard-Unternehmen "zeitnah" auf ihrer Website veröffentlichen müssen. Veröffentlicht also eine Gesellschaft aus dem Freiverkehr derartige Transaktionen, geschieht das rein freiwillig.

Die BaFin sieht in der Veröffentlichungspflicht einen "wichtigen Beitrag zur Prävention von Insidergeschäften". Interessanterweise teilt die Behörde weiter mit: "Darüber hinaus ist die Kenntnis über solche Geschäfte für den Markt von großer Bedeutung, da diese Transaktionen Anhaltspunkte über die Einschätzung der weiteren Geschäftsaussichten durch die Unternehmensleitung geben."

Da hat die BaFin Recht! Lesen Sie in Teil 2, wie Marktteilnehmer von Directors'-Dealings-Mitteilungen profitieren können.