Weihnachtsmann mit Glocke

Der stärkste Kursimpuls des Jahres Die Weihnachtsrally - ja, es gibt sie!

von Angela Göpfert und Detlev Landmesser

Stand: 18.12.2019, 14:52 Uhr

Glauben Sie noch an den Weihnachtsmann? Nein? Sollten Sie aber. Zumindest an der Börse. Die Weihnachtsrally, auch als "Santa Claus Rally" bekannt, gehört zu den statistisch gut belegten Phänomenen an den Aktienmärkten.

Vielleicht geht es Ihnen ähnlich: Das ständige Gerede von Jahresend- oder Weihnachtsrally kann ebenso ermüden wie die zahlreichen familiären Herausforderungen rund um das "Fest der Liebe"...

Dabei ist es für Anleger durchaus vernünftig, über diese Phänomene Bescheid zu wissen. Hilfreich ist zunächst einmal die Scheidung zwischen der "Jahresendrally", die in der Regel schon ab Oktober zu beobachten ist, und der deutlich enger gefassten "Weihnachtsrally", die meist rund um den Jahreswechsel stattfindet. In den ersten beiden Dezemberwochen neigen Dax, Dow & Co. hingegen üblicherweise zur Schwäche.

Unglaublich mächtiges Phänomen...

Laut Dimitri Speck von Seasonax beginnt die traditionelle "Santa Claus Rally" an der Wall Street im statistischen Schnitt am 17. Dezember und endet typischerweise am 4. Januar. Dabei handelt es sich um ein unglaublich starkes statistisches Phänomen, wie auch der folgende saisonale Chart des S&P 500 zeigt.

In den vergangenen 91 Jahren belief sich der durchschnittliche Kursgewinn in diesem breit gefassten US-Index auf 1,82 Prozent – in nur 17 Kalendertagen. Das entspricht einer annualisierten Rendite von 47,41 Prozent! Dagegen brachte die restliche Zeit des Jahres im Schnitt nur eine annualisierte Rendite von 3,9 Prozent.

S&P 500 Index - saisonal

Saisonaler Chart des S&P 500 Index über die vergangenen 91 Jahre. | Bildquelle: Seasonax, Grafik: boerse.ARD.de

... aber keine Gewinngarantie

Allerdings ist die Börse immer noch eine menschliche Veranstaltung, und für die Ergebnisse menschlichen Zusammenwirkens lassen sich eben nur Wahrscheinlichkeiten, keine Gewissheiten formulieren. So fiel die Weihnachtsrally im vergangenen Jahr 2018 komplett aus.

Aber mit einer Trefferwahrscheinlichkeit von über 75 Prozent bleibt diese Anomalie für Anleger weiterhin aussichtsreich, auch wenn sie unter Profis schon altbekannt ist. Der amerikanische "Stock Trader's Almanac", das Standardwerk für saisonale Effekte an der Börse, von Liebhabern gerne auch mal als "Trading Bible" bezeichnet, beschrieb das Phänomen erstmals 1972.

Monatliche Durchschnittsperformance des Dow Jones

Monatliche Durchschnittsperformance des Dow Jones. | Bildquelle: Wellenreiter-Invest

Selige Kauflaune?

Aber wie ist dieses Phänomen zu erklären? Dafür sind gleich mehrere Erklärungen im Umlauf.

So glauben einige, die Rally ließe sich auf die mit Blick auf die Jahreszeit gute Stimmung der Investoren zurückführen. Andere wiederum sehen die Ursache in den jährlichen Boni-Zahlungen der Wall Street – welche die Banker direkt wieder in die Märkte investieren.

Dax saisonal 30 Jahre

Auch im Dax lässt sich das Phänomen Weihnachtsrally beobachten. | Bildquelle: seasonalcharts.com, Grafik: boerse.ARD.de

Wenn Januar…

Am überzeugendsten klingt aber diese Erklärung: Die Anleger positionieren sich für den Januar-Effekt, auf steigende Kurse zu Jahresbeginn. Diese sind gemäß der "Tax-Loss-Selling-Hypothese" auf die steuerbedingten Entscheidungen der Anleger zurückzuführen.

Denn zum Ende des Jahres verkaufen Investoren traditionell bis dato schlecht gelaufene Aktien, um Verluste zu realisieren, die sie dann mit ihren Gewinnen gegenrechnen und so die Steuerbelastung mindern können. Zu Jahresbeginn wird dann ein Großteil des Geldes neu investiert.

… schon im Dezember ist

Noch wichtiger dürfte aber der Einfluss der Fondsmanager auf die Kursperformance zu Jahresbeginn sein: Viele Fondsmanager verkaufen ihre Verlustbringer zum Jahresende, um in ihrer Jahresbilanz ein blitzsauberes Depot präsentieren zu können. Im Januar kaufen sie dann wieder einige dieser Werte zurück oder aber investieren das freigesetzte Kapital in andere Titel.