Die SEC - Mutter aller Börsenaufsichten

Thomas Spinnler

Stand: 29.10.2010, 11:29 Uhr

Einst der Stolz der USA und für das harte Vorgehen gegen Anlagebetrüger und die effektive Kontrolle der Finanzmärkte gerühmt: Die Börsenaufsichtsbehörde SEC. Ihr Ruf hat in den vergangenen zehn Jahren allerdings mächtig gelitten.

Der Anlagebetrüger Bernie Madoff wird von den Männern der Securities and Exchange Commission (SEC) in Handschellen abgeführt - ein Bild, wie es der Öffentlichkeit und den Anlegern gefällt. Es stützt das Gefühl, dass es in der Welt und an den Börsen gerecht zugeht. Wie in der Dramaturgie eines Hollywood-Westerns wird der Schurke zuletzt doch von den guten Jungs geschnappt und seiner verdienten Strafe zugeführt. So schafft man Vertrauen durch Imagepflege.

Kampf ums Image

Und genau das kann die SEC gut gebrauchen. Das Ansehen der mächtigsten Börsenaufsicht der Welt ist angekratzt, denn in einer ganzen Reihe von Börsenskandalen machte sie alles andere als eine glänzende Figur. Viele Experten werfen ihr eine ungesunde Nähe zu den Unternehmen an der Wall Street vor: kuscheln statt kontrollieren.


Finanzmarktkrise, das Schneeballsystem Bernie Maddoffs oder der Enron-Bilanzskandal erschütterten das Vertrauen in die Kompetenz und die Integrität nicht nur der Behörde. Der Glaube an das Funktionieren des gesamten Finanzmarktes und der Aktienmärkte ist einer gesunden Skepsis gewichen.

Vertrauen ist gut - Kontrolle noch besser

Neu sind diese Zweifel nicht. Der aus schlechten Erfahrungen genährten Vorsicht hat die SEC schließlich ihre Entstehung zu verdanken: Sie wurde durch den Securities Act und den Securities Exchange Act 1934 als Antwort auf den großen Börsencrash 1929 gegründet. Bis dahin verließen sich die Kapitalmärkte auf die häufig beschworenen Selbstregulierungskräfte der Märkte. Eine Kontrolle der Marktakteure fand kaum statt.


Der Zusammenbruch der Wall Street belehrte die Welt eines Besseren. Schließlich hatten gerade Banken seinerzeit eine unrühmliche Rolle gespielt, weil sie gegenüber Anlegern einen Informationsvorsprung nutzten, Informationen vorenthielten oder sie gar mit Falschinformationen versorgten. Vorwürfe, die auch während der durch faule Hypotheken ausgelösten Finanzkrise wieder lautstark erhoben wurden.

Wissen ist Macht - und Geld

Das Problem der asymmetrischen Information zu beseitigen ist bis heute eine der Hauptaufgaben der SEC. Denn Finanzdienstleister oder Börsenmakler verfügen über einen Wissensvorsprung, den sie gegenüber den Kunden ausnützen können. Die Börsenaufsicht soll gewährleisten, dass einem Investor alle Informationen über Unternehmen und Märkte zur Verfügung stehen. Wer mit Insiderwissen Geschäfte macht, wird bestraft. Die SEC gewährt Anlegerschutz durch Überwachung und Durchführung der Bundesgesetze zu den Publizitätspflichten der Unternehmen.


Überwacht werden kann nur, was bekannt ist: Unternehmen, die auf dem US-Kapitalmarkt tätig werden wollen, müssen sich bei der SEC registrieren. Die Registrierungspflicht betrifft auch Börsenhändler und Wertpapiere. Deutsche Unternehmen, deren Wertpapiere an einer US-Börse gehandelt werden und deutsche Tochterunternehmen US-amerikanischer Gesellschaften unterliegen also ebenfalls der SEC.


Unternehmen, die bei der SEC registriert sind und, müssen die Quartals- und Jahresberichte bei der Börsenaufsicht einreichen. Diese Berichte werden nicht nur formell, sondern auch inhaltlich überprüft.

Ein Vorbild für die BaFin

Aber die Befugnisse der SEC gehen noch weiter. Sie erfüllt auch sowohl judikative als auch exekutive Aufgaben: Zu den judikativen Elementen der Tätigkeit gehören Untersuchungs-, Klage- und Entscheidungsbefugnisse, die weit über die Möglichkeiten des deutschen Äquivalents, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin, hinausgehen. Das gilt auch für die legislativen Aufgaben, die so genannte Rule-Making-Power, zu denen auch der Erlass von Regelungen und Verordnungen zur Auslegung von Bundesgesetzen gilt.


Nicht nur bezüglich der Befugnisse ist die SEC besser aufgestellt als die BaFin: Die SEC soll nach den Plänen von US-Präsident Barack Obama im Oktober 2011 rund 4.200 Mitarbeiter haben und verfügt über ein Budget vom mehr als 1,2 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr betrug der Etat noch 970 Millionen Dollar für 3.642 Angestellte. Für die deutsche Behörde arbeiten dagegen knapp 1.900 Aufseher. Der Etat beträgt rund 140 Millionen Euro.


Geleitet wird die SEC von fünf Kommissaren, die vom US-Präsidenten mit Einverständnis des Senats ernannt werden. Ihre Amtszeit beträgt fünf Jahre. Präsident Obama machte Mary Shapiro zur Vorsitzenden der SEC, die den Posten im Jahr 2009 übernahm.


Lesen Sie in Teil 2, wie die SEC versucht, aus den Skandalen der Vergangenheit zu lernen: Schärfere Gesetze für scharfe Aufseher