Europäische Zentralbank in Frankfurt

Geldpolitik Die EZB und ihre unsichtbaren Kräfte

von Anita Schneider

Stand: 07.12.2011, 15:53 Uhr

Sie ist es gewohnt, im Rampenlicht zu stehen, denn ihre Entscheidungen beeinflussen die europäische und die globale Wirtschaft: die Europäische Zentralbank. Obwohl sie eine so zentrale Rolle einnimmt, operiert sie mit überraschend wenigen Instrumenten.

Die Europäische Zentralbank hat ihren Sitz in der Bankenstadt Frankfurt am Main. Hinter der Glasfassade des 148 Meter hohen Turmes verbirgt sich nicht nur eine herrliche Aussicht auf die Stadt, hier fällen die Währungshüter auch Entscheidungen, die für die wirtschaftliche Entwicklung Europas von fundamentaler Bedeutung sind.

Dabei haben 23 Männer das Zepter in der Hand. Sie bilden gemeinsam den EZB-Rat. Ob Frankreich, Deutschland oder das kleine Malta, alle 17 Länder der Eurozone wollen die Geldpolitik mitbestimmen. Daher gehören dem EZB-Rat zum einen die 17 Präsidenten der nationalen Zentralbanken an. Zum anderen werden sie ergänzt von dem Direktorium, das sich zusammensetzt aus dem EZB-Präsidenten, seinem Stellvertreter und vier weiteren Mitgliedern.

Zweimal im Monat kommt der EZB-Rat zusammen, erlässt Leitlinien, trifft Entscheidungen und verteidigt das wichtigste Ziel der EZB: die Preisstabilität in Euroland, genauer eine Verbraucherpreissteigerung von unter zwei Prozent. Soweit Krisensituationen danach verlangen, unterstützt der Rat zudem die Wirtschaftspolitik der Gemeinschaft.

Die erste Sitzung des Monats ist von besonderem medialem Interesse, denn hier erläutert der Präsident in einer anschließenden Pressekonferenz seine geldpolitischen Beschlüsse.

Noch stärker als sonst richtet sich in letzter Zeit die Aufmerksamkeit auf die Entscheidungen des EZB-Rats. Zum einen wegen der europäischen Schuldenkrise und ihren Folgen, zum anderen wegen zunehmender Inflationsängste. Die Rufe nach der EZB - als Retterin in der Not - werden in Krisenzeiten immer lauter. Doch welche Instrumente hat die EZB eigentlich zur Hand und was bewirken sie? Bei genauerer Betrachtung fällt auf: Es sind gar nicht so viele, besser gesagt, es sind nur drei Stück: die Offenmarktpolitik, ständige Fazilitäten und die Mindestreserve. Beginnen wir mit dem wichtigsten Werkzeug der EZB: Offenmarktpolitik - das Herz der Geldpolitik