Anleger in Partylaune Der Feiertagseffekt an der Börse

von Angela Göpfert

Stand: 03.07.2018, 13:07 Uhr

Der Feiertagseffekt gehört zu den gut belegten Kapitalmarktanomalien. Doch woher rührt es, dass die Renditen an Handelstagen vor und nach Feiertagen im statistischen Schnitt höher liegen? Sind tatsächlich die Short Seller schuld?

Logisch wäre es in jedem Falle. Schließlich setzen Short Seller durch den Leerverkauf von Wertpapieren auf fallende Kurse. Längere Handelspausen an den Märkten bergen aber große Risiken für die Shorties, können sie so doch erst mit großer Verzögerung auf neue Entwicklungen reagieren.

Shorties als Kurstreiber

Viele dürften daher ihre Short-Positionen vor den Feiertagen schließen – dadurch treten sie am Markt als Käufer auf und treiben so die Kurse in die Höhe.

Robert Rethfeld von "Wellenreiter-Invest" hält eine weitere einleuchtende Erklärung für den Feiertagseffekt parat: Er verweist auf die gute Stimmung der Anleger im Umfeld von Feiertagen, das senke die Hemmschwelle für Aktienkäufe.

Gediegene Langeweile

Von einer Kauforgie vor oder nach Feiertagen sind die Märkte in der Regel jedoch weit entfernt. Vielmehr herrscht dort in der Regel gähnende Langeweile, das Handelsvolumen sinkt an diesen Tagen deutlich.

Das wiederum liegt schlichtweg darin begründet, dass viele Anleger früher in den Feiertagsurlaub starten beziehungsweise später aus ihm zurückkehren.

Nur ein kurzweiliges Phänomen?

Zweifel an der Nachhaltigkeit der steigenden Kurse rund um Feiertage sind damit absolut angebracht. Denn nur wenn ein Aufwärtstrend mit steigendem Volumen einhergeht, gilt er im Sinne der Dow-Theorie auch als bestätigt.

Erst wenn nach den Feiertagen "echte Käufer" auf den Plan treten und die Kurse unter hohem Volumen weiter in die Höhe treiben, können Anleger auf eine Aufwärtsbewegung hoffen, die mehr ist als eine Eintagsfliege.