Börsenwissen

Haus aus Münzsäulen mit Dach aus Dollarscheinen

Indikator für den Immobilienmarkt Der Case-Shiller-Index

Stand: 29.03.2016, 14:28 Uhr

Der Immobilienmarkt ist einer der wichtigsten Indikatoren für die Konjunktur in den USA. Seit rund zehn Jahren misst der Case-Shiller-Index die Preisentwicklung bei privaten Häuserpreisen. Der Index geht auf Forschungen des Nobelpreisträgers Robert J. Shiller zurück.

Bereits in den 1980er Jahren hatte der bekannte Ökonom Robert Shiller zusammen mit zwei Kollegen, Karl Case und Allan Weiss, Daten zu Verkaufspreisen privater Eigenheime gesammelt. Die drei Wissenschaftler gründeten später eine Researchfirma, die bald vom Datendienstleister Fiserv übernommen wurde. Die Daten über die Preisbewegungen am US-Häusermarkt werden seit 2006 von der Ratingagentur Standard & Poor's aufbereitet und allmonatlich im "Case-Shiller-Index" veröffentlicht.

Landesweit und für Ballungszentren

Eine Reihe von Teilindizes werden dabei ausgewertet: Der nationale Preisindex für Eigenheime wird quartalsweise publiziert, stets am letzten Dienstag der Monate Februar, Mai, August und November. Allmonatlich veröffentlicht werden zwei weitere Indizes: Ein Index, der die Hauspreisentwicklung in den Metropolen Boston, Chicago, Denver, Las Vegas, Los Angeles, Miami, New York, San Diego, San Francisco und Washington, D.C. abbildet. Und der so genannte "20-Städte-Index", der darüber hinaus noch Daten der Städte Atlanta, Charlotte, Cleveland, Dallas, Detroit, Minneapolis, Phoenix, Portland (Oregon), Seattle und Tampa enthält. Zu den einzelnen Städten werden dazu noch 20 einzelne Städte-Indizes ermittelt.

Alle genannten Daten werden jeweils monatlich am letzten Dienstag eines Monats veröffentlicht. Sie beziehen sich jeweils auf die Preis des vorvorherigen Monats. Im März werden damit beispielsweise die Daten des Monats Januar publik gemacht.

Jahr 2000 = 100

Bei den Indizes wurde ein Wert von 100 für das Jahr 2000 zurückgerechnet. Ein aktueller Wert von 175 für den nationalen Index bedeutet also, dass die Eigenheimpreise in den vergangenen 16 Jahren im Schnitt um 75 Prozent gestiegen sind.

Die Methodik des Case-Shiller-Index' ist auf Einfamilenhäuser ausgerichtet. Sie erhebt dabei die "Wiederverkaufspreise" (repeat-sales method) der Immobilien. Damit wird verglichen, zu welchen Preisen ein und dieselbe Immobilie im Zeitverlauf verkauft wird. Die Preisentwicklung von Neubauten ist damit nicht im Preisindex enthalten. Private Weiterverkäufe (etwa an Familienmitglieder) werden ebenso wenig berücksichtigt wie Verkäufe nach einer umfassenden Umgestaltung oder Umwidmung einer Immobilie.

Hauspreise als Krisenindikator?

Die Entwicklung der Häuserpreise hat aus Sicht vieler Ökonomen eine wichtige Signalfunktion. So deuten steigende Häuserpreise einerseits auf eine gut laufende Konjunktur hin, in der sich viele Bürger Wohnimmobilien als Investment oder Altersvorsorge leisten können. Starke Preissteigerungen im Immobiliensektor werden aber auch als Hinweis auf mangelnde Anlagealternativen angesehen. Nicht zuletzt können sich auch "Blasenbildungen" im Immobiliensektor in rapide steigenden Preisen niederschlagen. Robert Shiller hatte bereits ab 2003 eine solche Blasenbildung an seinen Daten ablesen können. Die Hyptheken- und Finanzkrise, die er ab 2007 vehement beschwor, trat dann ein Jahr später auch ein.

AB