Blick auf die Dax-Tafel in der Frankfurter Börse

Dividenden-Anleger, aufgepasst! Das macht den Dax so einzigartig

von Angela Göpfert

Stand: 29.06.2018, 06:45 Uhr

Der deutsche Leitindex Dax wird gerne mit dem Dow Jones in den USA oder dem Nikkei in Japan verglichen. Doch es gibt einen Unterschied. Einen gewaltigen Unterschied – den Anleger besser kennen sollten.

Wenn Sie in den Medien vom Dax lesen, handelt es sich dabei grundsätzlich um den Dax-Performance-Index. Dieser wird unter der Annahme berechnet, dass die von den 30 Unternehmen gezahlten Dividenden wieder reinvestiert werden.

Na und, werden Sie vielleicht jetzt denken, das macht doch auch Sinn. Schließlich sind Dividenden ein wichtiger Bestandteil der Gesamtrendite einer Aktien-Anlage.

Nur sollten Sie eines wissen: In keinem anderen Land der Welt wird dies so gehandhabt. Überall sonst gilt nur der Kurs-Index. Bei dessen Berechnung werden Dividenden nicht berücksichtigt - so etwa beim amerikanischen Dow Jones, dem japanischen Nikkei, dem französischen CAC 40 und dem britischen FTSE 100.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
11.341,00
Differenz relativ
-0,11%
Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
25.424,77
Differenz relativ
+0,56%
Nikkei 225 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Tokio SE für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
21.680,34
Differenz relativ
-0,57%

"Botox-Dax" vs. Kurs-Dax

Ein Mann bekommt eine Botox-Spritze in die Stirn

"Schön" aufgeplustert . | Bildquelle: colourbox.de

Kritiker sprechen daher auch vom "getunten" Dax oder vom "Botox-Dax". Recht haben sie. Das zeigt ein Blick auf den Dax-Kursindex. Das ist der Dax 30 ohne Dividendenzahlungen.

Offiziell gestartet ist der Kurs-Dax zusammen mit dem Performance-Dax am 1. Juli 1988, normiert wurden beide Indizes auf jeweils 1.000 Punkte zum 31. Dezember 1987.

Ordentliche Extra-Rendite

Der Unterschied ist gewaltig: So legte der Performance-Dax binnen fünf Jahren 58 Prozent zu. Der Kurs-Dax schaffte es im gleichen Zeitraum gerade einmal auf ein Plus von 38 Prozent.

Kurs- vs. Performance-Dax

Der Performance-Dax lässt den Kurs-Dax in der langen Frist ganz schön alt aussehen. | Grafik: boerse.ARD.de

Noch krasser fällt der Vergleich aus, wenn man die Zeitebene weiter öffnet: In der 30-Jahres-Perspektive ist der Dax-Kursindex um rund 500 Prozent gestiegen. Mit dem Dax-Performanceindex ließ sich dagegen eine Rendite von gut 1.200 Prozent einfahren.

Eingebauter Zinses-Zins-Effekt

Nur woher rührt diese gewaltige Renditedifferenz? Ganz einfach, die Reinvestition der Dividenden beim Dax-Performanceindex sorgt für einen eingebauten Zinses-Zins-Effekt. Damit kann der Performance-Dax theoretisch sogar dann steigen, wenn die Kurse fallen.

Auf Sicht von 30 Jahren sind allein die reinvestierten Dividenden für eine Dax-Rendite von 700 Prozent verantwortlich.

Ein Marketing-Gag der Deutschen Börse?

Doch wozu taugt der Performance-Dax, wenn er nicht mit internationalen Indizes, sondern bestenfalls mit einem thesaurierenden Investment-Fonds vergleichbar ist? Weshalb ist er in aller Munde, warum schauen die Anleger nur auf ihn – und nicht auf den "echten" Kurs-Dax?

Die Antwort liegt schlicht und ergreifend in einem geschickten Marketing der Deutschen Börse. Diese hat natürlich ein ureigenes Interesse daran, den Dax im internationalen Vergleich bestmöglich dastehen zu lassen. Schließlich befinden sich 54 Prozent der Dax-Aktien in ausländischem Besitz, allein 21 Prozent gehört nordamerikanischen Investoren.

Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt

Der "getunte" Dax verkauft sich einfach besser . | Quelle: picture-alliance/dpa

Mediales Nischendasein

Aber auch die Medien tragen ihr Scherflein zur Beliebtheit des Performance-Dax bei. Das liegt einmal in der Unwissenheit mancher Börsenjournalisten, aber auch in der Funktionsweise der Medien begründet.

Denn natürlich lässt es sich über einen derart gepushten Index viel einfacher und aufbauschender berichten. So hat der Performance-Dax sein Allzeithoch aus dem Jahr 2000 (Höhepunkt der Dotcom-Blase) bereits 2007 übertroffen. Der Kurs-Dax dagegen stellte erst 2015 eine neue Bestmarke auf.

Dem Kurs-Dax ist es jedenfalls nur zu wünschen, dass er künftig etwas aus seinem medialen Nischendasein heraustritt. Das würde auch der Aktienkultur in Deutschland einen wichtigen Dienst erweisen.