Ein Mann schließt einen Sicherheitsgurt

In Zeiten fallender Aktienmärkte Das Depot absichern - gewusst wie!

von Till Bücker

Stand: 05.12.2018, 15:01 Uhr

Viele Anleger haben in diesem schwierigen Börsenjahr Verluste gemacht. Das müsste eigentlich nicht sein. Wir zeigen, wie sich private Investoren gegen Kursschwankungen absichern können - sowohl kurz- als auch langfristig.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
10.865,77
Differenz relativ
-0,54%

2018 lief für viele Börsianer nicht gerade berauschend. Globale Handelskonflikte, Spannungen innerhalb der Eurozone, der Brexit, steigende Zinsen in den USA und die Sorge über einen allgemeinen Wirtschaftsabschwung führten auch in Deutschland zu einen schwachen Aktienmarkt. Rund 13 Prozent hat der deutsche Leitindex Dax im laufenden Jahr bis heute verloren.

Und sollte sich die Marktlage nicht noch einmal auf wundersame Weise drehen, wird 2018 als eines der schlechtesten Jahre für den Dax in die Geschichte eingehen. Hoffnung auf eine Besserung gibt es kaum.

Zwar erholte sich der Index jüngst nach Entspannungssignalen vom G20-Gipfel und der angeblichen Annäherung zwischen den USA und China im Handelsstreit, doch der Sprung erwies sich als "Bullenfalle". Auch im eigentlich traditionell guten Aktienmonat Dezember scheint niemand wirklich an eine Jahresendrally zu glauben.

Fast jeder Zweite hat massig Verluste gemacht

Seit 2012 konnten Investoren am deutschen Aktienmarkt stets jährliche Gewinne einfahren. Anders im diesen Jahr: Das belegt auch eine Online-Umfrage des Deutschen Derivate Verbands (DDV) im November mit mehr als 4.300 befragten Privatanlegern.

Umfrageergebnis: Wie hat sich Ihr Wertpapierdepot 2018 entwickelt?

Umfrageergebnis: Wie hat sich Ihr Wertpapierdepot 2018 entwickelt?. | Bildquelle: Deutscher Derivate Verband, Grafik: boerse.ARD.de

Beinahe jedes zweite Depot weise demnach seit Januar einen Verlust von über sechs Prozent auf. Etwa 14 Prozent gaben an, zwischen einem und sechs Prozent verloren zu haben. Ein Muss ist das nicht - im Gegenteil. Entgegen dem Markttrend haben seit Jahresbeginn auch rund 30 Prozent der Befragten Gewinn gemacht.

An mitgenommenen Gewinnen ist noch niemand gestorben, lautet eine Börsenweisheit. Neben dem radikalen Schritt des kompletten Ausverkaufs, bei dem die Gewinne durch teilweise hohe Transaktionskosten geschmälert werden, gibt es noch eine Vielzahl anderer Möglichkeiten, sich gegen einen Bärenmarkt abzusichern.

Portfolio gewichten

Zum einen die strategische Asset-Allokation: Wer langfristig plant, kann das unabhängig von der aktuellen Marktlage machen. Das individuelle Rendite-Risiko-Verhältnis sowie die Diversifikation sollten dabei im Vordergrund stehen, beispielsweise durch die Verteilung des Aktienanteils auf unterschiedliche Branchen und Staaten sowie die Aufnahme von sicheren Anlagen.

Will man sich jedoch an Konjunkturveränderungen anpassen, sind Umschichtungen und Teilverkäufe wichtig. In Zeiten der Abkühlung können defensive Titel wie Papiere aus der Nahrungsmittel-, der Gesundheits-, der Pharma- oder der Telekommunikationsbranche das Depot absichern. Diese präsentieren sich robuster, denn Produkte wie Medikamente oder Artikel für Körperhygiene werden immer gekauft. Außerdem sollte auf stabile Geschäftsmodelle und gute Bilanzen mit langer Historie geachtet werden.

Gegengeschäfte für die Risikominimierung

Für das klassische Absichern sind Gegengeschäfte geeignet. Mit Verkaufsoptionen (für Privatanleger in Form von Optionsscheinen) auf Aktien oder Indizes kauft der Anleger das Recht, den Basiswert an einem festgelegten Zeitpunkt oder während einer Laufzeit zu einem vorher vereinbarten Preis, meist dem momentanen Kurs, zu verkaufen. Diese Puts gleichen also den Verfall des Basiswerts aus. Bei starken Marktschwankungen kann die Optionsprämie für den Verkäufer allerdings sehr teuer sein.

Ein weiteres Termingeschäft sind Futures. Im Gegensatz zu Optionen müssen die Beteiligten ihr Geschäft auf jeden Fall abwickeln, die Short-Position profitiert also auch hier von einem fallenden Preis des Basiswerts. Mit Futures kann bei relativ geringem Einsatz sehr viel Kapital bewegt werden. Das liegt daran, dass zum Kauf eines Future-Kontrakts nur ein kleiner Betrag, die Sicherheitsmarge, bei der jeweiligen Bank hinterlegt werden muss und nicht die volle Summe.

Spekulative Absicherung

Eine ganze Palette an Absicherungsmöglichkeiten bietet die spekulative Zertifikate-Branche. Mit dem Einsatz der Produkte kann ein ganzes Portfolio oder auch nur ein Teil davon "abgepuffert" werden. Dafür eignen sich beispielsweise Discount- oder Bonus-Zertifikate, die den Anleger bis zu einem bestimmten Kursrückgang schützen können.

Auch Hebel-Produkte können genutzt werden. Short-Zertifikate wie das Reserve-Bonus-Zertifikat gibt es in Hülle und Fülle auch auf eine Vielzahl der Einzelaktien, die in Deutschland gehandelt werden. Deutlich weniger Auswahl bei der Zahl der Basiswerte, dafür aber geringere Kosten, bietet der Einsatz von CFDs.

Bei Zertifikaten und Differenzkontrakten sollten Anleger jedoch ein weiteres Risiko beachten. Da sie von Banken oder Brokern ausgegeben werden, besteht ein gewisses Emittentenrisiko, wenn die Finanzinstitutionen pleite gehen sollten. Außerdem kann der Hebeleffekt in beide Richtungen erfolgen und daher auch für hohe Verluste sorgen.

Limit für Verluste und Indexfonds

Als Ordertyp ist der Stop Loss sinnvoll, um entstandene Kursgewinne möglichst zu sichern. Bei einer Stop-Loss-Order wird der Verkauf einer Aktie oder eines Fonds beim Unterschreiten einer bestimmten Kursmarke automatisch ausgelöst. Das Wertpapier wird dann zum nächstmöglichen Kurs abgegeben. Den Abstand des Verlustlimits sollten Anleger mit Bedacht wählen.

Mittlerweile gibt es auch auch passive Indexfonds, um sich gegen Verluste zu wappnen. Diese sogenannten Short-ETFs, die eine Konstruktion aus verschiedenen Derivaten sind, sind teurer als gewöhnliche ETFs . Außerdem spiegeln die passiven Fonds die Kursentwicklung des Indizes immer nur über einen Tag exakt, über mehrere Tage können dadurch Unterschiede entstehen. Obwohl ein Index auf lange Sicht an Wert verliert, kann ein auf Tagesbasis arbeitender Short-ETF also ebenfalls Verlust machen. Langfristig sollten Anleger diese Möglichkeit daher meiden.

1/9

Richtig absichern Überblick

Hundert- und Fünfzigeuroscheine in einem Rettungsring

Kasse machen
Gewinne sichern - das geht ganz sicher mit einem Total-Verkauf. Diesen radikalen Schritt sollte freilich nur machen, wer einen längerfristigen Bärenmarkt erwartet oder freie Mittel fürs Alter oder eine größere Anschaffung braucht. Schon beim Ausstieg sollte man sich ein mögliches Wiedereintritts-Szenario überlegen, das auf fundamentalen oder charttechnischen Erwägungen beruht.