Anschleichen ist nicht mehr!

von Detlev Landmesser

Stand: 07.05.2007, 16:54 Uhr

Heimlich, still und leise war gestern: Wer ein börsennotiertes Unternehmen übernehmen will, muss sich mittlerweile recht früh aus der Deckung wagen.

Kaum ein Tag, an dem nicht eine Anzahl von Stimmrechts-Mitteilungen über die Ticker läuft: Die seit Januar 2007 geltenden neun Meldeschwellen halten die rund 750 Unternehmen des Prime und General Standard und ihre Aktionäre ganz schön auf Trab.

Das ist auch gut so: Denn die Fülle an Informationen macht es interessierten Anlegern leichter, mögliche Übernahmen oder spektakuläre Ausstiege früh zu erkennen.

Banken-Handel transparenter

Dabei ist auch hilfreich, dass sich die Banken seit der Neuregelung nicht mehr von der Meldepflicht für ihre Handelsbestände befreien lassen können. Jetzt müssen sie diese ab der Schwelle von fünf Prozent offenlegen. Diese vorübergehenden Bestände werden dabei nicht zu etwaigen strategischen Beteiligungen der Banken hinzugezählt, sondern separat ausgewiesen.

Taucht eine Aktie in den Handelsbeständen großer Banken auf, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass die Geldhäuser die Anteile möglicherweise an interessierte Adressen weiterreichen wollen. Kauft eine Bank die Beteiligung dagegen als Verwahrer auf Rechnung Dritter, ist nicht sie, sondern die Auftraggeber entsprechend meldepflichtig.

Nebenbei sind auch die sonstigen Handelsaktivitäten der Banken deutlich transparenter geworden. So sorgte im April das groß angelegte Dividenden-Stripping von Kunden der WestLB für Aufsehen. Diese hatten ein Mammut-Paket von über zehn Prozent vorübergehend bei dem Institut geparkt, um die hohe Steuerlast der Dividendenzahlung zu umgehen und ihre Anteile mit Dividendenabschlag wieder zurückzukaufen - ein Vorgehen, das dem Fiskus ein Dorn im Auge ist.

Verwirrung hatte es auch im Februar gegeben, als die Merck KGaA mitteilte, dass die Deutsche Bank auf einmal mehr als 20 Prozent der Stimmrechte hält. Die Aufregung legte sich erst, als klar wurde, dass die Bank das Paket nur als Konsortialführerin einer Kapitalerhöhung in ihre Bücher genommen hatte.

Noch ein Hintertürchen weniger

Auch die neue Meldepflicht über den Erwerb von Finanzinstrumenten, etwa Kaufoptionen, erlaubt tiefe Einblicke. Damit ist es für Übernehmer zunehmend schwieriger geworden, sich durch die Hintertür an das Objekt ihrer Begierde heranzuschleichen.

Was genau die Aufkäufer im Schilde führen, müssen sie aber nicht mitteilen - anders als in den USA. Dort muss ein Investor zehn Tage nach dem Erreichen der Fünf-Prozent-Schwelle per Formular erklären, ob er ein strategisches Interesse verfolgt oder nur eine passive Finanzbeteiligung eingehen will.

Spätestens beim Erreichen der 30-Prozent-Schwelle muss der neue Großaktionär aber auch hierzulande Farbe bekennen: Dann ist nämlich ein Pflichtangebot für die übrigen Papiere fällig, das mindestens dem umsatzgewichteten Durchschnittskurs der vorausgehenden drei Monate entspricht.