Unternehmensbewertung

Grafische Darstellung einer mit Münzen gefüllten Schatztruhe

Starker Anstieg des Goodwill Alles nur heiße Luft?

Stand: 27.09.2016, 14:47 Uhr

Auf 314 Milliarden Euro ist der von den börsennotierten deutschen Unternehmen bilanzierte Goodwill gestiegen - mehr als doppelt so hoch wie 2015. Von einer Blase wollen die Autoren einer Studie trotzdem nicht sprechen. Und das hat einen guten Grund.

Obwohl sich der ausgewiesene Goodwill zwischen 2005 und 2015 mehr als verdoppelt hat (von 151 Milliarden auf 314 Milliarden Euro), beträgt der Anteil dieser immateriellen Bewertung nur fünf Prozent des Gesamtvermögens der börsennotierten deutschen Unternehmen. Das entspricht in etwa dem Prozentsatz anderer europäischer Unternehmen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Beratungsunternehmens Duff & Phelps. Daraus geht hervor, dass 85 Prozent des Gesamtbetrags von 314 Milliarden Euro auf die 30 Dax-Unternehmen entfallen, obwohl sie nur vier Prozent der deutschen börsennotierten Unternehmen ausmachen und zugleich nur 70 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung repräsentieren.

Fünf Prozent am Gesamtvermögen

Trotzdem sei der Goodwill-Anstieg nicht beunruhigend, sondern Folge der in den vergangenen Jahren erfolgten Zukäufe und Übernahmen, erklärt Hartmut Paulus, Managing Director bei Duff & Phelps. In Deutschland betrage der Anteil des Goodwill am Gesamtvermögen der Unternehmen nur fünf Prozent. In den USA sind es acht Prozent.

Allerdings ist der Anteil des Goodwill am Gesamtvermögen je nach Branche höchst unterschiedlich. Während in der (schrumpfenden) Finanzindustrie nur ein Prozent ausmacht, sind es in der IT- und der Gesundheitsbranche bis zu 38 Prozent. Dies bedeutet, dass mehr als ein Drittel des bilanzierten Unternehmensvermögens durch Goodwill repräsentiert wird.

Große Unterschiede bei den Unternehmen

Bei einzelnen Unternehmen erreicht der Goodwill sogar die Hälfte des Gesamtvermögens. So sind es bei SAP 55 Prozent, bei Fresenius Medical Care 51 Prozent und bei Fresenius SE knapp 50 Prozent. Grund für die hohen Quoten seien die hohe Akquisitionstätigkeit sowie die vergleichsweise geringe Vermögensintensität der Geschäftsmodelle dieser Unternehmen, erläutert Paulus. Tatsächlich haben alle drei Firmen in den letzten Jahren Milliarden in Zukäufe investiert.

Umgekehrt ist der Goodwill-Anteil in der Telekommunikationsindustrie und bei den Versorgungsunternehmen stark geschrumpft auf respektive nur noch elf Prozent und acht Prozent. Dieser Rückgang ist die Folge missglückter Unternehmenskäufe sowie der Branchenkrise bei den Versorgern, die zu milliardenschweren Abschreibungen geführt haben. So belaufen sich die Goodwill-Abschreibungen bei Eon zwischen 2011 und 2015 auf 5,4 Milliarden Euro. Die der Deutschen Telekom erreichten 6,8 Milliarden Euro und die der Deutschen Bank 6,7 Milliarden.

Stark gestiegene Abschreibungen

Die 2015 auf den Rekordwert von 11,7 Milliarden Euro gestiegenen Goodwill-Abschreibungen der börsennotierten deutschen Unternehmen sind übrigens zu einem erheblichen Teil (9,7 Milliarden Euro) auf Eon und die Deutsche Bank zurückzuführen.

Eine weitere Erkenntnis der Studie ist, dass der Goodwill bei einigen Unternehmen das Eigenkapitaldeutlich übersteigt. So erreicht er bei dem Medienunternehmen ProSiebenSat.1 176 Prozent, bei RWE 135 Prozent und bei Fresenius 114 Prozent. Bei einigen Unternehmen erklärt sich dies durch eine schwache Eigenkapitalbasis. Eine solche Entwicklung ist übrigens nicht ungefährlich, wird doch im Fall einer Krise die Goodwill-Bewertung eines Unternehmens besonders drastisch gedrückt. Die Berater von Duff & Phelps weisen zudem darauf hin, dass Abschreibungen des Goodwill bei solchen Unternehmen sehr schnell und in erheblichem Umfang das Eigenkapital aufzehren würden.

Extrem ermessensbehaftet

Derzeit befinden sich die meisten deutschen Unternehmen in guter Verfassung, so die Berater. Zudem stütze das Niedrigzinsniveau das Geschäft. Ein hoher Abschreibungsbedarf des Goodwill sei daher nicht zu erwarten. Auch hat die Neuregelung der Rechnungsstandards (IASB) den Unternehmen jede Menge Spielraum gegeben, wie sie den Goodwill nach der Ersteinbuchung in die Bilanz behandeln dürfen. Spielraum, den die Unternehmenschefs auch weidlich nutzen.

Trotzdem ist die Goodwill-Bewertung nicht unumstritten, ist sie doch extrem subjektiv und vom Ermessen der Unternehmen abhängig. Entsprechend manipulierbar erscheint vielen Kritikern der Wert.

lg