Vernetzung von Menschen

Publizitätspflichten Ad-hoc-Mitteilung: Tod der Insiderinformation

von Detlev Landmesser

Stand: 30.01.2015, 11:22 Uhr

Um der Weiterverbreitung von Insiderinformationen an Dritte zuvorzukommen und dem Missbrauch vorzubeugen, müssen börsennotierte Unternehmen nach § 15 WpHG die so genannte Ad-hoc-Publizität herstellen.

Das heißt, sie müssen die Insiderinformation "unverzüglich" veröffentlichen. Das geschieht über die jedem Anleger geläufigen Ad-hoc-Mitteilungen, die über spezialisierte Dienste wie etwa die DGAP, eine Tochter der Deutsche Börse AG, verbreitet werden. "Ad hoc", lateinisch eigentlich "zu diesem", bedeutet im übertragenen Sinne "für diesen Augenblick gemacht".

Keine Ad-hoc-Pflicht im Freiverkehr

Dabei ist wichtig zu wissen, dass im Sinne des Gesetzes nur Gesellschaften als "börsennotiert" gelten, die am Amtlichen oder dem Geregelten Markt gelistet sind. Gesellschaften, die nur im Freiverkehr gehandelt werden, unterliegen dieser gesetzlichen Ad-hoc-Pflicht nicht, während das Insiderhandelsverbot natürlich auch für sie gilt. Im Teilbereich "Entry Standard" des Freiverkehrs (Open Market) der Deutschen Börse müssen kursrelevante Nachrichten allerdings ebenfalls sofort veröffentlicht werden, ohne dass diese Meldungen "Ad-hoc-Mitteilungen" im gesetzlichen Sinne wären.

Jedenfalls sind die Insider auch bei Freiverkehrstiteln erst von dem Handelsverbot und von ihrer Verschwiegenheitspflicht über die kursrelevante Information befreit, wenn diese öffentlich gemacht wurde. Dass Insiderhandelsverbot und Publizitätspflicht bei Freiverkehrswerten auseinanderfallen, hat seinen praktischen Grund in den Besonderheiten dieses Marktes. So können Aktien auch ohne Zustimmung der Gesellschaft, sogar ohne ihr Wissen durch die Initiative Dritter in den Freiverkehr einbezogen werden.

Vorschriften bisher wenig ergiebig

Ist mit diesen Vorschriften der Insiderhandel gebannt? Das bleibt ein frommer Wunsch. Schließlich bleiben die Verlockungen groß, und die Schlupflöcher zahlreich. Was ist etwa mit verschwiegenen Winken an sonstige Bekannte, die sich an anderer Stelle wieder erkenntlich zeigen?

Zudem sind die Grenzen fließend, welche Information denn nun als kursrelevant oder nicht einzustufen ist. Denn die Börsenreaktion auf ein und dieselbe Information kann je nach dem aktuellen Umfeld durchaus unterschiedlich ausfallen. So können etwa Nichtigkeiten, die an Tagen mit großem Nachrichtenfluss unbeachtet bleiben, an ruhigen Tagen Kursreaktionen auslösen.

Im täglichen Börsengeschehen lassen sich auffällige Kursbewegungen vor der Veröffentlichung von Insiderinformationen recht oft beobachten. Die Überwachung des Insiderhandelsverbots obliegt der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Bei Verdacht auf verbotenen Insiderhandel leitet die BaFin eine Untersuchung ein. Wenn sich der Verdacht erhärtet, erstattet die Behörde Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Bislang haben die Ermittlungen der BaFin aber nur selten zu Verurteilungen geführt. Das dürfte auch an der mangelnden personellen Ausstattung der Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden liegen, die sich täglich mit einer Reihe neuer Verdachtsfälle konfrontiert sehen.

Marktsegmente und Transparenzlevels

Marktsegmente und Transparenzlevels. | Bildquelle: boerse.ARD.de, Deutsche Börse

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