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Altbekanntes wieder auf der Agenda ABS - Heilsbringer oder tickende Zeitbomben?

von Robert Minde

Stand: 17.10.2014, 18:20 Uhr

Sie waren schon fast aus den Köpfen der Marktteilnehmer verschwunden, die Asset Backed Securities. Damit ist Schluss, seit die EZB sie mit ihren Ankaufplänen wieder für salonfähig erklärt hat. Doch die Geister der Vergangenheit haben so ihre Tücken.

Wer erinnert sich nicht an die dunkelsten Tage der jüngsten Finanzmarktgeschichte, als spätestens mit dem Platzen der Kreditblase in Amerika und der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 die Welt an den Rand des Abgrundes gedrückt wurde?

Vor allem ABS-Strukturen kamen in jenen Tagen zu trauriger Berühmtheit. Denn es es stellte sich heraus, dass die den Papieren zugrunde liegenden Forderungen, meistens Hypothekenkredite, entweder kaum noch oder sogar gar nicht mehr werthaltig waren. Die Subprime-Krise forderte gnadenlos ihre Opfer.

Kein neuer Markt

Kein Wunder, dass ein schaler Beigeschmack aufkommt, wenn ausgerechnet die europäische Notenbank EZB diese als Derivat geltenden Papiere wieder hoffähig machen will. Dabei ist die Idee, die Forderungen, die man gegenüber einem Schuldner hat, zu verbriefen und dann am Markt handelbar zu machen, nichts Neues.

Was sind Asset Backed Securities?

"Asset Backed Securities" (kurz ABS) - zu deutsch "forderungsbesicherte Wertpapiere", sind eine Form von Kreditderivaten. Dabei werden Forderungen (zum Beispiel Hypotheken- oder Konsumentenkredite), die Banken oder andere große Kapitalsammelstellen in ihren Büchern stehen haben, gebündelt und als Wertpapier weiterverkauft. Dadurch entlasten die Banken ihre Bilanzen und streuen die Risiken weltweit. Nachteil ist, dass wenig Transparenz über die in den zahlreichen ABS-Strukturen enthaltenen Risiken herrscht.

Die gerade in Deutschland sehr beliebten Pfandbriefe, Inbegriff der Sicherheit und in jedem mündelsicheren Portfolio von Banken, Versicherungen oder Pensionskassen enthalten, gelten als Paradebeispiel für ein ABS-Papier. Denn die mit grundbuchbesicherten Immobilien oder Krediten an die öffentliche Hand gedeckten Papiere, im Fachjargon Covered Bonds genannt, sind noch nie ausgefallen. Für Banken derzeit eine grenzenlos billige Art der Refinanzierung, bieten sie doch im Schnitt nur eine Rendite von rund 0,5 Prozent.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt

Anders sieht es bei den anderen ABS-Strukturen aus, wobei ABS zunächst die übergeordnete Wertpapierklasse bezeichnet. Diese Strukturen können mit einer ganzen Fülle von Inhalten, sprich Forderungen der Emittenten, ausgefüllt werden, wie Ralf Raebel, ABS-Analyst bei der DZ Bank, in einem Fachvortrag der DVFA ausführte.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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ARD-Börse: Verbriefungen - was kann die EZB erreichen?

Am gängigsten und die größte Gruppe sind Papiere, die mit Immobilienkrediten unterlegt sind, wobei üblicherweise zwischen gewerblich und privat genutzten Objekten unterschieden wird. Fachleute sprechen von Commercial Backed Securities (CMBS) und Mortgage Backed Securities (MBS). Aber der Fantasie der Emittenten sind keine Grenzen gesetzt, so werden auch Studentenkredite, Autokredite, Konsumentenkredite, Firmenkredite oder Kreditkartenforderungen zusammengefasst und am Markt verkauft.

Unterteilt werden die Papiere in verschiedene Tranchen, je nach Bonität der zugrunde liegenden Portfolios. Der größte Teil, üblicherweise mit der Bestnote AAA bis hin zu AA- bewertete Forderungen, findet sich im Schnitt mit knapp der Hälfte der Emission in der sogenannten Senior Tranche. Hier ist die Ausfallwahrscheinlichkeit am geringsten. Zweitbeste Tranche ist die Mezzanine-Tranche, gefolgt von der Junior-Tranche und dem First-Loss-Anteil. Zinsen werden dabei nach dem Wasserfallprinzip gezahlt, also von oben (Senior) nach unten (First Loss). Bei Verlusten ist es umgekehrt, erklärt Experte Raebel.

Der Bowie-Bond

Der britische Popstar David Bowie hat im Jahr 1997 die zukünftigen Erlöse aus dem Verkauf einiger seiner älteren Tonträger verbrieft, also sein geistiges Eigentum. Der Bowie-ABS mit einer Laufzeit von zehn Jahren war mit einem Zins von 7,9 Prozent ausgestattet. Bowie veröffentlichte bis 2006 zahlreiche Alben und war ausgiebig auf Konzerttournee. Nach zehn Jahren gingen die Rechte wieder an den Künstler zurück. Gekauft hatte das Papier übrigens der britische Versicherer Prudential.

Wie will die EZB mit diesen Papieren umgehen, welche Ziele verfolgt sie und wo liegt die Kritik? Lesen Sie dazu Teil 2: "Ein Stück zurück zur Normalität".