Banken

Geldsäcke mit Dollarnoten

Banker-Boni aus Krisen-Ära werden fällig Zahltag an der Wall Street

Stand: 02.12.2014, 10:48 Uhr

Für die Banker der Wall Street erweisen sich die in der Finanzkrise mit mehrjährigen Haltefristen versehenen Aktienoptionen als wahre Goldgrube, haben sich die Aktien der meisten Banken doch längst erholt. Gedacht war das eigentlich ganz anders.

Als die milliardenschweren Boni der Investmentbanker in der Finanzkrise in die Kritik gerieten, entschieden sich die Geldhäuser, ihren Finanzprofis kein Bares mehr auszuzahlen, sondern sie in Form von Aktien zu entlohnen. Und die waren mit einer jahrelangen Haltefrist versehen, dürfen also erst nach Ablauf dieser Zeit zu Geld gemacht werden.

Diese Zeit ist nun gekommen. Und nach einem am Montag veröffentlichten Bericht des Fachblatts "Crain's New York Business" hat sich die Wartezeit gelohnt. In den nächsten Wochen laufen demnach viele Haltefristen für aufgeschobene Boni aus und die Aktienkurse sind seit den Krisen-Tiefständen kräftig gestiegen.

So war das nicht geplant

Die Sondervergütungen fallen also viel höher aus, als wenn sie seinerzeit direkt ausgezahlt worden wären. "Die Aktien-Prämien der Krisen-Ära haben sich in Gold verwandelt", sagte Alan Johnson von der Beratungsfirma Johnson Associates "Crain's".

Bei der führenden US-Investmentbank Goldman Sachs beispielsweise wurden dem Artikel nach 2009 Aktienboni im Wert von 3,6 Milliarden Dollar ausgereicht, die ab Januar verkauft werden dürfen. Über die Dauer der Haltefrist hinweg wurde ein Kursplus von 40 Prozent verzeichnet. Ende 2008 hatte Goldman seinen Profis 36 Millionen Aktien zu je 78,78 Dollar zugeteilt. Derzeit notiert die Goldman-Aktie etwa doppelt so hoch...

Mehr Boni mit Haltefristen

Bei anderen Häusern wie der Citigroup, der Bank of America oder Morgan Stanley sind die Kurssteigerungen zwar bescheidener ausgefallen, doch für einen stattlichen Gewinn reicht es auch hier. So sind etwa die 2012 zu sieben Dollar ausgegebenen Aktien der Bank of America inzwischen mehr als 17 Dollar wert. Tatsächlich sind die amerikanischen Bank- und Finanzwerte in den vergangenen Jahren stärker gestiegen als der Gesamtmarkt.

Eigentlich wollten die Banken mit der veränderten Boni-Strategie (Aktien statt Bares) ihre Liquiditäts-Reserven beisammenhalten und sich gegen eine weitere Zuspitzung der Krise schützen. Mit einem weiteren Sinken ihrer Aktienwerte wären auch die Boni ihrer Angestellten zusammengeschmolzen. Zum Vergleich: Vor der Krise wurden laut "Crain's" 25 Prozent der Boni an der Wall Street mit Haltefrist versehen, heute sind es 75 Prozent.

Minus von zehn Prozent

Bei der Barkomponente sind auch in diesem Jahr keine großen Sprünge zu erwarten. Laut einer Studie von Johnson Associates müssen sich Aktien- und Anleihenhändler sogar auf ein Minus von bis zu zehn Prozent zum Vorjahr einstellen. Nur Fusionsberater und Private-Equity-Spezialisten können große Zuwächse erwarten.

lg