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Wo die ISS zubeißt SAP, Deutsche Bank und Deutsche Börse

Josef Ackermann, Deutsche Bank-Vorstand 2002-2012

Josef Ackermann, Ex-Chef der Deutschen Bank
Die ISS heizte im Herbst 2011 dem damaligen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ein, weil der directement an die Spitze des Aufsichtsrates wechseln wollte. Die ISS intervenierte. Ackermann zog seine Kandidatur zurück.

Wo die ISS zubeißt SAP, Deutsche Bank und Deutsche Börse

Josef Ackermann, Deutsche Bank-Vorstand 2002-2012

Josef Ackermann, Ex-Chef der Deutschen Bank
Die ISS heizte im Herbst 2011 dem damaligen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ein, weil der directement an die Spitze des Aufsichtsrates wechseln wollte. Die ISS intervenierte. Ackermann zog seine Kandidatur zurück.

Wolfgang Mayrhuber, Ex-Chef der Lufthansa
Auch der frühere Chef der Lufthansa Wolfgang Mayrhuber hatte die Bekanntschaft mit der ISS gemacht. Er hatte zwar, wie es die Regelungen zur guten Unternehmensführung vorschreiben, mehr als zwei Jahre gewartet, bis er sich zur Wahl in den Aufsichtsrat stellte. Doch der ISS war das immer noch zu früh. Mayrhuber konnte sich aber letztlich doch durchsetzen.

Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank

Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratschef der Commerzbank
Auch den Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller hatten Berater wie ISS, Glass Lewis & Co oder Hermes schon zugesetzt. Bei seiner Wiederwahl 2013 verpassten sie ihm ein schlechtes Ergebnis. Er wurde nur mit 81 Prozent der Anteilseigner wiedergewählt. Beinahe 20 Prozent waren dagegen. Nur dem Bund als Anteilseigner konnte Müller verdanken, dass er blieb. Denn rechnet man die 25 Prozent ab, die der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin damals bei der Commerzbank in die Waagschale werfen konnte, hätten ihn die Aktionäre durchfallen lassen.

Deutsche Bank Türme in Frankfurt am Main

Deutsche Bank
Die Banken stehen seit einigen Jahren im Kreuzfeuer. Die Deutsche Bank steht gerade jetzt wieder unter Beschuss der ISS. Zwar hat das Institut unter Führung ihres neuen Vorstandschefs John Cryan aufgeräumt und alte Skandale aufgearbeitet. Doch den US-Stimmrechtsberatern geht das nicht weit genug. Die ISS fordert mehr Transparenz - konkret eine Sonderprüfungen bei der Deutschen Bank.

John Cryan

John Cryan, Chef der Deutschen Bank
In einem wichtigen Punkt ist die ISS aber nicht ganz so scharf wie Stimmrechtsberater Glass Lewis: Die ISS stellt sich trotz der Forderung nach Sonderprüfungen hinter Cryan und empfiehlt eine Entlastung von Vorstand und auch vom Aufsichtsrat: Keiner der Top-Manager oder der Kontrolleure habe sich nachweislich etwas zu Schulden kommen lassen.

Deutsche Bank Aufsichtsratschef Paul Achleitner

Paul Achleitner, Aufsichtsratschef der Deutschen Bank
Auch die Wiederwahl von Aufsichtsratschef Paul Achleitner empfiehlt die ISS. Es gab allerdings einen Warnschuss: Sollte sich die Transparenz bei der Aufklärung von Skandalen nicht verbessern, könne es in Zukunft auch ein negatives Votum geben. Zwar habe das Geldhaus die internen Kontrollen verstärkt und unsauberen Geschäften abgeschworen. Trotzdem blieben Zweifel, was die Fähigkeit der Bank angehe, Fälle intern aufzuklären - "vor allem, wenn es um die Rolle von einzelnen Aufsichtsrats- und Vorstandsmitgliedern geht".

Das Logo der Munich Re in München.

Dass die ISS Gewicht hat, zeigt auch das Beispiel Münchener Rück. Nach einer Ablehnungsempfehlung durch die US-Stimmrechtsberater waren etwa die Gehalts- und Bonus-Regelungen für die Vorstandsmitglieder bei den Aktionären durchgefallen.

Carsten Kengeter, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse AG, stellt am 01.03.2017 an der Frankfurter Börse in  das neue Modell «Scale» vor.

Deutsche Börse-Chef Carsten Kengeter
Viele Investoren sind der Ansicht, der ehemalige Investmentbanker und jetzige Chef der Deutschen Börse habe den Zusammenschluss mit der LSE unzureichend vorbereitet. Die Fusion platze ja bekanntermaßen. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den 50-Jährigen wegen des Verdachts auf Insider-Handel. Kengeter bekam allerdings Rückendeckung vom einflussreichen Aktionärsberater ISS. Die US-Firma sprach sich im Gegensatz zu ihrem kleineren Konkurrenten Glass Lewis für eine Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat aus.

Kontrolle von Kapseln bei Stada

Auch an der geballten Kritik der Aktionäre gegen Stada mischte ISS mit. Der rebellische Investor AOC ging gegen den Aufsichtsratschef Martin Abend vor, der einflussreiche US-Stimmrechtsberater ISS unterstützt ihn dabei. Auf der turbulenten Hauptversammlung wurde Martin Abend gefeuert.

Konzernzentrale der Grammer AG

Grammer
Bei Grammer geht es derzeit hoch her. Hier greift die umstrittene Investorenfamilie Hastor nach der Macht. Sie hat in den vergangenen Monaten über diverse Beteiligungsfirmen mehr als 20 Prozent der Aktien aufgekauft und ist nun zum größten Anteilseigner aufgestiegen. Auf der Hauptversammlung am 24. Mai will die Familie unter anderem den Vorstand absetzen und drei Aufsichtsräte abberufen. Doch die einflussreichen Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis stehen nach Unternehmensangaben hinter dem Vorstand und lehnen die Anträge der Familie Hastor ab.

Ein Jahr VW-Abgasskandal

VW
Im vorigen Jahr mischte der einflussreiche US-Aktionärsberater die VW-Hauptversammlung auf. ISS empfahl den Anteilseignern, gegen eine Entlastung des Managements und des Aufsichtsrats zu stimmen. Sie drängte zudem VW auf einen Vergleich im Dieselskandal mit geschädigten VW-Anlegern.

Vonovia-Logo vor der Unternehmenszentrale

Es gibt nicht nur Ablehnung: Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia bekam Rückendeckung von ISS für die feindliche Übernahme des Rivalen Deutsche Wohnen. Die befand: Der Kauf lohnt sich.

Mannesmann

Auch wenn die ISS nur wenigen ein Begriff ist: Sie spielt in der deutschen Börsenwelt schon lange mit. Zum Beispiel bei der umstrittenen Übernahme von Mannesmann durch den Vodafone-Konzern im Jahr 2000. Den befürwortete der Aktionärsberater.

Bill McDermott

Bill McDermott, SAP-Chef
SAP entlohnt seine Manager fürstlich, sehr zum Ärgernis der Aktionäre. 2016 nahmen sie den Beschluss der Vorstandsvergütung bei SAP nur mit knapp 55 Prozent an. Das ist ungewöhnlich. Üblich sind Zustimmungsraten von mehr als 90 Prozent. Dieses Mal lässt SAP über die Vorstandsvergütung überhaupt nicht abstimmen, entsprechend könnten die Aktionäre auf die Entlastung der Aufsichtsräte, die das Vergütungssystem mit verantworten, ausweichen. Die ISS empfiehlt, die Kontrolleure nicht zu entlasten. Damit bekäme auch SAP-Chef Bill McDermott eine Ohrfeige.