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Gerüchte Wird Tracy Britt Thronfolgerin von Warren Buffett?

von Notker Blechner

Stand: 09.07.2013, 16:36 Uhr

Eine 28-Jährige aus Kansas sorgt derzeit für Spekulationen in der amerikanischen Finanzwelt. Tracy Britt könnte eines Tages Warren Buffett an der Spitze von Berkshire Hathaway beerben. Wer ist diese Ausnahmefrau?

Der 82-jährige Investment-Guru Warren Buffett umgibt sich gerne mit Frauen. Er bewunderte schon seine Schwestern, weil sie intelligenter waren und besser aussahen als er. Buffetts Meinung nach sind Frauen der Schlüssel zu Amerikas Wohlstand. Auch in der Wirtschaftswelt sollte es mehr Frauen geben, findet er.

Steiler Aufstieg zur persönlichen Assistentin Buffetts

Innerhalb seiner Investmentholding Berkshire Hathaway geht das "Orakel von Omaha" mit gutem Beispiel voran. Er fördert junge talentierte Frauen. So hat Buffett in den letzten vier Jahren eine junge Harvard-Absolventin zu einer seiner wichtigsten Vertrauenspersonen gemacht:  Tracy Britt ist Buffetts "Mädchen für alles". Als persönliche Assistentin begleitet Britt den viertreichsten Mann der Welt zu Meetings, organisiert den Informationsaustausch zwischen Buffett und den Chefs der 81 Unternehmen aus dem Berkshire-Imperium und stellt Studien zusammen. "Sie kümmerte sich um alles, was so ansteht", sagte Buffett vor kurzem gegenüber College-Studenten in Ohama.

Britt ist zudem Verwaltungsratschefin von vier Berkshire-Töchtern Oriental Trading, Larson-Juhl, Johns Manville und Benjamin Moore & Co. Die Firmen erwirtschaften zusammen einen Umsatz von vier Milliarden Dollar. Selbst bei milliardenschweren Deals durfte die 28-jährige Senkrechtstarterin schon ein bisschen mitmischen. Im Zuge der 23 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Ketchupherstellers H.J. Heinz & Co schickte Buffett sie nach Brasilien zum Ko-Investor 3G, um mehr über deren Arbeitsweise zu erfahren.

Ist sie die Richtige?

Mehrere Analysten und Berkshire-Experten glauben, dass Tracy Britt im nächsten Jahrzehnt eine Top-Position bei Berkshire bekommen wird, schreibt das "Wall Street Journal". Manche trauen ihr gar zu, eines Tages Warren Buffett an der Spitze des Berkshire-Imperiums ablösen zu können.

Warren Buffett

Warren Buffett. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Schließlich schrieb der Multimilliardär in seinem Aktionärsbrief 2007, er plane, einen jungen Mann oder eine junge Frau zu verpflichten mit der Fähigkeit, ein sehr großes Portfolio zu verwalten. Dieser oder diese solle ihn dann als "Chief Investment Officer" ersetzen, sobald sich die Notwendigkeit ergibt.

Buffett hält sich bedeckt

Tatsächlich hat das "Orakel von Ohama" inzwischen einen Nachfolger gefunden. Dies verkündete Buffett auf der Hauptversammlung im Mai, wollte aber keinen Namen nennen.

Lange Zeit galt David Sokol als möglicher Kronprinz von Buffett. Doch der 56-Jäjhrige stolperte über angebliche Insidergeschäfte. Sokol soll massenhaft Aktien des Spezialchemieherstellers Lubrizol erworben haben, kurz bevor er Buffett das Unternehmen zum Kauf empfahl. Als die Übernahme bekannt gegeben wurde, machte Sozol drei Millionen Dollar Gewinn. Wegen der fragwürdigen Aktiengeschäfte musste Sokol das Berkshire-Imperium verlassen.

Nun "ist Tracy Britt in die Rolle von Sokol geschlüpft", erklärte Robert Miles, Kenner von Buffett und Autor von drei Büchern über Berkshire, im "Wall Street Journal". Die 28-Jährige arbeitet Tür an Tür mit ihrem Chef.

Mais und Tomaten beim Bewerbungsgespräch

Die smarte Businessfrau gilt als besonders ehrgeizig. Schon vor zehn Jahren gab sie als ihr Ziel aus, "mit einem bedeutenden Investor arbeiten zu wollen, der auch ein bedeutender Investor und Mentor ist". 2006 traf Britt erstmals auf Buffett, als sie für eine Studentinnen-Vereinigung zur Förderung der Finanzbildung eine Fahrt nach Ohama organisierte. Nach ihrem Studium an der Harvard Business School bewarb sie sich bei Berkshire.

Zum Bewerbungsgespräch brachte sie dem Star-Investor einen Scheffel Mais und Tomaten von der Farm ihrer Eltern in Manhattan/Kansas mit, um an die gemeinsamen Wurzeln zu erinnern. Britt und Buffett stammen beide aus dem Mittleren Westen. Der Berkshire-Chef war offenbar so beeindruckt von dem Geschenk, dass er Britt gleich anstellte.

Vertraute von Britt halten die junge Frau für ein Ausnahmetalent. "Sie ist sehr weise für ihr Alter", lobte sie Oriental-Trading-Chef Sam Taylor. Schon als Studentin hatte sie "Raketen-Treibstoff" im Blut, meint Janet Hanson, Chefin einer Investmentfirma, bei der Britt ein Praktikum machte. "Sie war ein Mädel, das sich nimmt, was sie will."