Gary Cohn, Wirtschaftsberater von US-Präsident Trump

Der Mann nach Yellen? Wird Cohn der wichtigste Notenbanker der Welt?

Stand: 12.07.2017, 11:18 Uhr

Donald Trump und Janet Yellen sind sich nicht grün. Kaum denkbar, dass der US-Präsident die Chefin der US-Notenbank im Februar 2018 für eine zweite Amtszeit nominiert. Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn steht dafür Gewehr bei Fuß, früher Investmentbanker, bei Goldman Sachs.

Ist an den Gerüchten was dran? Das Magazin "Politico" berichtete am Dienstag, Gary Cohn habe beste Aussichten, Yellens Nachfolger zu werden, wenn ihre Amtszeit im Februar 2018 endet. Das Magazin berief sich auf mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen aus Präsidialamt, Finanzministerium und Kongress. "Gary wird es, wenn er es will, und ich glaube, dass er es will", wurde ein namentlich nicht genannter Republikaner zitiert. Auch das "Wall Street Journal" hatte jüngst Cohn ins Gespäch gebracht für den Chefposten der mächtigsten Notenbank der Welt.

Yellens Amtszeit endet im Februar kommenden Jahres. Im Wahlkampf hatte Trump sie scharf für ihre Niedrigzinspolitik kritisiert. Sie sei nicht unabhängig und halte auf Anweisung des damaligen Präsidenten Barack Obama den Leitzins künstlich niedrig, um die Wirtschaft zu stützen. Von seiner harten Kritik war Trump zwar im April abgewichen und hatte eine zweite Amtsperiode Yellens nicht mehr ausgeschlossen. Doch die Spekulationen über ihren Abtritt halten sich gerade dieser Tage, da sie dem Kongress in der halbjährlichen Anhörung Rede und Antwort steht.

Von Goldman Sachs ins Weiße Haus

Seit diesem Jahr ist der 56-jährige Direktor des National Economic Councils der Vereinigten Staaten, des Wirtschaftsrates im Weißen Haus. Mit Finanzen kennt er sich bestens aus: Cohn war früher Topmanager beim Wall-Street-Giganten Goldman Sachs. Mehr als ein Vierteljahrhundert arbeitete er für die Investmentbank. Er begann dort 1990 als Rohstoffhändler seine Karriere, zuletzt verantwortete er als COO das operative Geschäft der Bank, war der Vize-Chef der Investmentbank und galt schon als designierter Nachfolger von Lloyd Blankfein.

Genau deshalb tippt auch Harvard-Professor Martin Feldstein, selbst Republikaner und einst Berater der US-Präsidenten Ronald Reagan und George W. Bush, auf Cohn als Fed-Chef. Für Feldstein ist klar, dass es jemand ganz anders wird als Yellen oder ihr Vorgänger Ben Bernanke. Ein Ökonom scheine nicht in der engeren Auswahl, viel eher dürfte ein "Marktmensch" das Rennen machen, so der US-Top-Ökonom.

Warum Cohn als Favorit gilt: Trump betont immer wieder, dass er den Reichen den Vorzug bei wichtigen Positionen in der Wirtschaftspolitik gibt. An Geld mangelt es Cohn nun wirklich nicht. Als er den Job im Weißen Haus antrat, musste er sich von allen Verbindungen zu Goldman Sachs trennen und sich deshalb auch seine Aktienanteile an der Firma auszahlen lassen. Wert des Aktienpakets: 285 Millionen Dollar.

Was bedeutet Cohn für die Geldpolitik?

Ein neuer Fed-Chef dürfte am Kurs der Notenbank nichts Grundlegendes ändern, sagte Fondsmanager Eric Stein von der Investmentgesellschaft Eaton Vance. Seinen Worten zufolge hätte Cohn mehr Kenntnis von den Finanzmärkten als nahezu jeder bisherige Fed-Präsident.

Doch Cohn hat ein großes Manko: Ihm fehlt Erfahrung mit Geldpolitik. Ein Faktor, der Ökonomen alarmiert. Harvard-Professor Kenneth Rogoff warnte jüngst im Interview mit der schweizerischen "Handelszeitung" davor. Es sei das Wahrscheinlichste, dass Trump einer "Unternehmerpersönlichkeit mit sehr wenig geldpolitischen Kenntnissen" den Job an der Spitze der Fed überträgt. Aber: "Wenn er das tut, werden wir am Ende mit mehr Inflation und einer radikaleren Geldpolitik dastehen. Dann hätten wir eine deutlich schwächere Geldpolitik als heute." Denn das Geschäft sei weitaus technischer, als es den Anschein habe.

Ob überhaupt Cohn Fed-Chef wird, wie sein Kurs dann aussehe, darüber lässt sich viel spekulieren. Er selbst hat sich in der Vergangenheit besorgt über die längerfristigen Folgen der Notfallmaßnahmen der Fed während der Krise geäußert. Er warnte aber auch vor den Folgen der starken Dollar-Aufwertung Anfang 2015.

Fakt ist wohl nur, dass Trump seine Interessen in der Fed durchsetzen wird. Gerade hat er einen weiteren Finanzinvestor für eine Schlüsselposition ernannt. Stellvertretender Vorsitzender der Notenbank soll Randal Quarles werden, der Gründer und Geschäftsführer der Investmentfirma Cynosure Group ist. Bei der Fed soll der 59-Jährige die Aufsicht über die US-Banken übernehmen und auch an den Zinsentscheidungen beteiligt sein.

bs

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