Interview

Stefan Zmojda, Wallstreet Online

Stefan Zmojda, Wallstreet-Online "Wir wollen uns internationaler aufstellen"

Stand: 27.06.2016, 15:25 Uhr

Die Community ist bei Wallstreet-Online weiterhin ein wichtiger Eckpfeiler für das Geschäft. Die Übernahme durch Minkabu aus Japan soll den Berlinern neue Möglichkeiten erschließen, wie Vorstand Stefan Zmojda im Gespräch mit boerse.ARD.de erläutert.

boerse.ARD.de: Herr Zmojda, vor wenigen Tagen ist die Übernahme durch den japanischen Konzern Minkabu angekündigt worden. Wird nun alles anders bei Wallstreet-Online?

Stefan Zmojda: Nein. Wallstreet-Online wird genauso weiterarbeiten wie bisher. Unsere Community bleibt weiterhin unser Alleinstellungsmerkmal im deutschsprachigen Raum. Durch Minkabu haben wir nun aber die Möglichkeit, uns internationaler aufzustellen.

boerse.ARD.de: Vorstand und Großaktionär André Kolbinger hat seine Anteile komplett abgegeben. Bleibt er Wallstreet-Online erhalten?

Zmojda: Ja, André Kolbinger wird weiterhin Vorstand bei Wallstreet-Online bleiben.

boerse.ARD.de: Wie groß ist der Anteil an Umsätzen, die die Community bei Ihnen als Kerngeschäft erwirtschaftet.

Zmojda: Umsätze generieren wir auf unserem Portal wallstreet-online.de in erster Linie mit Werbung. Mit unserer Community sorgen wir dafür, dass sich User auf wallstreet-online.de zu Finanzthemen austauschen können. Es gibt praktisch kein Finanzprodukt, das unsere User nicht aktiv diskutieren und kritisch hinterfragen. Damit sorgen wir seit unserer Gründung für zusätzliche Transparenz am Kapitalmarkt. Die Community ist einer der wichtigsten Traffic-Generatoren unseres Finanzportals und damit im Prinzip an all unseren Werbeumsätzen entscheidend beteiligt. Je mehr User regelmäßig unser Portal besuchen, desto interessanter sind wir für unsere Werbekunden. Neben unserer Community bauen wir aber auch unsere anderen Geschäftszweige kontinuierlich weiter aus.

boerse.ARD.de: Wie sehen diese Geschäftsbereiche aus?

Zmojda: Wir bieten für verschiedenste Kunden, etwa Fondsgesellschaften und andere Emittenten verschiedenste Leistungen und Produkte an. Dazu gehören zum Beispiel Tools, mit denen man das für unsere Nutzer optimale Anlageprodukt finden kann. Für Kunden "veredeln" wir aber auch Produktangebote; etwa indem wir die Daten zu diesen Produkten, zum Beispiel einer Aktienanleihe, aufbereiten oder auch redaktionell begleiten. Klassische Online-Werbung gehört natürlich auch dazu, wobei diese immer mehr durch Native Advertising abgelöst wird.

boerse.ARD.de: Agiert Wallstreet-Online auch als Datenanbieter?

Zmojda: Bestimmte Daten oder auch Kennzahlen haben wir tatsächlich selbst entwickelt, die wir einerseits unseren Nutzern auf der Plattform zur Verfügung stellen, aber auch an Kunden weitervermarkten.

boerse.ARD.de: Ist die Community selbst auch ein "Produkt", das auf anderen Portalen lizenziert wird, also etwa bei einer Direktbank zu finden ist?

Zmojda: Nein, unsere Community gibt es nur auf Wallstreet-Online selbst. Wir planen allerdings im Zuge der Übernahme durch Minkabu eine stärkere internationale Präsenz. Umgekehrt wird ein Teil der Aktivitäten, Daten und Tools von Minkabu auch bei uns zu nutzen sein.

boerse.ARD.de: Wie hoch ist der Betreuungs- und Administrationsaufwand für die Anleger-Gemeinde?

Zmojda: Derzeit arbeiten acht bis zehn Moderatoren an der Betreuung der Community. Zum Teil sind dies feste, zum Teil langjährige freie Mitarbeiter.

boerse.ARD.de: Selbst mit guter Personalausstattung: Wie kann man bei mehreren Tausend Beiträgen im Jahr noch den Überblick bewahren und Missbrauch verhindern?

Zmojda: Wir nutzen natürlich auch die automatische Übernahme der Beiträge über bestimmte Erkennungsmuster. Damit wird sehr zuverlässig zum Beispiel unerlaubte Werbung herausgefiltert.

boerse.ARD.de: Wie gehen Sie damit um, wenn sich Unternehmen im Forum "ungerecht" beurteilt finden, oder gerade – wie im Beispiel Wirecard – einer Kampagne ausgesetzt fühlen?

Zmojda: Natürlich werden solche Vorfälle von unserer Community aufgegriffen und ausführlich diskutiert, was ja auch gut für die allgemeine Transparenz an der Börse ist. Unternehmen erhalten von uns bei Bedarf auch die Möglichkeit, selbst Stellung zu beziehen. So haben wir vor kurzem dem Börsenneuling Ferratum nach einem kritischen Pressebericht die Möglichkeit zu einem Vorstandsinterview auf unserem Portal gegeben.

Das Gespräch führte Andreas Braun.