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Wie Amazon-Chef Bezos zum reichsten Mann der Welt wurde Gelobt als Visionär, getadelt als Chef

Jeff Bezos als Kind

Der Junge aus Albuquerque
Jeffrey "Jeff" Preston Jorgensen kam am 12. Januar 1964 in Albuquerque in New Mexico zur Welt. Nach einem Jahr trennte sich seine Mutter Jacklyn Gise von Jeffs Vater, dem Zirkusartisten Ted Jorgensen. Als Jeff vier Jahre alt war, heiratete seine Mutter den kubanischen Immigranten Miguel Bezos. Mit ihm bekam sie zwei weitere Kinder: Christina und Mark. Miguel Bezos adoptierte Jeff. Das erfuhr er mit zehn Jahren - doch...

Wie Amazon-Chef Bezos zum reichsten Mann der Welt wurde Gelobt als Visionär, getadelt als Chef

Jeff Bezos als Kind

Der Junge aus Albuquerque
Jeffrey "Jeff" Preston Jorgensen kam am 12. Januar 1964 in Albuquerque in New Mexico zur Welt. Nach einem Jahr trennte sich seine Mutter Jacklyn Gise von Jeffs Vater, dem Zirkusartisten Ted Jorgensen. Als Jeff vier Jahre alt war, heiratete seine Mutter den kubanischen Immigranten Miguel Bezos. Mit ihm bekam sie zwei weitere Kinder: Christina und Mark. Miguel Bezos adoptierte Jeff. Das erfuhr er mit zehn Jahren - doch...

Jeff Bezos als Schüler

Früher Forschergeist
... der Schock über die damals verordnete Brille saß tiefer.
Den Hang zum Machertyp bewies er schon im Kleinkindalter: Mit einem Schraubenzieher nahm er sein Kinderbett auseinander. Er wollte lieber in einem richtigen Bett schlafen. Die Garage seiner Eltern nutzte er als Labor und baute rund um das Haus elektrische Geräte auf.

McDonald's-Schild

Karrierestart bei McDonald's
Seinen ersten Nebenjob machte er bei McDonald's. Er habe dort gelernt, Eier mit nur einer Hand aufzuschlagen, verriet Bezos gegenüber dem Branchenmagazin "Fast Company". Der Samstagmorgen sei daher seine Lieblingsschicht gewesen: "Das Erste was ich da tat, war 300 Eier aufschlagen." Doch er hielt es nicht lange dort aus. Stattdessen kam ihm die erste Geschäftsidee: Gemeinsam mit seiner damaligen Freundin gründete er Sommercamp für Kinder. Pro Kind verdienten sie 600 Dollar.

David E. Shaw

Lieber zum Startup
Nach der High School besuchte er das College in Princeton. Seinen Abschluss machte er 1986 in Elektrotechnik und Informatik. Danach lehnte er Jobangebote der Großkonzerne „Intel“ und „Bell Labs“ ab. Stattdessen ging er zu einem Tech-Startup: Bei "Fitel" arbeitete er als Manager of Administration und Development. 1990 wechselte er zu Vermögensverwaltung "D.E. Shaw" und wurde zum jüngsten Vizepräsidenten des Unternehmens ernannt. Dort soll ihm auch die Idee zum Buchgeschäft gekommen sein.
(Auf dem Bild: D.E.Shaw-Gründer David E. Shaw)

Jeff und Frau MacKenzie Bezos

Jeff und seine Frau MacKenzie Bezos
MacKenzie Tuttle arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei D.E. Shaw. Bezos hatte zuvor ihr Vorstellungsgespräch geführt. Drei Monate nach dem ersten privaten Treffen waren sie verlobt. 1993 läuteten die Hochzeitsglocken. Sie unterstützte ihn bei der Gründung von Amazon und war eine seiner ersten Mitarbeiterinnen - heute arbeitete sie als Schriftstellerin. Gemeinsam haben sie vier Kinder: drei leibliche Jungen und eine Adoptivtochter aus China.

Jeff Bezos mit Amazon-Schriftzug

Jetzt oder nie
1994 unterschätzten noch einige Experten die Bedeutung des Internets – nicht so Jeff Bezos. Beeindruckt vom Wachstum der neuen Technologie entwickelte er eine Liste mit 20 Produkten, die er online verkaufen wollte. Seine Wahl fiel auf Bücher. Für ihn war klar: Er muss es wagen. Bezos verließ D.E. Shaw, um sein eigenes Unternehmen zu gründen. Während einer Autofahrt nach Seattle schrieb er nebenbei ein Geschäftskonzept auf – Amazon war geboren.

Jeff Bezos bei Amazon München

Wenn's bimmelt
Die offizielle Gründung fand am 5. Juli 1994 statt. Erster Firmensitz war eine Garage. Die Geschäftsmeetings verlegte Bezos in die nah gelegene Buchhandlung "Barnes & Noble". In den ersten Tagen klingelte jedes Mal eine Glocke, wenn jemand ein Buch über Amazon kaufte. Dann versammelten sich alle, um zu schauen, ob sie den Kunden kannten. Nach einigen Wochen musste die Glocke weichen – sie klingelte einfach zu oft.

Jeff Bezos beim Amazon-Börsengang

Glatter Durchmarsch
Nur zwei Jahre später, am 15. Mai 1997, ging Amazon an die Börse. Zu dem Zeitpunkt bestellten Kunden aus ganz Amerika und 45 weiteren Ländern bei Bezos. Das "Times"- Magazin kürte ihn 1999 zur "Person des Jahres". Gefahr kam mit der Internetblase im Jahr 2000 auf - doch Amazon überlebte als eines der wenigen Startups. Der Umsatz wuchs und mit ihm das Sortiment: Nach den ersten fünf Jahren hatte das Unternehmen 2,8 Milliarden verdient - Google schaffte im selben Zeitraum nur 1,5 Milliarden.

Amazon-Mitarbeiterin schiebt einen Wagen mit Paketen

Wie im 19. Jahrhundert
Bezos gilt als anspruchsvoll und leicht reizbar. Er macht kein Geheimnis daraus, dass er seine Mitarbeiter irgendwann durch Roboter ersetzen will. Diese Einstellung brachte ihm 2014 den Titel als „schlechtesten Chef der Welt“ vom Internationalen Gewerkschaftbund ein. Das Konzept von Amazon sei nicht nachhaltig und basiere darauf, Mitarbeiter als inhumane Roboter zu behandeln, so die Gewerkschafter damals. Die Arbeitsbedingungen glichen denen des 19. Jahrhunderts. Laut "Business Insider" soll er mittlerweile einen Führungscoach engagiert haben, um an sich zu arbeiten.

Washington Post

Dahin fließen die Millionen
Ein knauseriger Sparfuchs also. Doch wohin geht sein ganzes Geld? 2012 spendete er 2,5 Millionen für eine Kampagne, die die Homo-Ehe in Washington schützt. 42 Millionen flossen in den Bau der "The Clock Of The Long Now", eine unterirdische Uhr, die 10.000 Jahre lang funktionieren soll und auf Bezos Grundstück in Texas gebaut wird. 2013 kaufte Bezos die "Washington Post" für 250 Millionen Dollar. Außerdem gehören ihm Anwesen in Washington, Washington D.C., New York und Beverly Hills.

Start des Raumfahrzeuges «New Shepard» in Texas

Abgespaced: Die "New Shepard"
Große Interesse hat Bezos am Weltall: Im Jahr 2000 gründete er "Blue Origin". Das Unternehmen startete mit der "New Shepard" als erstes eine wiederverwendbare Rakete. Für die Zukunft setzt Bezos auf den Weltraumtourismus und den Start von Satelliten. Die neue Rakete "New Glenn" soll 2020 starten. Bezos' Leidenschaft zum Fliegen brachte ihn aber auch schon in Gefahr: 2003 wäre er fast bei einem Helikopter-Absturz in Texas ums Leben gekommen.

Lachender Amazon-Chef Jeff Bezos

Endlich Nummer eins
Anfang November wurde Bezos vom US-Magazin "Forbes" und der Nachrichtenplattform "Bloomberg" zum reichsten Mann der Welt gekürt. In den letzten Monaten hatte er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der jetzigen Nummer zwei Bill Gates geliefert. Mit einem Nettowert von mehr als 95 Milliarden Dollar liegt Bezos nun vor ihm. Amazon hatte kurz zuvor seine Zahlen zum dritten Quartal veröffentlicht. Der Umsatz war um 34 Prozent auf 43,7 Milliarden Dollar gestiegen. Das überstieg die Erwartungen - die Aktie schoss nach oben. Seit Jahresbeginn legte sie  bereits um 47 Prozent zu. 20 Jahre nach dem Börsengang hat Amazon einen Gesamtwert von 457 Milliarden Dollar.

Whole Foods Market

Der Rubel muss rollen
Doch Bezos hat noch nicht genug. Mit Amazon kaufte er im Juni das Unternehmen "Whole Foods" für 13,7 Milliarden Dollar. Mit seiner Venture Capital Firma "Bezos Expeditions" investierte er bereits in die Roboter-, Energie- und Krebsforschung. Privat beteiligte er sich unter anderem an Uber und Airbnb. 1998 investierte Bezos übrigens 250.000 Dollar in Google – damit war er einer der ersten Investoren.

Jeff Bezos als Alien bei Star Trek Beyond

Der Fanboy
Wie kann man den reichsten Mann der Welt glücklich machen? Indem man ihm eine Rolle in seinem Lieblingsfilm anbietet. Als großer Star-Trek-Fan bekam er 2016 einen Auftritt als Alien in "Star Trek Beyond". Die Begeisterung für die Filmreihe hat er schon lange: Er wollte Amazon erst "MakeItSo.com" nennen, in Anlehnung an einen Satz von Captain Jean-Luc Picard.