Bombenanschlag auf Mannschaftsbus von Borussia Dortmund
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Prozessauftakt Wie der mutmaßliche BVB-Attentäter reich werden wollte

Stand: 21.12.2017, 12:56 Uhr

Erst wettete er auf fallende Kurse der BVB-Aktie, dann soll er den Anschlag auf die Mannschaft des BVB verübt haben. Ab heute steht der mutmaßliche Täter vor Gericht. boerse.ARD.de erklärt, wie der BVB-Attentäter an der Börse reich werden wollte.

Führten tatsächlich Wertpapier-Spekulationen zum Anschlag? Diese Frage soll sich ab heute im Landgericht Dortmund klären. Dort beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen BVB-Attentäter: Er soll im April den Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus verübt haben.

Bombenanschlag auf Mannschaftsbus von Borussia Dortmund

Bombenanschlag auf Mannschaftsbus von Borussia Dortmund. | Bildquelle: picture alliance / newscom

Das geplante Champions-League-Viertelfinale zwischen dem Dortmunder BVB und dem AS Monaco endete, noch bevor es überhaupt beginnen konnte. Als am 11. April der Mannschaftsbus des BVB von Knall und Rauch gestoppt wurde, war das Tatmotiv noch unklar. Was jedoch klar war: Der Bombenanschlag hätte schlimm ausgehen können.

Wenige Tage später stand ein mutmaßlicher Täter fest: Sergej W. soll den Anschlag auf den BVB-Bus verübt haben. Daraufhin erhob die Staatsanwaltschaft Ende August die Anklage: W. werden versuchter Mord und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen. Sein Motiv soll Habgier sein: Er soll auf fallende Kurse der BVB-Aktie gesetzt haben.

Der perfide Plan

Sergej W. soll dafür unter anderem 97.000 "Put-Optionsscheine" auf die Aktie des Fußballvereins gekauft haben. Diese wollte er dann verkaufen – und so ein Vermögen verdienen. Über Auffälligkeiten im Optionsscheinhandel hatte boerse.ARD.de bereits einen Tag nach dem Anschlag berichtet.

Doch das war nur die Spitze des Eisbergs – wie die Ermittlungen zeigten. Der Angeklagte soll kreditfinanziert weitere hochrisikobehaftete Finanzgeschäfte getätigt haben. Rund 36.600 Short-CFD-Kontrakte kommen noch hinzu. Das Gesamtvolumen aller spekulativen Käufe liege bei 44.300 Euro, so die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage. 

Wie funktionieren Put-Optionsscheine?

Optionsscheine berechtigen dazu, einen Basiswert zu einem bestimmten Preis, dem Basispreis, zu kaufen oder zu verkaufen. Sogenannte "Put"-Optionsscheine verbriefen das Recht zum Verkauf einer Aktie zu einem bestimmten Preis. "Calls" hingegen zum Kauf des Basiswertes.

Optionsschein-Schriftzug durch eine Lupe

Optionsschein. | Bildquelle: Imago

Bei Optionsscheinen ist eine tatsächliche Ausübung der Option gar nicht mehr vorgesehen. Zum Ende der Laufzeit erhält der Käufer statt der Lieferung einen Barausgleich. Häufig wird der Schein auch vor Laufzeitende wieder verkauft. Der Verkäufer hofft dabei auf große Gewinne – wie Sergej W. Dafür ist die "Hebelwirkung" eines Scheins zuständig: So bedeutet ein zweifacher Hebel, dass der Wert des Optionsscheins zweimal so stark steigt wie der Wert der Aktie - also der Basiswert. Das geht aber auch andersherum: Bei steigenden Kursen würde der Hebel eines Put-Optionsscheins dementsprechend sinken.

Der Kurs eines Optionsschein hängt aber auch von anderen Faktoren wie der Restlaufzeit und dem Bezugsverhältnis ab.

Was bedeutet „short gehen“?

Neben den Optionsscheinen soll der Angeklagte aber auch 36.600 Short-CFD-Kontrakte gekauft haben. Sie sind eine Vereinbarung zwischen Broker und Anleger - also kein Wertpapier. Mit CFDs wird ebenfalls gehebelt auf Basiswerte, also etwa den Dax, einzelne Aktien oder das aktuelle Euro-Dollar-Verhältnis gewettet. Die Kurse gibt dabei der Anbieter vor - er übernimmt auch den gesamten Geschäftsablauf.

Anleger können auch hier "short" oder "long"  gehen. Wer "short" geht, setzt auf fallende Kurse. Bei CFDs ist die Hebelwirkung meist höher als bei klassischen Optionsscheinen. Bei einem Dax-Kontrakt etwa entspricht ein Dax-Punkt einem Euro. Steigt der Dax dann um einen Prozent bei einem 20-fachen Hebel, klettert der Wert des CFDs um 20 Prozent. Ob CFD oder Optionsschein – beides ist für unerfahrene Anleger ungeeignet.

Maximaler Gewinn eine halbe Million?

Im Fall des mutmaßlichen BVB-Attentäters hätte der Kursverlust der BVB-Aktie sehr hoch ausfallen müssen – nur dann hätte der Angeklagte von seinen Spekulationen profitiert. Der große Verlust der BVB-Aktie sollte durch den Anschlag auf den Mannschaftsbus ausgelöst werden, so die Anklage.

Einige Finanzprodukte soll Sergej W. in den Tagen nach dem Anschlag verkauft haben – mit fast 5.900 Euro Gewinn. Insgesamt sei durch die Spekulationen ein maximaler Gewinn von 506.275 Euro möglich gewesen, so die Staatsanwaltschaft.

jz