Marshall Wace, Sreenshot Website

Short Seller Wer ist Marshall Wace?

Stand: 24.05.2017, 09:27 Uhr

Mit ihrer gleichnamigen Firma gehören die beiden millionenschweren Gründer Paul Marshall und Ian Wace zur Elite der britischen Hedgefondsmanager. Mit Leerverkäufen sind sie auch hierzulande vertreten.

Beide Manager residieren mit ihrer 1997 gegründeten Firma Marshall Wace LLP am Sloane Square im feinen Londoner Stadtteil Chelsea. Sie werden in der "Businessinsider"-Liste der reichsten britischen Hedgefondsmanager 2016 mit einem Vermögen von je 465 Millionen Pfund (539 Millionen Euro) auf den Plätzen zehn und elf geführt.

Bankenskyline in London

Bankenskyline in London. | Bildquelle: picture alliance / NurPhoto

Eine Erfolgsgeschichte also, denn heute verwaltet die Gesellschaft rund 30 Milliarden Pfund für ihre Kunden. Im Jahr 2011 waren es noch 3,3 Milliarden. 240 Angestellte arbeiten in London, auch Büros in New York und Hong Kong werden unterhalten. Dabei wird eine breite Produktpalette angeboten. So unter anderem auch mehrere Publikumsfonds. Aber auch 'Short-Geschäfte', also Leerverkäufe, gehören zum Repertoire von Marshall Wace.

Die Firma operiert dabei wie viele andere in der Branche mit computergestützten Ansätzen nach festen Algorithmen. Aber auch fundamentale Ansätze, etwa von Aktienanalysten, werden genutzt, so dass nicht von einem reinen Quant-Haus gesprochen werden kann. Heute gilt Marshall Wace LLP als eines der führenden Aktienhäuser bei Long- und Short-Strategien.

So setzte Mitgründer Paul Marshall, Jahrgang 1959, im vergangenen Jahr auf fallende Kurse der Aktie der Deutschen Bank und scheffelte damit ein Millionenvermögen. Eine Position, die die Firma im Gefolge weiter ausbaute, auf bis zu ein Prozent der ausstehenden Deutsche-Bank-Aktien im Wert von 150 Millionen Euro.

Zur Erinnerung: Deutsche-Bank-Aktien waren Ende September 2016 auf ein historisches Tief unter zehn Euro gefallen, da plötzlich Zweifel über die Kapitalstärke der Bank auftauchten. Auch zahlreiche andere Aktien vom deutschen Kurszettel stehen aktuell auf der "short-list" der Londoner Firma im Bundesanzeiger.

Paul Marshall - politischer Vordenker

Wie oft bei Hedgefondsmanagern dieser Gewichtsklasse, gelten Marshall und Wace als großzügige Philanthropen, die zahlreiche Projekte unterstützen. Unter anderem die Wohlfahrtsorganisation für Kinder, ARK. Marshall spendete im Jahr 2015 zudem immerhin 30 Millionen Pfund an die London School of Economics, wo ein Institut für philanthropische Fragestellungen begründet wurde. Er gilt als einer der bekanntesten Geber im ganzen Land und wurde 2016 für seine Verdienste geadelt.

Neben seinen philanthropischen Aktivitäten ist er auch ein wichtiger Denker innerhalb der Liberalen Partei in Großbritannien, die allerdings wegen des Mehrheitwahlrechts in Großbritannien als dritte politische Kraft seit 2015 nur noch wenige Abgeordnete im Unterhaus hat. 2004 arbeite er bei der Verfassung des "Orange Book" mit, einem Grundsatzprogramm der Partei. Galt er anfangs als Brexit-Gegner, hat er seine Meinung mittlerweile geändert. Er befürwortet einen geordneten Ausstieg des Landes aus der EU, einfach weil die Menschen in Großbritannien nun mal nicht in einem europäischen Superstaat leben wollen.

Ian Wace - ein Schicksalsschlag verändert sein Leben

Wace kommt von SG Warburg und der Deutsche-Bank-Tochter Morgan Grenfell. Er war mit nur 25 Jahren der jüngste Direktor, den es bei SG Warburg gab und leitete bei Grenfell den Eigenhandel. Im Jahr 1994, mit 31 Jahren, verlor er seine Frau und beide Kinder bei einem tragischen Verkehrsunfall.

"Für mich gab es ein Leben vor- und eines nach dem Unfall", erklärte er 2011. Insbesondere zieht er seine Motivation für die Kinderhilfsorganisation ARK aus dem Schicksalsschlag. Heute ist er mit der 48-jährigen freien Journalistin und Modemodel Saffron Aldrige verheiratet.

KKR und der Einstieg

Der Erfolg der Firma hat bei anderen Investoren Begehrlichkeiten geweckt. So beim Private-Equity-Investor KKR (Kohlberg, Kravis, Roberts), der im September 2015 für einen nicht genannten Betrag (teils in KKR-Aktien) mit 24,9 Prozent bei Marshall Wace LLP einstieg. "Die Firma hat eine unternehmerische DNA und eine Unternehmenskultur, die der von KKR gleicht", lobte KKR-Manager Scott Nuttall.

Der Anteil kann über ein Optionsrecht auf bis zu 39,9 Prozent ausgebaut werden. KKR will mit dem Einstieg sein Geschäftsmodell verbreitern und insbesondere von den hohen Gebühren der Hedgefonds profitieren. Für KKR könnte die Rechnung aufgehen, denn Paul Marshall hat eine gute Reputation im Markt. Sein 6,7 Milliarden Dollar schwerer Fonds "Eureka" weist seit Gründung 1998 jährliche Durchschnittsrenditen von 13,5 Prozent aus.

rm

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