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Das chinesische Imperium des Guo Guangchang Wer ist Fosun?

Stand: 10.11.2016, 13:12 Uhr

Europa ist eine attraktive Shoppingmeile für Fosun. Der chinesische Investor kauft und kauft und kauft. Dahinter steckt einer der reichsten Männer Chinas. Guo Guangchang. Man nennt ihn auch den chinesischen Warren Buffett.

Guo Guangchang ist fast schon ein Star in China - zumindest in der Wirtschaftsszene. Der Multimilliardär wird von Forbes auf Platz elf der reichsten Männer der Volksrepublik geführt. Sein Vermögen wird auf 6,9 Milliarden Dollar geschätzt. Er tritt aber eher bescheiden auf, ohne die Star-Allüren eines Jack Ma, der die Internet-Plattform Alibaba gründete.

Die chinesische Berkshire Hathaway

Reich geworden ist der aus armen Verhältnissen stammende Guo durch seine Beteiligungsfirma Fosun, die er 1992 mit drei Kommilitonen gründete. Die vier Studenten brachten dafür gerade einmal 4.000 Dollar auf. Was die vier so erfolgreich machte: Sie erkannten Trends frühzeitig. Angefangen haben sie angeblich mit Marktstudien zum Verkauf der in China so beliebten Mondkuchen.

Fosun setzte auf den in den 90er Jahren sich allmählich liberalisierenden chinesischen Arzneimarkt, stieg bei jungen Pharmafirmen ein. Dann setzte die Gesellschaft erfolgreich auf den beginnenden Immobilienboom, und schließlich stieg sie im Rohstoffboom bei Stahlfirmen, Gold- und Eisenerzminen ein. So wuchs die kleine Firma in kürzester Zeit zu einem riesigen Konglomerat von Firmen und Beteiligungen der unterschiedlichsten Branchen. Heute ist Fosun der größte private Mischkonzern Chinas.

Es ist ein ähnlich buntes Imperium wie Berkshire Hathaway, die Beteiligungsgesellschaft des amerikanischen Originals Warren Buffett, mit der Guo seine Gesellschaft gern vergleicht. Nur ist das chinesische Investment-Konglomerat nicht ganz so durchsichtig.

Der Krimi um Guos Verschwinden

Mit Guo Guangchang verwoben ist auch eine Art Wirtschaftskrimi. Im Sommer 2015 kamen Gerüchte auf, dass gegen Guo wegen Korruptionsverdacht ermittelt werde, die er aber dementierte. Im Dezember 2015 schockte der Milliardär die Finanzwelt, weil er für mehrere Tage nicht auffindbar war. Nicht einmal im Konzern wusste man, wo er abgeblieben war.

Die Fosun-Aktie brach ein, sie musste zeitweilig vom Handel ausgesetzt werden. Dann tauchte Guo genauso plötzlich wieder auf der Bildfläche auf. Hinterher hieß es, chinesische Behörden hätten ihn abeholt, um ihn zu Korruptionsermittlungen zu befragen. Laut seiner Firma unterstützt er die Behörden bei "bestimmten Untersuchungen auf dem chinesischen Festland". Bis heute ist unklar, worum es dabei ging.

Guos Verschwinden war kein Einzelfall. Die Behörden in China hatten nach dem großen Börsencrash im Sommer 2015 zahlreiche Untersuchungen gegen Finanzfirmen und deren Chefs eingeleitet. Mehrfach verschwanden im Zuge dessen für gewisse Zeit hochrangige Manager chinesischer Firmen, so auch zwei Manager des Chinesischen Brokers Citic. Auch der Hedgefonds-Milliardär Xu Xiang wurde festgenommen.

Einkaufsmeile Europa

Die Ereignisse haben Guo nicht weniger kaufhungrig gemacht. Die Shopping-Tour führt Fosun immer häufiger nach Europa. Die Beteiligungsfirma des chinesischen Milliardärs ist inzwischen Besitzer des französischen Reiseveranstalters Club Med. Sie hält Anteile am deutsch-britischen Reisekonzern Thomas Cook (Neckermann). Auch im Finanzsektor hat Fosun hierzulande zugeschlagen mit der Übernahme der Traditionsbank Hauck & Aufhäuser. Auch auf die deutsche Privatbank BHF hatte es Fosun abgesehen, unterlag aber nach einer monatelangen Bieterschlacht der französischen Oddo-Gruppe.

Den Chinesen gehört außerdem der portugiesische Versicherer Caixa Seguros. Und der Konzern ist an der israelischen Phoenix und der amerikanischen Meadowbrook beteiligt.

Fast wirkt es, als würde Fosun alles wahl- und planos zusammenkaufen: Finanzen, Touristik, Immobilien, Stahl, Unterhaltung und Pharmazie. Doch was wie ein buntes Durcheinander wirkt, hat Kalkül. Guo engagiert sich in allen Branchen, die von der wachsenden Mittelschicht in China profitieren können.

Ein ziemlich kleiner "Warren Buffett"

Fosun dreht dabei das ganz große Rad. Die Deals sind milliardenschwer. Dafür hat Guo Investmentbanker von großen FinanzInstituten abgeworben. Seine Firma ist an der Börse zwölf Milliarden Dollar schwer.

Doch um an sein Vorbild Warren Buffett heranzureichen, muss sich Guo noch ganz schön strecken. Mit den 364 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung einer Berkshire Hathaway kann es Guos Firma noch lange nicht aufnehmen.

bs