Börsenwissen

Der Index-Streit Was war vor dem Dax?

von Notker Blechner

Stand: 26.06.2013, 10:00 Uhr

Hardy-Index, FAZ-Index, BZ-Index - schon vor dem Dax gab es mehrere Indizes auf deutsche Aktien. Diese waren jedoch zu träge und wenig einprägsam. Erst der Dax beendete das Dilemma.

In den 1980er Jahren behaupteten böse Zungen in London, die Deutschen hätten zwar wenig Aktien an ihren Börsen, dafür aber um so mehr Aktienindizes. So ganz unrecht hatten sie nicht: Bevor der Dax geboren wurde, herrschte ein regelrechter Index-Wirrwarr. Es gab den FAZ-Index, den Commerzbank-Index, den BZ-Index und einen Index der Frankfurter Börse.

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Vor dem Dax gab's eine Vielzahl von Indizes

Doch der Commerzbank-Index wurde von Konkurrenzbanken verschmäht, der FAZ-Index sowie der BZ-Index wurden von anderen Zeitungen gemieden, und die Düsseldorfer Börse wollte vom Index der Frankfurter Börse erst recht nichts wissen.

Auch der Hardy-Index mit 14 deutschen Standardwerten, benannt nach der Frankfurter Privatbank Hardy & Co., konnte sich nicht durchsetzen. 1959 gestartet, wurde er Ende der 70er Jahre aufgelöst, als die Bank in der Dresdner Bank aufging. Er galt nicht gerade als dynamisch. Der Index wurde jede halbe Stunde auf einem mechanischen Rechner ermittelt.

Vom Hardy-Index zum BZ-Index

An die Stelle des Hardy-Index trat ab 1981 der BZ-Index der Börsen-Zeitung. Alle 30 Minuten wurde er auf der Basis der Kurse von 30 Unternehmen ermittelt. Der BZ-Index stellte für viele Marktteilnehmer aber eine Notlösung dar. Viele Börsianer nutzten eher den FAZ-Index.

Doch auch dieser hatte ein großes Problem: "Er war unübersichtlich und träge", sagt Artur Fischer, der 1986 zur Frankfurter Börse kam, um den Parketthandel zu erweitern. Größere Bewegungen gab es kaum. Er wurde nur einmal am Tag berechnet.

Die meisten Indizes vor dem Dax waren "reine Kursindizes", die die Dividenden nicht berücksichtigten und kaum Einfluss aufs Tagesgeschäft hatten, kritisiert Wertpapierhändler Fidel Helmer von der Bank Hauck & Aufhäuser.

Ende eines Dilemmas

Erst die Frankfurter Börse löste das Dilemma. Eine Arbeitsgruppe aus Banken- und Börsenfachleuten entwickelte den Dax als neuen Index, der im Vergleich zum FAZ-Index deutlich dynamischer und gegenüber den anderen Indizes neutraler war. Er berücksichtigt nur die 30 größten und umsatzstärksten börsennotierten Gesellschaften und neutralisiert die jährlichen Dividendenabschläge. Die Idee zu diesem "Performance-Index" kam letztendlich maßgeblich von Frank Mella, einem erfahrenen Börsenjournalisten, der heuer als "Vater des Dax" gewürdigt wird.

Bis dato beeinflussten die Dividendenausschüttungen der Konzerne die Kursentwicklung der Indizes negativ. Kritiker monieren aber, dass der Dax als Performanceindex das wahre Börsengeschehen verzerrt widerspiegle. Allerdings gibt es auch einen Dax-Kursindex, den manche Experten als Indikator weiterhin bevorzugen.

Einer der bekanntesten Markenartikel Deutschlands

Sei’s drum: Der Dax hat das zersplitterte Indizes-Bild vereinheitlicht und ist zu einem der bekanntesten Markenartikel Deutschlands aufgestiegen. Über 70 Prozent der Deutschen wissen laut Umfragen, was der Dax ist.

"Der Dax ist inzwischen aus keiner Nachrichtensendung mehr wegzudenken, er ist Symbol für potente Emittenten geworden", freute sich Rüdiger von Rosen, Ex-Chef des Deutschen Aktieninstituts und Geburtshelfer des Dax, schon vor fünf Jahren.

Dabei sollte der Dax ursprünglich eigentlich Dai heißen. Das fanden aber einige wie zum Beispiel Telebörsen-Moderator Friedhelm Busch zu japanisch. Daraufhin empfahl Manfred Zaß von der DGZ-Bank, der im Aufsichtsrat der Deutschen Börse saß, den jeweils letzten Buchstaben des Namens "Deutscher Aktien Index" zu nehmen. Und so entstand der Dax.

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Der Dax: Mehr als nur ein Aktienindex. Gespräch mit Index-Expertin Petra von Kerssenbrock