Manager-Legenden

Ron Sommer

65. Geburtstag des Ex-Telekom-Chefs Was macht eigentlich Ron Sommer?

Stand: 29.07.2014, 17:26 Uhr

Als Ron Sommer die Telekom 1996 an die Börse brachte und Millionen Deutsche zu Aktionären machte, wurde er als Volksheld gefeiert. Nach dem Einbruch der T-Aktie war er der Buhmann der Nation. Den Machtverlust hat er verkraftet, die Kritik nicht. Heute feiert Sommer seinen 65. Geburtstag.

Seit seinem Rücktritt vor zwölf Jahren bei der Telekom ist es still geworden um den einstigen "Popstar der Wirtschaftswelt". Der Top-Manager hat sich aus der Öffentlichkeit weitgehend zurückgezogen und sein zweites Leben nach der Telekom begonnen. Sommer sitzt heute noch in ein paar Aufsichtsräten - bei der Münchener Rück, beim indischen Software-Entwickler Tata Consultancy und beim größten russischen Telekom-Unternehmen MTS. Dort ist er gar Aufsichtsratschef. "Ich habe mich auf Dinge konzentriert, die mit Deutschland wenig zu tun hatten", sagt Ron Sommer heute.

Mit RTS zurück zur Telekom?

Doch so ganz kann er nicht von der Telekom lassen. Mehrfach soll Sommer mit Sistema-Gründer Wladimir Jewtuschenkow versucht haben, Bundeskanzlerin Angela Merkel für eine deutsch-russische Fusion von Deutscher Telekom und MTS zu begeistern. Vergeblich. Er blitzte ab.

Noch immer schlägt sein Herz für die Telekom. "Wann immer ich den Telekom-Jingle höre, dann denke ich, das Unternehmen ist doch mein Baby", sagte er im Buch von Katja Kraus "Macht. Geschichten von Erfolg und Scheitern". Bis heute glaubt er offenbar noch, dass er die Telekom wieder hätte aufrichten können.

Nach langem Kampf habe er sich 2002 zum Rücktritt entschlossen. Er habe damals seine Familie angerufen und gefragt, ob er um den Posten kämpfen oder aufgeben solle. Ein Sohn sagte, er solle in die USA auszuwandern. Ein anderer meinte, er müsse kämpfen und gewinnen.

Sicherheitskontrolle im Flughafen war "gewöhnungsbedürftig"

Der plötzliche Machtverlust sei "sehr schwierig" gewesen. Seine Frau habe ihm bei der Rückkehr in den harten Alltag geholfen. "Ich kannte das gar nicht, bei der Sicherheitskontrolle im Flughafen das Sakko ausziehen zu müssen und abgetatscht zu werden. Das war gewöhnungsbedürftig." Am Airport wartete dann auch kein Wagen. "Meine Frau führte mich zur U-Bahn." Inzwischen habe er sich an zweites Leben gewöhnt und beherrsche alles, was er brauche.

Seine erste Entscheidung war, erst einmal ein Jahr keine Entscheidungen zu treffen. Er machte den Flugpiloten-Schein und versuchte, sein Golf-Handicap zu verbessern. Mit mäßigem Erfolg. Das machte ihn zeitweise übellaunig. Inzwischen aber scheint er den inneren Frieden mit sich gefunden zu haben. An der Wand seines Büros in seinem Haus in Düsseldorf sind mehrere Zeitungskarikaturen über ihn aus seiner Telekom-Zeit aufgehängt - wohl als eine Art psychologischer Mahnung.

Management-Leistung nur nach Aktienkurs beurteilt

Nur die Kritik an seiner Management-Fähigkeit bei der Telekom kann er bis heute nicht recht nachvollziehen. Dass man nicht die unternehmerische Entwicklung der Telekom von einer Bundesbehörde zu einem erfolgreich global operierenden Telekom-Dienstleister bewertet, sondern sich ausschließlich auf die Entwicklung des Aktienkurses konzentriert habe, ärgere ihn noch heute. "Als der Aktienkurs hochging, hat man mich bejubelt. Als er runterging, hat man gesagt, ich sei schuld."

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,17
Differenz relativ
+0,26%

Als Totengräber der deutschen Aktienkultur sieht er sich nicht. "Wir hatten damals das Pech, dass wir mitten in einer Börsenblase befanden, die keiner erkannt hat." Ohnehin habe er vieles nicht verstanden, was damals passiert ist - "weder die Steigerung auf einhundert Euro noch den Fall auf acht Euro". Die enorme Dynamik rund um die T-Aktie sei in beide Richtungen falsch gewesen.

Mitunter wirkt Sommer fast schon ein bisschen dement. An seinen Satz, die T-Aktie werde "so sicher wie eine vererbbare Zusatzrente" sein, erinnere er sich nicht. "Ich glaube nicht, dass ich das gesagt habe." Aber seine Frau könne bestätigen, dass "ich mich an das eine oder andere nicht erinnern kann, woran ich mich erinnern soll".

Voicestream-Übernahme war richtig

Den milliardenschweren Einstieg in den US-Markt im Sommer 2000 bereut er nicht. Im Gegenteil. "Die USA waren und sind ein Traum-Markt." Der Fehler sei eher gewesen, die Investitionen in den USA vernachlässigt zu haben.

Als weiteren strategischen Irrtum hält er den Rückzug vom russischen Markt. "Das brachte zwar schnell Geld in die Kassen. Aber heute wären die Anteile doppelt so viel wert, und strategisch wäre man weiter."

Wenig Kritik, aber viel Lob zum Geburtstag

Der heutige Telekom-Chef Timotheus Höttges äußerte sich dazu nicht, fand aber ein paar lobende Worte zum 65. Geburtstag von Sommer. "Er ist es in erster Linie gewesen, der die Telekom zu einem privatwirtschaftlichen und marktorientierten Unternehmen gemacht hat." Aktionärsschützer Marc Tüngler von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) findet, dass es Sommer hoch anzurechnen sei, den verstaubten Staatsbetrieb in eine neue Ära geführt zu haben. Allerdings leide die Deutsche Telekom noch heute unter den Folgen einiger Entscheidungen von Ron Sommer, insbesondere beim US-Geschäft.

nb