Nicolai Tangen

"Man kann nur begrenzt Pizza essen!" Warum Norwegens Staatsfonds-Chef sein Vermögen opfert

Stand: 27.08.2020, 15:06 Uhr

Am 1. September tritt Nicolai Tangen seinen Traumjob an. Der Hedgefonds-Manager wird Chef des norwegischen Staatsfonds. Wegen der Kritik an möglichen Interessenskonflikten verschenkt Tangen Milliarden.

Der 54-jährige Norweger gibt seine Anteile am von ihm gegründeten Hedgefonds AKO Capital ab, die rund zehn Milliarden Norwegische Kronen wert sind. Er übertragt sie der unabhängigen Stiftung AKO Foundation. Zudem legt er sein fünf Milliarden norwegische Kronen großes Vermögen auf ein Sparkonto, das keine Zinsen bringt.

"Ich verliere kein Geld!"

Der Job beim norwegischen Staatsfonds ist ihm so wichtig, dass er auf Milliarden verzichtet und sich von seinem Lebenswerk trennt. Die Zahl der Pizzen, die man essen könne, sei eben begrenzt, sagte er. Und: "Ich verliere nichts, sondern gebe Geld für wohltätige Zwecke."

Mit seiner freiwilligen Entscheidung will Tangen wohl letzte Zweifel an seiner Integrität ausräumen. Wochenlang war er in Norwegen in der Kritik gestanden, weil er auch in seinem neuen Job als Staatsfonds-Chef die alte Bande zu seinem Hedgefonds AKO nicht kappen wollte. AKO macht auch Geschäfte in Offshore-Steueroasen.

Kritik wegen Luxusreise und Hedgefonds-Engagement

Zudem sorgte eine Luxusreise für Empörung in der Öffentlichkeit. Tangen lud 30 einflussreiche Norweger aus Politik und Wirtschaft, darunter den aktuell noch amtierenden Staatsfonds-Chef Yngve Slyngstad zu einem Seminar mit Vortrag von Starkoch Jamie Oliver und Privatkonzert mit Popstar Sting. Tangen bezahlte den Gästen alles.

Der norwegische Staatsfonds, der die Öleinnahmen Norwegens anlegt, verwaltet ein Vermögen von über einer Billion Euro. Er investiert nur außerhalb Norwegens. Ein Ethikrat überwacht die Investments. Im ersten Halbjahr machte der Fonds Milliardenverluste.