Unternehmenszentrale der Société Générale in La Défense in Paris

Zweifel werden lauter War Kerviel wirklich ein Einzeltäter?

von von Angela Göpfert

Stand: 24.01.2018, 07:00 Uhr

Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise haben halsbrecherische Finanzgeschäfte der französischen Bank Société Générale einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro beschert. Als Schuldiger wird der Angestellte Jérôme Kerviel benannt. Doch zehn Jahre später gibt es gehörige Zweifel an der Einzeltäter-These.

Milliardenzocker, Skandalbanker, Rogue Trader – die Medien haben Jérôme Kerviel viele Namen gegeben. Für manche Experten ist Kerviel jedoch in erster Linie ein Sündenbock.

Ein Sündenbock, dessen Verurteilung die wahren Machenschaften verschleiern soll, die schließlich zu einem Rekordverlust von 4,9 Milliarden Euro bei der Société Générale geführt haben, den die Großbank am 24. Januar 2008 bekannt machte. Kerviel wird von einem Gericht in Paris erstinstanzlich zu fünf Jahren Haft und zur Rückzahlung der 4,9 Milliarden Euro verurteilt.

Société Générale kommt einfach nicht zur Ruhe

Zehn Jahre später ist der Fall Kerviel für die Société Générale immer noch nicht ausgestanden. Vor kurzem gab der französische Fiskus bekannt, er verlange von der Bank eine 2,2 Milliarden Euro schwere Steuergutschrift zurück, welche er einst im Zusammenhang mit dem Rekordverlust gewährt hatte.

Kerviel selbst reagierte auf diese Ankündigung der französischen Steuerbehörden mit Genugtuung, bezeichnete sie als "angemessen und mutig".

Jerome Kerviel

Kerviel hält die Société Générale immer noch in Atem. | Bildquelle: dpa/EPA

Ein Schaden von 4,9 Milliarden Euro – kein Grund, gleich zu kündigen

Tatsächlich häuften sich in den vergangenen Jahren die positiven Nachrichten für Kerviel. Erst im Sommer 2016 wurde dem ehemaligen Händler eine Entschädigung von 450.000 Euro zugesprochen, da die Kündigung durch die SocGen unrechtmäßig gewesen sei.

Nur drei Monate später kam das Berufungsgericht von Versailles zu dem Schluss, dass Kerviel der SocGen statt 4,9 Milliarden Euro nur eine Million Euro zurückzahlen müsse. Zur Begründung hieß es, Kerviel sei nur teilweise für den Schaden der Bank verantwortlich. Vielmehr hätten interne Kontrollmechanismen versagt.

"So ein Ding machen Sie im Leben nicht alleine!"

Experten wie der Schweizer Vermögensverwalter und Behavioral-Finance-Kenner Mojmir Hlinka gehen sogar noch einen Schritt weiter: Demnach hätten die Vorgesetzten von Kerviel nicht nur von seinen Machenschaften wissen müssen. Sie wussten es.

»Auf keinen Fall hätte Kerviel als einfacher Trader Spekulationen in diesem Ausmaß alleine durchziehen können. So ein Ding machen Sie im Leben nicht alleine! Es hätte nur noch eines oder zweier weiterer Schritte bedurft, dann wären die Verluste so groß geworden, dass es die Société Générale heute nicht mehr geben würde.«

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Kweku Adoboli muss sich vor Gericht verantworten

Kweku Adoboli, UBS, hat "Gott gespielt"

Es ist einer der größten Bankenskandale in der Geschichte des Finanzplatzes London: Der UBS-Börsenhändler Kweku Adoboli verzockt im Jahr 2012 2,3 Milliarden Dollar. Zwischenzeitlich waren die Risiken sogar bis auf zwölf Milliarden Dollar angeschwollen und hatten damit das Überleben der größten Schweizer Bank bedroht. Insgesamt hat Kweku Adoboli 2,3 Milliarden Dollar versenkt.

Adoboli war am Handels-Desk für Exchange Traded Funds (ETF) aktiv. Dort handelte er mit allen möglichen Spielarten von börsennotierten Papieren wie Aktien, Anleihen und Rohstoffen. Beim Handel mit ETFs auf den Dax, S&P 500 und den EuroStoxx 50 überschritt er allerdings massiv die Risikolimits seiner Bank. Zudem täuschte er Absicherungsgeschäfte nur vor, um die Gewinnaussichten weiter zu erhöhen.

Dafür wurde Adoboli im November 2012 von einer britischen Jury in erster Instanz des Betrugs für schuldig gefunden und von einem Richter zu sieben Jahren hinter Gittern verurteilt. Sasha Wass, die Chef-Anklägerin in dem Prozess, bezeichnete Kweku Adoboli als arrogant und rücksichtslos. Er habe mit dem Geld der Bank "Gott gespielt", um sein Ego zu nähren und mittels höherer Boni seine Geldbörse zu füllen.

Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung war Adoboli 32 Jahre alt. Zuletzt kämpfte er gegen seine Abschiebung nach Ghana - erfolglos. Im November wurde Adoboli, der seit seinem 12. Lebensjahr in Großbritannien lebte, abgeschoben.