Wang Jianlin, CEO Wanda Group
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Wanda-Gründer Wang Jianlin Der Mann der Superlative

von Bettina Seidl

Stand: 18.08.2017, 11:41 Uhr

Zwei Herzen schlagen in seiner Brust: das des Kommunisten und das des Kapitalisten. Wang Jianlin, einer der reichsten Männer Chinas, früher Soldat, heute Chef des Konzerngiganten Wanda. Das kapitalistische Herz schlägt aber um einiges lauter.

Kapitalist ist noch eine Untertreibung. Wang Jianlin ist einer der größten Großkapitalisten Chinas. Chef des chinesischen Immobilien-, Hotel-, Unterhaltungs- und Handelskonzerns Wanda. Laut "Forbes" mit einem Vermögen von 30 Milliarden Dollar der drittreichste Mann der Volksrepublik, hinter Tencent-Chef Ma Huateng und Alibaba-Chef Jack Ma. Laut dem in China herausgegebenen Hurun-Report rangiert Wang sogar ganz oben auf der Reichenliste.

Dabei begann das Leben des heute 62-Jährigen so kommunistisch es nur irgend geht. Er stammt aus bescheidenen Verhältnissen. Sein Vater, ein Held der Roten Armee, marschiert an der Seite von Revolutionsführer Mao. Wang Jianlin folgt dem Beispiel, tritt schon als 15-Jähriger in die Volksbefreiungsarmee ein und dient ihr 16 Jahre lang als Soldat - bis 1986. Danach übernimmt er zunächst eine Stelle in der Staatverwaltung der nordostchinesischen Hafenstadt Dalian.

Der Soldat im Anzug

Als sich Ende der 80er Jahre die Volksrepublik zu wandeln beginnt, Reformpolitiker Deng Xiaoping seine Landsleute "ins Meer der Marktwirtschaft" lockt, sieht Wang seine Chance in Chinas noch jungem Immobiliensektor. Er übernimmt 1988 einen Job in einem fast bankrotten Immobilienunternehmen. Nach wenigen Jahren wird er Geschäftsführer.

Sein Führungstil ist militärisch. Ängstlich-respektvoll nennen seine Mitarbeiter ihn "Soldat im Anzug". Mit eiserner Disziplin formt Wang aus der ehemaligen Pleitefirma einen Weltkonzern. Zuträglich dürfte gewesen sein, dass Wang als Parteimitglied über gute politische Kontakte verfügte. Heute ist Wanda der größte private Immobilienentwickler der Welt, zu dem mehr als hundert Einkaufszentren, Dutzende Fünf-Sterne-Hotels und mehrere Kinoketten gehören.

Roter Teppich statt Rote Armee

Und Wang ist reich. Chinas Immobilienboom und der Börsengang seines Immobilienablegers Dalian Wanda Group verhalfen ihm zu Milliarden Dollar. Die haben seinen Hunger keineswegs gestillt, sondern nur noch größer gemacht. Er strebt nach immer Höherem. In London soll Wang den Bau des höchsten Wohnturms planen.

Und was wurde aus dem Kommunisten Wang? Dem Unternehmer ist heute mehr nach roten Teppichen statt nach Roter Armee. Nicht nur, dass er gern prachtvolle Partys feiert und seinen Reichtum demonstriert. Ihn drängt es auch im Business nach Hollwood. Sein Expansionsdrang scheint grenzenlos. Wang sagte selbst dem Disney-Konzern den Kampf an: "Ich werde das mächtigste Unterhaltungsunternehmen der Welt aufbauen." Ein Mann der Superlative eben.

Auf nach Hollywood

Die Unternehmensgruppe betreibt bereits fünf Freizeitparks, viele weitere sollen folgen. Dann gehört Wanda noch die US-Kinokette AMC Entertainment, die durch die Übernahme des europäischen Mitbewerbers Odeon & UCI zum weltgrößten Kinobetreiber wurde. Und Wang kaufte sich in Hollywood ein, schnappte sich die US-Filmstudios Legendary Entertainment, die Filme wie "Batman" und "Godzilla" produzierten.

Warum nicht gleich Hollywood nach China bringen? Davon träumt Wang Jianlin, durchaus realistisch. China dürfte noch in diesem Jahr die USA als weltweit größten Film-Markt ablösen, so seine Prognose. Er baut auch schon eine Filmstadt, die dann die größte der Erde werden soll und spricht von chinesischen Oscars und Filmfestspielen.

Dick im Sport-Geschäft

Noch mehr Superlative gefällig? Wang Jianlin versucht sich daran, das größte Sport-Imperium der Welt zu schaffen. Er kaufte die Marke "Ironman" und die World Triathlon Corporation. Er sicherte sich 20 Prozent an Atletico Madrid, schnappte sich für gut eine Milliarde den Sportvermarkter Infront in der Schweiz, der beispielsweise die Übertragungsrechte für die Fußballweltmeisterschaften vertreibt. Und er wurde Hauptsponsor der Fifa. Das dient auch nationalen Interessen. China will 2030 die Fußball-WM ausrichten.

Chinesische Zurückhaltung und Bescheidenheit? Das ist Wangs Sache nicht. In seiner Autobiografie "Der Wanda-Weg" beschreibt er sich als moderner J. P. Morgan, als ein Rockefeller der heutigen Zeit. Er hat sich zum Ziel gesetzt, Wanda zu einer weltweiten Marke wie IBM, Google oder Walmart zu machen.

Der Rockefeller Chinas

Auch politisch fällt er nicht gerade durch leise Töne auf. Mit Blick auf Donald Trumps Anti-China-Kurs verwies er etwa auf die mehr als zehn Milliarden Dollar, die er in den USA investiert hat, und die mehr als 20.000 Menschen, die er dort beschäftigt. "Wenn etwas schiefgeht, könnten diese Leute ihre Jobs verlieren", so Wangs Botschaft in Richtung Trump.

Wang soll sich auch nach Übernahmezielen in Europa umgesehen haben und dabei die Deutsche Postbank im Visier gehabt haben. Vielelicht weil andere chinesische Großkonzerne sich schon bei Banken eingekauft haben: Fosun schnappte sich Hauck & Aufhäuser, und HNA stieg bei der Deutschen Bank ein.

Peking stoppt Größenwahn

Doch Chinas Regierung bremst die internationale Shoppingtour ihrer Großkonzerne mehr und mehr. Peking will der hohen Verschuldung Herr werden. Im Dezember warnte die Regierung vor "irrationalen Tendenzen bei Auslandsinvestitionen". Angesichts ihrer Schuldenexzesse stelle sich die Frage nach einem "systemischen Risiko", warnt Chinas Bankenaufsicht. China versucht auch, mit verschärften Kapitalausfuhrkontrollen das Geld im Land zu halten, um den Wert der Währung zu stützen. Neben den hohen Schulden stößt sich Peking auch an den undurchsichtigen Eigentümerstrukturen vieler Großkonzerne.

Chinas Geldsperre

Parteitag der Kommunistischen Partei in Peking

Seit 2016 kontrolliert Peking Geldflüsse über mehr als zehn Milliarden Dollar ins Ausland scharf. Auch alle grenzüberschreitenden Transaktionen von mehr als fünf Millionen Dollar benötigen eine Genehmigung.

Wie es heißt, haben die Staatsbanken auch Wanda - auf Befehl von oben - den Geldhahn zugedreht. So musste Wang Jianlin Anfang des Jahres einen Rückschlag auf seinem Rote-Teppich-Feldzug einstecken. Der Kauf der Golden Globes scheiterte, wohl weil Chinas Behörden die Zustimmung verweigerten. Eine Milliarde Dollar hatte Wanda für Dick Clark, die Produktionsfirma der Golden Globes, hinblättern wollen.

Jetzt hat Peking die Gangart gegen die heimischen Firmenjäger noch einmal verschärft. Wanda soll gegen chinesisches Recht verstoßen haben, so der Vorwurf. Die chinesische Bankenaufsicht ermittelt wegen möglicher riskanter Kredite an den Mischkonzern - und das trotz Wangs vieler Freunde im politischen Establishment.

Das kommunistische Herz

Wanda hat nun offenbar akute finanzielle Engpässe. Der Konzern soll seine Kreditraten nicht mehr bezahlen können. Das hat die Wanda-Aktie kurzzeitig unter Druck gebracht.

Die chinesische Immobiliengruppe verschafft sich Luft und verkauft ihre Hotels. Zum "Schnäppchenpreis" von knapp neun Milliarden Euro veräußert sie Premiumhotels an 13 Standorten - und als Bonus legt Wanda sogar Anteile des Konglomerats an Vergnügungsparks oben drauf. Vorbei der Traum, in Disneys Spähren vorzudringen? Zumindest vorerst.

Wanda an der Börse

Gelistet ist nur noch der Hotel-Arm der Unternehmensgruppe, Wanda Hotel Development. Die Aktie der Dalian Wanda Group, die seit 2014 in Hong Kong notiert war, hatte Wang im vorigen Jahr wegen der vielen Kursturbulenzen von der Börse genommen.

Von Schuldenproblem mag Wang Jianlin aber nicht sprechen. "Unser Schuldenstand ist nicht allzu hoch", sagte er jüngst dem Wirtschaftsmagazin Caixin. Doch ein erwünschter Effekt sei, "durch den Verkauf unsere Verschuldungsquote zu senken". Um sich mit Peking wieder gut zu stellen, hat Wang Zugeständnisse gemacht. Er entschied, seine Hauptinvestitionen in China zu belassen. Es schlägt als noch, das kommunistische Herz des Ex-Soldaten.

»Hauptsächlich geht es um die staatliche Politik und das volkswirtschaftliche Umfeld. Unternehmen müssen dem Trend der nationalen wirtschaftlichen Entwicklung folgen.«

Wang Jianlin im Interview mit der Finanzzeitung "Caixin"

Die Last mit den Neureichen

Auch familär läuft nicht alles zum Wohlgefallen des Firmenpatriarchen. Sein Sohn Wang Sicong fällt als Neureicher immer wieder unangenehm auf. Sicong prahlt allzusehr mit seinem Reichtum. Auf Weibo, dem Facebook Chinas, dokumentierte er den Kauf von acht iPhone 7 - allesamt für seinen seinen Hund! - und löste damit einen Shitstorm aus. Wenig verwunderlich, dass der Vater Fragen zu seiner Nachfolge als Wanda-Geschäftsführer sagt: Sein Sohn habe andere Pläne. Wahrscheinlich wähle er einen professionellen Manager, der die Geschäfte führt.

Der Job wird nicht leicht. Schon jetzt warnen Experten, dass sich Wanda mit den vielen verschiedenen Sparten verzettelt haben könnte und nur noch schwer lenkbar ist. Und dann droht da noch die sich immer weiter aufblähende Immobilienblase zu platzen, die auch Wang selbst als gefährlich wahrnimmt. Es sei "die größte Blase der Geschichte" warnte er im vorigen Jahr. Auch deshalb fährt Wang wohl seit einiger Zeit seine Immobilienaktivitäten zurück. Es wird dann nicht mehr ganz so schmerzhaft, wenn die Blase platzt. Dann ist es natürlich auch gut, dass Wang so viele andere Standbeine hat.

Chinas Superreiche

Wer ist der reichste Man Chinas? Ma Huateng, genannt "Pony" Ma, der Chef von Tencent rangelt mit Alibaba-Gründer Jack Ma um den Spitzenplatz. Auch Wanda-Chef Wang Jinalin sitzt immer mal wieder auf dem Thron. Das geht da zu wie bei den Gates und Buffetts.

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"Pony Ma" stößt Jack Ma vom Thron Die Reichsten der Reichen

Jack Ma, CEO Alibaba, beim Börsengang in Hong Kong 2007

Jack Ma - Alibaba hat ihn groß gemacht
Da war der Jubel noch groß: Der Börsengang von Alibaba hat Unternehmensgründer Jack Ma reich gemacht. Eine Zeit lang war er der Reichste der Reichen in China und gar der vermögendste Mann Asiens. Nun hat ihn ein anderer Internet-Tycoon überholt. Doch immer wieder musste er den Platz auf dem Thron an andere abgeben.