Porträt

Überrenditen der Top-Investoren gegenüber dem S&P 500

Noch ein Graham-Eleve Walter Schloss - ein erfolgreicher Niemand

von von Ursula Mayer

Stand: 25.09.2014, 10:17 Uhr

Jeder kennt Warren Buffett, aber seinen langjährigen Freund Walter Schloss? Der bleibt nach seinem Tod ein Wall-Street-Phantom, obwohl er jahrelang eine weit überdurchschnittliche Rendite erzielt hat. Für Börsenstar Buffett gehört er sogar zu den "Superinvestoren".

Aufs College ist der 1916 geborene Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie aus New York nie gegangen. Seine Karriere begann er 1935 als Laufbursche einer Investmentfirma. Durch Zufall geriet er an das Buch "Security Analysis", ein Standardwerk von Benjamin Graham, Verfechter des Value Investing.

Bei diesem besuchte er später Abendkurse und konnte schließlich sogar als Analyst bei ihm arbeiten. Genau wie Buffett, der sich mit Schloss anfreundete und mit ihm zeitweise ein Büro teilte. 1955 machte sich Schloss schließlich mit einem eigenen Investmentfonds selbstständig.

"Niemand hat großen Einfluss auf ihn"

Walter Schloss (rechts) mit seinem Sohn Edwin

Walter (r.) und Sohn Edwin Schloss. | Bildquelle: Heilbrunn Center for Graham and Dodd Investing, Columbia Business School

Zeit seines Lebens war der mit 95 Jahren verstorbene Amerikaner wie Buffett Graham-Anhänger und hielt sich strikt an seine Lehren. Die kurzfristige Gewinnentwicklung und die Aussagen des Managements waren für ihn deutlich weniger relevant als die langfristige Substanz eines Unternehmens. Das allgemeine Informationsrauschen der Wall Street ging an ihm vorbei. "Niemand hat großen Einfluss auf ihn", schrieb Buffett in einem Essay über die "Superinvestoren" der Wall Street, in seinen Augen war es Schloss' größte Stärke.

Außerdem schätzte Buffett seine Integrität. "Er vergisst niemals, dass er anderer Leute Geld verwaltet und das verstärkt seine sowieso schon große Abneigung gegenüber Verlusten." Deshalb bezeichnete Buffett ihn in einem Brief an seine Aktionäre einmal als einen der "Guten" der Wall Street.

Geschärfter Blick für die Substanz

Benjamin Graham

Benjamin Graham. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Alles, was für den Fondsmanager mit den auffallend buschigen Augenbrauen zählte, waren Zahlen. Er sah genau in die Bilanzen und studierte akribisch Quartalsberichte, selbst Fußnoten. Unter den Investoren war er eine Art Flaschensammler, stets auf der Suche nach den ungeliebten, unterbewerteten Aktien. Also Aktien, deren Marktpreis geringer ausfiel als ihr Buchwert, der dem Eigenkapital eines Unternehmens entspricht und seine Substanz widerspiegelt. Bei solchen Schnäppchen-Aktien griff der Investor beherzt zu und investierte in verschiedenste Unternehmen, um das Risiko zu streuen.

"Historisch gesehen haben viele Unternehmen, die schlechte Zeiten durchlaufen, ein Comeback erlebt", meinte Schloss selbst einmal. "So eine Schwächephase muss längst nicht das Ende sein." Wenn Anleger dort investierten und sich einmal das Blatt wende, könnten sie massiv daran verdienen.

Fast so erfolgreich wie Warren Buffett

US-Starinvestor Warren Buffett

US-Starinvestor Warren Buffett. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Beispielsweise stieg der Fondsmanager bei der Kupferfirma Asarco ein und kaufte Aktien zu je 13 Dollar. Das Unternehmen wurde später von dem mexikanischen Bergbaukonzern Grupo Mexico für 2,25 Milliarden Dollar aufgekauft. Schloss bekam je Aktie 30 Dollar ausgezahlt, also mehr als doppelt so viel, wie er ursprünglich investiert hatte.

Schloss größter Coup aber war das Investment in die frühere amerikanische Eisenbahngesellschaft Boston & Providence Railroad, an der Schloss schließlich 1.800 Aktien hielt. Plötzlich wurde deren Grundbesitz für eine andere Eisenbahngesellschaft interessant, die den Aktionären ihre Aktien abkaufte. Schloss bekam einen Scheck von 500.000 Dollar und konnte so seinen Einsatz vervielfältigen.

In den Jahren bis 2002 erzielte Schloss mit seinem Fonds eine jährliche Durchschnittsrendite von 16 Prozent, nach Abzug aller Kosten. Damit übertraf er den S&P 500 deutlich. Mit solch einer Leistung über den Zeitraum von fast fünfzig Jahren gehört er zu den Top-Investoren, vergleichbar mit Buffett und seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway, ist jedoch im Gegensatz zu Letzterem nicht halb so bekannt.

Alles fing in einer Rumpelkammer an

Genau wie sein enger Freund Buffett lebte auch Schloss bis zu seinem Tod 2012 extrem sparsam. Anfangs betrieb er seinen Fonds von einer Rumpelkammer einer Firma aus, die er zur Hälfte anmietete. Auch auf Personal verzichtete er. Nur sein Sohn Edwin stieg 1973 mit ins Unternehmen ein.

Über die Manager, die von Quartal zu Quartal die Gewinnentwicklung von Unternehmen verfolgen, sagte der einmal: "Die kauen bis fünf Uhr morgens auf ihren Fingernägeln herum. Mein Vater dagegen hat sich nie um solche Quartalsvergleiche gekümmert und fest und tief geschlafen."

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