1/10

Von der Engel-Apotheke zu Flüssigkristallen 350 Jahre Merck

Die Engel-Apotheke in Darmstadt gegen Ende des 18. Jahrhunderts

Das Gründerhaus: Die Engel-Apotheke in Darmstadt
Die Geschichte der Merck KGaA, des ältesten pharmazeutisch-chemischen Unternehmens der Welt, beginnt im Jahr 1668. Gerade einmal 20 Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges kauft Friedrich Jacob Merck eine Darmstädter Apotheke. Diese ist die Keimzelle der beiden Unternehmen Merck KGaA in Darmstadt und Merck & Co in Philadelphia.

Von der Engel-Apotheke zu Flüssigkristallen 350 Jahre Merck

Die Engel-Apotheke in Darmstadt gegen Ende des 18. Jahrhunderts

Das Gründerhaus: Die Engel-Apotheke in Darmstadt
Die Geschichte der Merck KGaA, des ältesten pharmazeutisch-chemischen Unternehmens der Welt, beginnt im Jahr 1668. Gerade einmal 20 Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges kauft Friedrich Jacob Merck eine Darmstädter Apotheke. Diese ist die Keimzelle der beiden Unternehmen Merck KGaA in Darmstadt und Merck & Co in Philadelphia.

George Merck

George Merck
Das Darmstädter Mutterhaus entschied nämlich 1898, eine Tochtergesellschaft in Amerika zu gründen. Dazu wurde George (Georg) Merck über den großen Teich geschickt. Die US-Tochtergesellschaft blühte und gedieh. Aus Wut auf das deutsche Kaiserreich, das für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs verantwortlich gemacht wurde, wurde die US-Tochter von Merck 1917 enteignet. Heute firmiert sie unter dem Namen Merck & Co und ist einer der größten Pharmakonzerne der Welt.

Eine Merck Aktie von 1995

Eine Merck-Aktie von 1995
Heute beschäftigt der Konzern fast 53.000 Mitarbeiter weltweit und erzielt gut 15 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Bis heute ist die Darmstädter Merck KGaA ein Familienunternehmen. 1995 entschloss sich die inzwischen weit verzweigte Familie allerdings, 30 Prozent der Anteile an der Börse zu verkaufen, um eine neue Finanzierungsquelle für künftige Zukäufe zu erschließen.

Glaspyramide vor der Merck-Zentrale in Darmstadt

Glaspyramide vor der Merck-Zentrale in Darmstadt
Merck wurde zu einer Kommanditgesellschaft auf Aktien, einer KGaA. Diese Rechtsform, mit der sich die Familie die Kontrolle sicherte, vereint Elemente einer Personengesellschaft (KG) mit einer Aktiengesellschaft (AG). So verfügt die KGaA über mindestens einen persönlich haftenden Gesellschafter, den so genannten Komplementär, der mit seinem gesamten Vermögen für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft haftet. Die Komplementäre haben bei allen wesentlichen Entscheidungen ein Vetorecht. Sie haften mit ihren Einlagen. Die Aktionäre wiederum sind die Kommanditisten und haften mit ihren Einlagen, die in Aktien verbrieft sind.

Der Kampf um Schering
Wenige Jahre nach dem Börsengang entscheidet sich Merck, das im internationalen Vergleich recht bescheiden gewordene Pharmageschäft deutlich auszubauen - und greift nach dem zum Verkauf stehenden Berliner Pharmakonzern Schering. Im Zweikampf mit Bayer muss sich Merck zwar geschlagen geben, verdient aber trotzdem an dem Deal. Denn die gekauften Schering-Anteile gewinnen deutlich an Wert und können mit hohem Profit verkauft werden.

Ein Wissenschaftler von Serono untersucht im Labor Desoxyribonukleinsäure (DNA)

Kauf von Serono
Merck kann das Geld aus dem Verkauf der Schering-Anteile gut gebrauchen, denn schon ein Jahr später, 2007, geht es erneut auf Expansionskurs. Diesmal mit Erfolg. Für zehn Milliarden Euro übernehmen die Darmstädter das Schweizer Biotechunternehmen Serono. Im selben Jahr steigt die Merck KGaA in den Dax auf.

Karl-Ludwig Kley, Merck

Karl-Ludwig Kley
2007 wird auch der frühere Lufthansa-Vorstand Karl-Ludwig Kley zum Vorstandschef ernannt. Auch sein Ziel ist es, Merck mittels Zukäufen weiter voran zu bringen und vor allem das Pharmageschäft zu vergrößern.

Das Logo der Millipore Corporation in Schwalbach

Millipore Corporation
Das gelingt ihm 2010 mit der Übernahme des US-Unternehmens Millipore, einem Hersteller von Instrumenten und diversen Materialien für die Bioindustrie, für 5,3 Milliarden Euro. Dank der beiden Übernahmen steigt Merck in der Rangliste der 50 größten deutschen Unternehmen schlagartig nach oben.

Merck-CEO Stefan Oschmann

Merck-Chef Stefan Oschmann
Heute treibt Chef Stefan Oschmann den Umbau zum Wissenschaftskonzern voran. So verkaufte Oschmann jüngst die rezeptfreien Arzneien an Procter & Gamble für 3,4 Milliarden Euro. Er braucht das Geld, um Schulden zu senken und teure Pharma-Blockbuster voranzutreiben. Denn die Pipeline der Darmstädter ist dünn: Fast alle Hoffnungen ruhen auf dem Krebsmittel-Kandidaten Avelumab.

Merck-Logo vor Unternehmensgebäude

Umsatztreiber leidet
Der große Umsatztreiber vergangener Jahre, das Geschäft mit Flüssigkristallen etwa für Smartphone-Displays, leidet derweil unter der wachsenden Konkurrenz aus China. Im laufenden Jubiläumsjahr dürfte daher das Konzernergebnis leicht zurückgehen.