Carsten Maschmeyer

Carsten Maschmeyer

Die Erfolgsstory des Carsten Maschmeyer Vom Vertriebskönig zum Value-Investor

von Robert Minde

Stand: 02.09.2013, 15:12 Uhr

Wer kennt ihn nicht, den schillernden Finanzinvestor Carsten Maschmeyer aus Hannover? Der Mann, dessen Aktivitäten sich nicht immer nur im Wirtschaftsteil finden, hat ein breit diversifiziertes Anlageportfolio aufgebaut. Bisher, so scheint es, hat er vieles richtig gemacht.

Die Geschichte des Carsten Maschmeyer ist eine, die eigentlich mehr zu den Selfmade-Stories aus Amerika passt. Denn es ist dem von Haus aus nicht begüterten Maschmeyer geglückt, seinen persönlichen "American Dream" zu verwirklichen. Er ist mittlerweile zu einem bedeutenden Investor aufgestiegen, der heute auf Augenhöhe mit zahlreichen Mächtigen der Republik steht.

Am Anfang war AWD

Der Mann, der Medizin studierte und eigentlich Arzt werden wollte, begann seinen Erfolgsweg bei der Finanz-Vertriebsorganisation OHB.

Daraus wurde schnell mehr und Maschmeyer kletterte in der OHB-Hierarchie die Karriereleiter schnell nach oben. 1987 schied er dort aus und stieg bei seinem Schwager in den neu gegründeten unabhängigen Finanzvertrieb AWD ein. Nichts schien ihn aufzuhalten, AWD expandierte stark, nicht nur in Deutschland, sondern auch im europäischen Ausland.

Im Jahr 2000 dann der vorläufige Höhepunkt: Die AWD-Aktie kam zu 54 D-Mark an die Börse, gut eine halbe Milliarde wurde mit dem Börsengang erlöst. Bis in den MDax, den Index für mittelgroße Unternehmen der Deutschen Börse, schaffte es das Papier. Dass Maschmeyer sich bei diesem Weg aber nicht immer nur Freunde gemacht hat, ist kein Geheimnis. Zahlreiche Rechtsstreitigkeiten, die sich meistens mit den rüden Vertriebsmethoden des AWD beschäftigen, begleiten seinen Aufstieg.

Augenfällig wird dieser durch den engen Kontakt mit bundesdeutschen Politgrößen, unter anderem dem ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten und späteren Bundespräsidenten Christian Wulff oder Ex-Kanzler Gerhard Schröder. Dieser hatte bekanntlich seinen politischen Erfolgsweg auch aus der Hannoveraner Staatskanzlei heraus begonnen.

Der Ausstieg – ein gutes Geschäft  

2007 folgte das Übernahmeangebot des Schweizer Versicherungsriesen Swiss Life für den AWD, die Gesellschaft bot den Aktionären 30 Euro für die Aktie. Maschmeyer unterstützte die Übernahme und veräußerte dabei gleichzeitig auch den 30-prozentigen AWD-Anteil an der Swiss Life. Immerhin rund 1,2 Milliarden Euro ließen sich die Schweizer Maschmeyers Lebenswerk kosten.

Aber es sollte noch besser kommen, denn ein Jahr später verkaufte er ihnen auch noch seinen Anteil von 26,75 Prozent an der MLP, den er über die Jahre aufgebaut hatte. Dafür sollte er sich für 300 Millionen Franken an der Swiss Life beteiligen, in dessen Verwaltungsrat er als größter Privataktionär im Mai 2009 einzog.  

Die Leidensgeschichte der Swiss Life

Aber der Schweizer Konzern wurde nicht glücklich mit der neuen Tochter. Die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten sowie die beginnende Finanzkrise nagten am Erfolgsmodell der Hannoveraner. Maschmeyer zog sich Ende 2011 aus dem Verwaltungsrat zurück und verkaufte den Großteil seiner Swiss-Life-Aktien. "In Zukunft werden Swiss Life-Werte und die Swiss Life-Kultur gelten", sagte Firmenchef Bruno Pfister.

Die Gesellschaft zog schließlich 2012 endgültig die Reißleine. Fast 600 Millionen Franken wurden abgeschrieben und aus AWD ist mittlerweile die Swiss Life Select geworden. Der lange AWD-Schatten aber lastet noch immer auf den Schweizern. Erst im August wurden elf Millionen Euro gezahlt, um einen Rechtsstreit in Österreich wegen Fehlberatung durch den AWD beizulegen.

Aus dem AWD-Macher Maschmeyer ist mittlerweile der Finanzinvestor geworden. Mit seiner Maschmeyer-Group ist er bei zahlreichen Gesellschaften beteiligt. Die Chart- und Fotoserie zeigt, wo er überall präsent ist.

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