John D. Rockefeller

Amerikas deutsche Wurzeln Vom Pelzhändler bis zum Silicon Valley

Stand: 29.07.2014, 14:45 Uhr

Ob der legendäre Ölmilliardär John D. Rockefeller oder andere schillernde Unternehmensführer Amerikas - viele haben ihre Wurzeln in Deutschland. Sie schufen in der Neuen Welt Firmenimperien, die noch heute das Börsengeschehen bestimmen.

Bescheidenheit ist nicht unbedingt ein amerikanisches Wort. Als der aus der Kurpfalz stammende Jon Jacob Astor im deutschen Revolutionsjahr 1848 starb, galt er als der reichste Mann der Vereinigten Staaten. Reich wurde er vor allem durch den Handel mit Pelzen.

Noch reicher war der Ölmilliardär John D. Rockefeller mit seiner legendären Ölfirma Standard Oil. Dessen familiäre Wurzeln lassen sich bis ins späte 16. Jahrhundert und in die Gegend zwischen Rhein und Westerwald zurückverfolgen. Rockefeller gilt als reichster Mensch, den es je gegeben hat. Sogar von der Zerschlagung seines Öl-Imperiums im Jahr 1911 profitierte er. Er setzte auf das Automobil und den einsetzenden Ölboom, kaufte Teile seines Unternehmens wieder zurück und verdiente damit ein Vermögen.

Auch sein Bruder William war am Aufbau des Ölimperiums beteiligt. Er leitete die New Yorker Dependance des Unternehmens, aus der sich später Mobil Oil entwickelte. Heute ist ExxonMobil zusammen mit Apple als das Unternehmen mit der weltweit höchsten Marktkapitalisierung. In den Rockefeller-Unternehmenskreis gehört auch die Bank JPMorgan Chase, heute eine der größten Banken weltweit. Die Chase Manhattan Bank, die 1996 ihre Selbstständigkeit verlor, wurde lange Jahre vom 1915 geborenen David Rockefeller geführt - dem heute noch lebenden Enkel des legendären Magnaten.

Deutsche Gründer der Hochfinanz

Nicht nur JPMorgan hat durch die Familie Rockefeller deutsche Bezüge bekannt sind vor allem die Wall-Street-Firmen. Allen voran Goldman Sachs, dessen 1821 geborener jüdischer Gründer Marcus Goldman aus Unterfranken stammt und 1848 in die neue Welt auswanderte. 1869 gründete Goldman in New York dann das Unternehmen, das sich zuerst auf den Ankauf von Schuldscheinen spezialisierte. Später trat sein Schwiegersohn Samuel Sachs in die Firma ein. Goldman Sachs ist heute die weltgrößte Investmentbank.

Legendär auch die Geschichte des mittlerweile spektakulär untergegangenen Konkurrenten Lehman Brothers. Die Geschichte des langjährigen Goldman-Rivalen reicht bis zum kleinen Main-Ort Rimpar bei Würzburg.

Im 19. Jahrhundert wanderte Heinrich Lehman aus Bayern aus, da er sich aufgrund seiner jüdischen Herkunft benachteiligt fühlte. Er gründete 1844 in Alabama einen Gemischtwarenladen, später folgten ihm seine Brüder Emanuel und Mayer nach. Sie nannten ihren Laden "Lehman Brothers" und begannen mit dem Baumwollhandel. Später entwickelte sich daraus eines der großen Wall-Street-Handelshäuser.

Die Bank ging im Jahr 2008 unter und bescherte der Welt die größte Rezession der Nachkriegszeit und die Erkenntnis, wie verheerend die Pleite einer Bank nachwirken kann. Noch heute ist die "Lehman-Pleite" allgegenwärtig.

Chemie und Pharma: Eine deutsche Domäne

Zu den bekannten Namen auf dem Kurszettel der New Yorker Börse gehört Merck & Co. Inc,, wie die Firma nur in den USA genannt wird (außerhalb des Landes firmiert sie als MSD Sharpe & Dohme). Der Pharmagigant war ursprünglich ein Tochterunternehmen der deutschen Merck aus Darmstadt. Dort hat die einstige Muttergesellschaft immer noch ihren Sitz und ist als Merck KGaA seit 1995 im deutschen Leitindex Dax enthalten.

Aber die beiden Firmen haben schon lange nichts mehr gemeinsam, denn die amerikanische Tochter wurde im Jahre 1917 im Zuge einer anti-deutschen Kampagne im Ersten Weltkrieg enteignet. Georg Merck hatte seinerzeit 1891 die US-Dependance gegründet. Heute ist Merck & Co. eine reine US-Firma. Aber die Wurzeln des Merck-Imperiums reichen bis ins Jahr 1668, als Friedrich Jacob Merck in Darmstadt die Engel-Apotheke gründete. Eine Apotheke, die sich übrigens immer noch im Besitz des Unternehmens befindet.

Unter den ganz Großen der US-Pharmaindustrie ragt auch Pfizer heraus. Sie ahnen es schon, auch die Gründung dieses Konzerns geht auf einen deutschen Einwanderer zurück. Karl Pfizer, der sich später Charles Pfizer nannte, gründete die Firma 1849 im New Yorker Stadtteil Brooklyn zusammen mit seinem Cousin Charles Erhart. Zusammen borgten sich die beiden 2.500 Dollar und begannen damit, die Chemikalie Santonin gegen Parasiten zu produzieren. Die Firma, die in der Folge ein großer Hersteller von Vitaminen und Antibiotika wurde, setzt heute über 50 Milliarden Dollar im Jahr um.

Auch das mittlerweile zu Merck & Co. gehörende Schering-Plough hatte seine Wurzeln in Deutschland. Die amerikanische Schering-Tochter wurde 1941 ebenfalls enteignet. Die deutsche Schering, lange Jahre ebenfalls ein Mitglied im Dax, wurde im Jahr 2006 von Bayer übernommen. Interesse hatte auch Merck - die Darmstädter Merck wohlgemerkt.

Böing wird zu Boeing - ein weiterer Weltkonzern

Gedenktafel für William Edward Boeing und seinen Vater Wilhelm Böing in Hagen-Hohenlimburg

Boeing Gedenktafel in Hagen. | Bildquelle: Markus Schweiss - Wikimedia Commons

Im Jahr 1916 schlug die Geburtsstunde des heute weltgrößten Flugzeugherstellers Boeing. Zunächst hieß das Unternehmen Pacific Aero Products Company, 1917 wurde es in Boeing umbenannt. Dessen Gründer war William Edward Boeing, der 1915 mit seinem Partner George C. Westervelt in Seattle an seinem ersten Modell arbeitete. Aber Boeing hieß nicht immer so, denn als Sohn des deutschen Auswanderers Wilhelm Böing, der seine Heimat Hohenlimburg im Sauerland 1868 verlassen hatte, hieß er bis zum Jahr 1900 Wilhelm Eduard Böing. Erst nach einem Studium in der Schweiz änderte er seinen Namen, wie es viele deutsche Einwanderer getan haben.

1934 musste Boeing sein Unternehmen aufteilen, da ihm eine marktbeherrschende Stellung vorgeworfen wurde. Ein Schicksal, dass auch andere große Firmen in den USA teilten. Aber aus der Teilung entstand erneut Großes. Neben dem reinen Flugzeugbauer Boeing Airplane Company entstand mit United Airlines eine der größten Fluglinien weltweit. Boeing ist heute ein Weltkonzern mit einem Umsatz von 64,3 Milliarden Dollar und insgesamt 165.000 Beschäftigten.

Bier aus Deutschland sehr gefragt

Sicherlich hätten sich Braumeister Eberhard Anheuser aus Bad Kreuznach und sein Braumeister Adolphus Busch aus Mainz-Kastel im Jahre 1870 nicht vorstellen können, dass ihre Brauerei mal zum größten Bierbrauer in den USA aufsteigen würde. Noch viel weniger wohl, dass der belgische InBev Konzern dafür im Jahr 2008 die astronomische Summe von 50 Milliarden Dollar auf den Tisch legen würde. Die deutschen Bierbrauer haben ihre Spuren hinterlassen, auch die bekannte Marke Coors geht auf einen deutschen Gründer zurück.

Von der Jeans bis zum Klavier - alles dabei

Interessant auch, dass die erste Blue Jeans ebenfalls eine sehr deutsche Vorgeschichte hat. Denn es war der aus Bayern ausgewanderte Jude Löb Strauss aus dem oberfränkischen Buttenheim bei Bamberg, der 1853 in San Francisco ein Textilwarengeschäft gründete. Strauss, der sich später Levi Strauss nannte, verkaufte vor allem stabile Hosen, die damals von den Goldgräbern gebraucht wurden. Der Grundstein für sein Imperium war gelegt. Heute ist Levi's mit Sitz in San Francisco familiengeführt und gilt als globaler Marktführer.

Geschichten deutscher Gründer gibt es noch viele, wie die des Steinway-Pianos oder die von Isidor Strauss, dem Besitzer des Kaufhauses Macy's, der 1912 mit der Titanic unterging. Aber auch aus der jüngeren Zeit gibt es Beispiele, wie etwa die des Sun Microsystems-Mitgründers Andreas von Bechtolsheim. Mittlerweile gehört Sun Microsystems zum Softwaregiganten Oracle.

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Berühmte deutsche Gründer und Marken in Amerika Amerikas deutsche Wurzeln

Marcus Goldman

Marcus Goldman
Der aus Unterfranken stammende jüdische Einwanderer Marcus Goldman gründete 1869 in New York die berühmte Investmentbank. Sein Schwiegersohn Samuel Sachs trat 1882 in die Firma ein, die dann ab 1885 M.Goldman & Sachs hieß.