Carl Friedrich Benz (r) steuert einen seiner Wagen vom Typ

125 Jahre Taxi Vom "Motorwagen-Fahr-Verkehr" zum Robotaxi

von von Thomas Spinnler

Stand: 17.09.2018, 06:40 Uhr

An der Geschichte des Taxis beobachten wir, wie neue Technologien ganze Branchen durcheinanderwerfen und verändern. Aus so unterschiedlichen Konzernen wie Uber, Google oder Daimler werden Konkurrenten im Wettrennen um die Mobilität der Zukunft.

„Das Einzige, was der hat, ist ein Taxischein!“ Mit solchen Worten wurde Joschka Fischer, Frankfurts, wahrscheinlich sogar Deutschlands, berühmtester Ex-Taxifahrer gelegentlich verspottet, wie der ehemalige Vizekanzler, Außenminister und Grünen-Politiker gerne erzählt. Einst hatte das Taxi-Gewerbe den Ruf, auch ein Auffangbecken für erfolglose Geisteswissenschaftler zu sein, Akademiker auf Stellensuche machten den Taxischein, um die dürftige Zeit zu überbrücken – und viele blieben hängen.

Für Fischer, der kein Abitur hatte und der nie studiert hatte, bedeutete Taxi fahren durch den intensiven Kontakt zu den Menschen dann so etwas wie die „Universität des Lebens“. Diese Uni wird in den nächsten Jahren schließen. Es ist keine Frage mehr, ob autonom fahrende Robotaxen den Menschen ersetzen. Die Frage ist: wann?

2003: Joschka Fischer steigt aus seinem Dienstwagen

Joschka Fischer: Taxi fahren hat ihn vieles gelehrt. | Bildquelle: (c) dpa - Fotoreport

Kurz vor dem Finale

Davon war vor 125 Jahren am 17. September 1893 nicht einmal zu träumen. Damals begann in Dessau die Geschichte des modernen Taxibetriebs mit dem „Motorwagen-Fahr-Verkehr“, der von Fritz Koch und Friedrich Lutzmann gemeinsam eröffnet wurde: Das erste Taxiunternehmen der Welt mit einem viersitzigen Benz Victoria.

Schon das war ein Riesenfortschritt und ein Teil des Weges hin zur Automatisierung. Schließlich mussten weder Pferde eine Kutsche ziehen, noch Menschen eine Sänfte tragen. Ein Motor stellte die Kraft, der Mensch steuerte. Jetzt stehen wir vor der finalen Stufe: Das Gefährt übernimmt alles selbst - bis auf die Entscheidung über das Ziel natürlich. Aber wer weiß was die Tausendsassas aus dem Silicon Valley erfinden werden, um uns auch von dieser Last zu befreien.  

Wettlauf der Unternehmen

Gewiss ist, dass zwischen Unternehmen aus den verschiedensten Branchen ein Wettlauf um die Mobilität der Zukunft entbrannt ist. Weit vorn in diesem Geschäft liegen sogenannte Fahrdienstvermittler wie der kalifornische Konzern Uber, der US-Konkurrent Lyft oder das chinesische Pendant Didi Chuxing. Noch vermittelt Uber vorwiegend Fahrgäste an Mietwagen mit Fahrer. Dieses Modell funktioniert beispielsweise in Deutschland aufgrund gesetzlicher Vorschriften zum Schutz von Taxiunternehmen, Fahrgästen und Fahrern nicht so wie in den USA. Auch ein Urteil des EuGH stellt Uber vor Probleme.

Aber für Uber ist das Vermitteln echter Fahrer längst nur ein Zwischenschritt zum eigentlichen Ziel, dem autonom fahrenden Robotaxi. Erst jüngst hatte der Konzern eine Kooperation mit dem japanischen Autobauer Toyota bei der Entwicklung autonomer Autos verkündet.    

Selbstfahrendes Auto von Uber

Ubers selbstfahrendes Auto: Ziel ist das Robotaxi. | Bildquelle: Model Foto: colourbox.de

Warum kaufen, wenn man teilen kann?

Die Unternehmensberatung PwC hat sich in einer Studie mit dem Thema Mobilität der Zukunft befasst. Darin erfahren wir, was Uber und die Konkurrenz umtreibt: Die PwC-Experten erwarten bis 2030 den Durchbruch von Carsharing-Konzepten. Der heutige Regelfall, wonach sich die meisten Menschen in ihrem eigenen Fahrzeug fortbewegen, werde künftig nur noch ein Mobilitätskonzept unter vielen sein. 2030 soll demnach mehr als jeder dritte auf Europas Straßen gefahrene Kilometer mit einer Form von „Carsharing“ absolviert werden. Und laut PwC-Szenario dürfte bis dahin bei vier von zehn zurückgelegten Kilometern das Auto selbst fahren.

„In zehn Jahren werden sich Robotaxi-Flotten in Ballungsgebieten etablieren, vor allem in Asien, aber auch in Nordamerika und Europa. Zunächst bei jungen Großstädtern, denen nur die schnelle und bequeme Fortbewegung wichtig ist, die kein Auto besitzen wollen“, sagt PwC-Experte Felix Kuhnert der Nachrichtenagentur dpa. China könnte laut PwC zum Leitmarkt der automobilen Transformation werden. Und es wird ein Fantastilliardenmarkt sein.

Verkehr in Peking. | Quelle: picture-alliance/dpa

Vernetzung, Carsharing, autonomes Fahren

Das hat natürlich Konsequenzen für die Autobauer. Sie verabschieden sich zumindest in den urbanen Zonen langsam vom jahrzehntelang funktionierenden Geschäftsmodell. Das Problem ist erkannt und als Chance identifiziert, wie man sagt: Im März gaben Daimler und BMW bekannt, ihre Carsharing- und Mobilitätsdienste Car2go und DriveNow zusammenzulegen. Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte: „Als Pioniere des Automobilbaus werden wir nicht anderen das Feld überlassen, wenn es um die urbane Mobilität der Zukunft geht.“

Auch VW will im Jahr 2019 ein Carsharing-Angebot starten. Es ist ein Wettrennen gegen Zeit und Konkurrenz, denn die Dienste sind für die Kunden interessanter, je größer sie sind. Längst mischen auch Google und Apple mit, auch  GM investiert Milliarden und will einen Robotaxi-Dienst schon Ende 2019 starten.

Dieter Zetsche präsentiert die in China gebaute neue Langversion der C-Klasse Limousine von Mercedes-Benz

Zetsche in China: Pioniere des Autobaus . | Bildquelle: Unternehmen

Man könnte also sagen, das Konzept Taxi hat sich bald vollständig durchgesetzt: Wir sitzen auf der Rückbank und lassen uns herumkutschieren. Aber irgendwie hatten sich das die Pioniere vor 125 Jahren anders vorgestellt.

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Wettrennen der selbstfahrenden Autos Von Apple bis Toyota

Google Car

Google Car
Im Mai 2014 sorgte der Internet-Riese mit seinem futuristischen kugelrunden "Google Car" für Furore. Das Roboter-Auto kam ganz ohne Lenkrad aus. 100 Fahrzeuge des Prototyps wurden gebaut und in den USA getestet. Wann und ob das Roboter-Auto von Google in den Handel kommt, ist noch unklar. "Apple und Google wollen nicht Autobauer werden, sondern sie sehen die Möglichkeit, Dienste in Fahrzeugen anzubieten", sagte dazu jüngst Renault- und Nissan-Chef Carlos Ghosn.