David Einhorn

David Einhorn Vom Lehman-Bezwinger zum Tesla-Opfer

Stand: 14.09.2018, 14:18 Uhr

Mit seiner Wette gegen Lehman Brothers sorgte David Einhorn vor gut einem Jahrzehnt für Furore. Zehn Jahre später tut sich der einst ruhmreiche Hedgefondsmanager mehr als schwer, an seinen alten Erfolg anzuknüpfen. Dabei tappte Einhorn in eine psychologische Falle - genau wie viele Privatanleger auch.

Einhorn wurde zuletzt der beliebte Fehler zum Verhängnis, zu lange an verlustreichen Investments festzuhalten. Bei dem Investor machten sich insbesondere “Short-Investments” negativ bemerkbar - ganz besonders beim Elektroauto-Pionier Tesla. Einhorn lieh sich Tesla-Aktien, verkaufte diese an der Börse, in der Hoffnung, dass er sie später zu einem günstigeren Aktienkurs zurückkaufen kann.

Gründe für Kursverluste der Tesla-Aktie gab es rational betrachtet wirklich zu Genüge. So machte die Produktion des neuen Hoffnungsträgers und Kassenschlagers Model 3 immer wieder negative Schlagzeilen. Versprochene Produktionszahlen wurden verfehlt, Berichte über Qualitätsprobleme machten die Runde. Zuletzt ließ Tesla-Chef Elon Musk sogar ein vermutlich sündhaft teures Zelt inklusive neuer Produktionsanlagen neben die Fabrik im kalifornischen Fremont bauen, nur um die gesenkten Produktionsziele zu erreichen.

Tweets sorgen für Verwirrung

Auch machte Musk in seinen zahlreichen Mitteilungen auf Twitter und durch Angriffe auf kritische Analysten nicht immer einen souveränen und gefestigten Eindruck. Zudem stieg der Verlust trotz erheblicher Umsatzzuwächse von Tesla erst jüngst auf Rekordstände.

Tesla-Aktie hält sich

Der von Einhorn erhoffte Kurseinbruch dennoch blieb dennoch aus - die Performance des Greenlight Capital Fonds ging in den Keller. Ende des zweiten Quartals lag das Minus seit Jahresbeginn bei mehr als 18 Prozent. Seine Short-Positionen bei Tesla waren dabei nach eigenen Aussagen der zweitgrößte Verlustbringer. Der S&P 500 legte in diesem Jahr bis Ende Juni um 2,6 Prozent zu.

Auch in den drei Jahren zuvor verlor der Fonds mehr als zehn Prozent, während der S&P 500 im gleichen Zeitraum fast 40 Prozent Zuwachs verbuchte.

Neben Tesla litt Einhorn auch unter den Short-Positionen auf Amazon.com, einer der besten “großen” Aktien der vergangenen Jahre.

Ein Top-Profi mit Anfängerfehlern

Doch wie kann es sein, dass so ein erfahrener Investor wie David Einhorn, der gewaltige Summen durch seine Wette gegen die später insolvente Investmentbank Lehman Brothers verdiente, so versagt? Der es nicht schafft Verluste zu begrenzen, bevor sie ein vernünftiges und tolerables Niveau überschritten haben?

Aufklärung bringt die Behavioral Finance. Sie zeigt, warum Anleger gerne Gewinne begrenzen und Verluste laufen lassen, anstatt Gewinne laufen zu lassen und Verluste zu begrenzen.

Bloß keine Verluste

Der Grund ist die unterschiedliche Wahrnehmung von Risiken. Anleger sorgen sich bei positiven Investments davor, ihre Gewinne wieder zu verlieren. Entsprechend werden Gewinne gerne schnell realisiert.

Bei negativen Investments sorgen sich Anleger davor, ihren Einstandspreis nicht wiederzusehen. Entsprechend sind viele Anleger nicht bereit, Positionen im Minus mit Verlust zu verkaufen. Die Verluste werden laufen gelassen.

Verliebt in ein Short-Investment?

Tätigt man dann auch noch Investments aus vollster persönlicher Überzeugung, das heißt “verliebt” man sich in eigene Investment, ist es aus.

Denn die Short-Position von Einhorn bei dem Elektroautohersteller Tesla resultiert möglicherweise aus eigenen negativen Erfahrungen mit Tesla-Produkten. Denn als Besitzer einer Limousine vom Typ Model S klagte Einhorn über wiederholte Probleme mit dem riesigen Touchscreen und den elektrischen Fensterhebern. Nach der Rückgabe des Fahrzeugs berichtete er über angeblich fallende Restwerte bei dem Modell.

Doch nicht nur mit seinen Short-Investments verspekulierte sich Einhorn. Auch bei seinen klassischen Aktien-Investments lief es alles andere als rund. Value Investing, auf das er seinen Fokus richtet, sei aktuell nicht in Mode, erklärt der Fondsmanager. Kein Wunder, dass sich Einhorn zuversichtlich gibt, dass sich diese Entwicklung wieder ändert.

Auf welche Aktien Einhorn derzeit setzt, sehen Sie hier.

ME

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Die Investments von David Einhorn Chartserie

Mit zuletzt 26,6 Prozent ist der Autokonzern <strong>General Motors</strong> die mit Abstand größte Position in Einhorns Portfolio. Im vergangenen Jahr verkaufte GM rund 9,6 Millionen Fahrzeuge.: Kursverlauf am Börsenplatz Nyse für den Zeitraum 1 Jahr

Mit zuletzt 26,6 Prozent ist der Autokonzern General Motors die mit Abstand größte Position in Einhorns Portfolio. Im vergangenen Jahr verkaufte GM rund 9,6 Millionen Fahrzeuge.