Mehmet Hakan Atilla, Börse Instanbul

Auslöser einer diplomatischen Krise Börsen-Chef statt Knast-Insasse

Stand: 23.10.2019, 10:06 Uhr

Chefsessel statt Gefängnispritsche: Der in den USA wegen Verstoßes gegen die Iran-Sanktionen verurteilte Banker Hakan Atilla hat einen neuen Job: Er ist neuer Direktor der Börse Istanbul.

Schon am Montag sei Hakan Atilla auf einer Vorstandssitzung zum Vorstandsmitglied und neuen Chef gewählt worden, teilte die Istanbuler Börse auf ihrer Website mit.

Atilla war in New York unter anderem wegen Bankbetrugs sowie der Verschwörung zur Geldwäsche und zur Umgehung von Sanktionen gegen den Iran verurteilt worden. Er erhielt eine Strafe von 32 Monaten Haft und wurde im Juli in die Türkei abgeschoben.

Schuldspruch belastete das Verhältnis zwischen den USA und der Türkei

Der Prozess gegen den Banker hatte die Beziehungen zwischen Washington und Ankara vergangenes Jahr belastet. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte den Schuldspruch scharf kritisiert.

Recep Tayyip Erdogan

Recep Tayyip Erdogan. | Bildquelle: picture alliance / abaca

Nach einem Bericht der Zeitung "New York Times" bemühte sich der türkische Präsident bei der US-Regierung im Vorfeld um eine Einstellung des Verfahrens und sprach das Thema auch direkt in einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump an.

Im Prozess gegen Atilla hätte eigentlich der türkisch-iranische Goldhändler Reza Zarrab auf der Anklagebank sitzen sollen. Er bekannte sich dann aber überraschend für schuldig und trat als Belastungszeuge auf.

Im Verfahren sagte er aus, dass Erdogan in seiner Zeit als Ministerpräsident den illegalen Geschäften 2012 zugestimmt hatte, an denen demnach auch zwei weitere türkische Banken beteiligt waren. Die türkische Justiz hatte kurz nach Beginn des Prozesses ein Verfahren gegen Zarrab wegen "Spionage" eröffnet und sein gesamtes Vermögen in der Türkei beschlagnahmt. 

bsch