Fliegender Rettungsring vor Hochhäusern

Ein Rückblick Verstaatlichungen: Ein zweischneidiges Schwert

Stand: 24.04.2020, 10:40 Uhr

Verstaatlichungen, egal ob teilweise oder vollständig, sichern zwar zunächst das Überleben eines Unternehmens. Aber nicht immer sind sie langfristig erfolgreich.

Auf dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise 2008 war die Commerzbank auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Der Kauf der Dresdner Bank wurde der damals zweitgrößten Privatbank Deutschlands zum Verhängnis. Der Staat sprang mit 18,2 Milliarden Euro ein. Es kam zur Teilverstaatlichung der Bank. Im Gegenzug erhielt er ein Viertel der Stimmrechte der Commerzbank. Noch zehn Jahre später, Anfang 2019, besaß der Bund noch immer rund 15 Prozent der Anteile.

Schilder der Commerzbank und der Dresdner Bank

Übernahme der Dresdner Bank wurde Commerzbank in Krise zum Verhängnis. | Bildquelle: imago images / bonn-sequenz

Der Aktienkurs der Commerzbank stürzte während der Krise massiv ab. Im April 2008 notierte der Titel noch bei 230 Euro. Gut ein Jahr später, im März 2009, war eine Commerzbank-Aktie nur noch 27,40 Euro wert. Und auch danach fiel der Kurs nach einer Zwischenerholung weiter. Derzeit ist der Titel des Bankhauses noch rund 3,00 Euro wert.

Kaum positive Folgen für Aktionäre

Durch den Einstieg des Staates als Großaktionär bei der Commerzbank war das Überleben der Bank vorerst gesichert. Immerhin ein positiver Effekt für die Kreditversorgung der Wirtschaft und die Aktionäre. Aber die Beteiligung des Bundes hatte auch ihre Schattenseiten. Durch die Kapitalerhöhung hätte sich der Kurs langfristig eigentlich stabilisieren sollen – dieser Fall trat aber nicht ein. Der Titel verlor immer mehr an Boden. In den ersten Jahren nach dem Einstieg der Bundesrepublik wurde die Dividendenzahlung ausgesetzt. Und natürlich reduzierte sich auch der Einfluss der Altaktionäre.

Vollverstaatlichung: Beispiel Hypo Real Estate

Der Weg zur Vollverstaatlichung der Hypo Real Estate durch den Bund wurde im Oktober 2009 freigemacht. Die Aktionäre wurden mit 1,30 Euro je Titel abgefunden. Ein staatlicher Bankenrettungsfonds hatte vor der vollständigen Verstaatlichung 90 Prozent der HRE-Aktien übernommen und dann die restlichen Aktionäre aus dem Unternehmen gedrängt. Auch im Nachgang führte diese Abfindung zu großen Diskussionen. Letztlich entschied das Oberlandesgericht München fünf Jahre nach der Verstaatlichung, dass ehemalige Aktionäre keine höhere Abfindung erhalten.

Hypo Real Estate Schriftzug

Hypo Real Estate Holding arbeitet mittlerweile wieder profitabel. | Quelle: picture-alliance/dpa

Für den Bund könnte sich die Rettung aber letztlich auszahlen - wobei das letzte Wort auch über zehn Jahre nach dem Einstieg nicht gesprochen ist. Zuletzt wurde bekannt, dass die Bad Bank der heutigen Hypo Real Estate Holding ihren Gewinn unverhofft verdoppeln konnte. Die Corona-Krise dürfte diese günstige Entwicklung aber wieder bremsen.

Staatseinstieg kann durchaus erfolgreich sein

Dass der Staat angeschlagenen und für ihn wichtigen Unternehmen unter die Arme greift, ist auch in entwickelten Marktwirtschaften nicht allzu ungewöhnlich. Dabei gibt es viele Wege, wie sich der Staat an dem Unternehmen beteiligen kann. Ein Einstieg des Staates muss nicht per se negative Auswirkungen auf das Unternehmen und die Aktionäre haben.

Das bisher leuchtendste Beispiel sind wohl die großen US-Banken, die während der Finanzkrise 2008/2009 durch die USA in großem Umfang unterstützt wurden. Durch deren nachfolgende Erholung konnte für die Volkswirtschaft und sogar den Staat ein messbarer Mehrwert geschaffen werden.

ms