Portrait

Ferdinand Piëch

Ferdinand Piëch Der "Übervater"

Stand: 26.04.2015, 17:06 Uhr

Über zwei Jahrzehnte war der Autonarr Ferdinand Piëch Herrscher über das VW-Imperium. Der Patriarch holte VW aus der Krise und setzte das Mehr-Marken-Modell durch. Doch am Ende unterlag er im Machtkampf ausgerechnet gegen seinen "Ziehsohn".

Über viele Jahre war der schweigsame, ruppige Piëch das Machtzentrum von VW. Wenn "der Alte" mal wieder etwas zu sagen hatte, zitterte der ganze Vorstand in Wolfsburg.

"Mein Harmoniebedürfnis ist begrenzt"

Sein Führungsstil ähnelte dem eines Patriarchen. "Wenn ich etwas erreichen will, gehe ich auf das Problem zu und ziehe es durch, ohne zu merken, was um mich herum stattfindet", erklärte Piëch in seiner Autobiografie. "Mein Harmoniebedürfnis ist begrenzt."

Das bekamen einige Top-Manager bei VW zu spüren. Zum Beispiel Bernd Pischetsrieder. Erst holte Piëch den Bayer von BMW nach Wolfsburg, ließ ihn dann aber schnell wieder fallen, als Pischetsrieder eine Strategie fuhr, die Piëch missfiel.

Von Porsche über Audi an die VW-Spitze

Der gelernte Maschinenbauer Piëch startete seine Karriere bei Porsche. In den 70er Jahren wechselte er zu Audi und arbeitete sich zum Technikvorstand hoch. 1988 übernahm Piëch den Chefsessel bei Audi. Nach Ansicht vieler Branchenkenner legte er den Grundstein für den Aufstieg der Marke mit den vier Ringen in die Oberklasse.

Fünf Jahre später wurde Piëch nach Wolfsburg an die VW-Konzernspitze geholt. Der Top-Manager führte den Autobauer zurück aus der Krise. VW galt damals als Übernahmekandidat. Unvergessen ist die Abwerbung des gefürchteten spanischen Sanierers José Lopez ("der Würger von Wolfsburg") von General Motors. Weil er vertrauliche Daten von GM und Opel mitnahm, reichten die Amerikaner Klage wegen Geheimnisverrats ein. Schließlich einigte man sich auf einen Vergleich von 100 Millionen Dollar. Piëch musste Lopez zum Rücktritt drängen.

Pischetsrieder entmachtet

2002 wechselte Piëch an die Aufsichtsratsspitze. Als seinen Nachfolger ernannte er Pischetsrieder, der sich nur vier Jahre halten konnte. Schließlich holte Piëch seinen Zögling, Martin Winterkorn, nach Wolfsburg und setzte ihn an die VW-Konzernspitze.

Sein Meisterstück als Taktiker lieferte Piëch, als der VW-Aufsichtsratschef den Spieß nach der gescheiterten Übernahme von VW durch Porsche umdrehte und der Wolfsburger Konzern sich schließlich Porsche als zehnte Marke einverleibte. Angetrieben wurde er von der Idee eines Megakonzerns, der vom Kleinwagen bis zum Schwerlaster alles anbietet, was auf den Straßen rollt - bis hin zum Supermotorrad der Marke Ducati.

Der Strippenzieher des Porsche-Deals

Piëch weitete so seine Macht im VW-Imperium systematisch aus. Seit dem Einstieg der Porsche-Holding als Großaktionär ist der Porsche-Miteigentümer indirekt auch erheblich an VW beteiligt.

Eigentlich sollte Winterkorn ihn als VW-Aufsichtsratschef beerben. Doch vor zwei Wochen überraschte Piëch die Autowelt mit dem Satz, er sei "auf Distanz" zu Winterkorn. Seither tobte ein Machtkampf im VW-Reich. Aber diesmal musste der "alte Löwe" eine Niederlage einstecken. Im Aufsichtsrat war Piëch mit seiner Meinung gegen Winterkorn isoliert. Am 25. April zog der VW-Patriarch die Konsequenz: Er trat mit sofortiger Wirkung von seinem Kontrolleursposten zurück. Auch seine Ehefrau Ursula gab ihr Mandat im Aufsichtsrat ab.

"Bedeutende Persönlichkeit der deutschen Wirtschaftsgeschichte"

In der Mitteilung von VW ist keine Rede von "gegenseitigem Einvernehmen" oder einem Dank für die geleistete Arbeit. "Die Mitglieder des Präsidiums haben einvernehmlich festgestellt, dass vor dem Hintergrund der vergangenen Wochen das für eine erfolgreiche Zusammenarbeit notwendige wechselseitige Vertrauen nicht mehr gegeben ist", heißt es nüchtern.

Mit Piëch endete eine Ära bei VW. Er war "einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der bundesdeutschen Wirtschaftsgeschichte", lobte ihn Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Gerade Niedersachsen, das 20 Prozent an WV hält, habe ihm viel zu verdanken.

nb/ dpa-AFX/rtr