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380 Jahre nach der Krise Tulpenblase bald im Kino

Stand: 14.08.2017, 11:53 Uhr

Die Tulpenkrise ist eine der schwersten historischen Börsenkrisen und gilt als Prototyp für neuzeitliche Spekulationsblasen. Am 7. Februar 1637 brachen in Holland die Preise für Tulpenzwiebeln um 95 Prozent ein. "Tulpenfieber" heißt der britisch-amerikanische Historienfilm, der hierzulande am 24. August in die Kinos kommt.

Gier und unkontrollierte Geschäftemacherei waren Ursachen für die so genannte Tulpenkrise im Holland des frühen 17. Jahrhunderts. Ähnlich wie später in der Internet-Krise oder in der jüngsten Immobilienkrise basierte auch der Tulpenwahn auf der Hoffnung ständig steigender Preise und explodierender Gewinne. Im Holland der 1630er Jahre hatten sich die Preise für Tulpenzwiebeln innerhalb weniger Jahre vervielfacht.

Die Tulpen galten schnell als Statussymbol für Reichtum. Für die seltene und besonders begehrte Zwiebel "Semper Augustus" ("Allzeit erhaben") verlangten Händler zu Beginn des Jahres 1637 sagenhafte 10.000 Gulden, fünfzig Mal mehr als nur drei Jahre zuvor. Damit kostete eine solche Zwiebel so viel wie ein Stadthaus an einer vornehmen Gracht in Amsterdam. Die Entwicklung der Tulpenpreise hatte sich komplett von der realwirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt. Am Tulpenmarkt hatte sich eine Blase gebildet, deren Platzen unvermeidlich wurde.

Anstieg und Absturz der Tulpenpreise zwischen 1634 und 1637

Index für Tulpenpreise. | Bildquelle: picture alliance / CPA Media Co. Ltd

Im neuen filmischen Porträt dieser waghalsigen Zeit spielt Christoph Waltz den wohlhabenden Tulpen-Kaufmann Cornelis Sandvoort. Um ein Bildnis seiner Frau anfertigen zu lassen, engagiert er einen jungen Maler. Es ist der Beginn einer leidenschaftlichen Affäre zwischen Ehefrau und Künster, die zu einer geplanten Flucht aus Amsterdam führt. Ohne zu ahnen, wohin die Tulpenpreise eines Tages stürzen werden, versuchen sie, ihre Flucht aus dem Geschäft mit Tulpenzwiebeln zu finanzieren. Ein verhängnisvoller Schritt?

Auftakt einer heftigen Wirtschaftskrise

Offizielle Waren-Börsen gab es damals in Holland noch nicht. So begann der Niedergang Anfang 1637 bei einer Versteigerung in einem Haarlemer Wirtshaus. Keiner der Anwesenden traute sich etwas zu kaufen. Der Vorgang sprach sich rasch herum und binnen weniger Tagen brach der Handel vollkommen zusammen. Am 7. Februar 1637 stürzten die Preise für Tulpenzwiebeln schließlich um 95 Prozent. Fast die Hälfte der Bevölkerung, die im Tulpenwahn mitgehandelt hatte, verlor auf einen Schlag ihre Ersparnisse.

Dabei hatte es schon während der Hausse zahlreiche Warnzeichen für eine Überhitzung gegeben. In den Archiven finden sich Fälle von Anlegerbetrug, zwielichtigen Zwischengeschäften und Luftbuchungen. Zwiebeln wechselten mehrmals am Tag den Besitzer, der sie gar nicht zu Gesicht bekommen hatte und Floristen verkauften Tulpen, die sie gar nicht liefern konnten.

Ähnlich wie in heutigen Krisen musste schließlich der Staat eingreifen, um Chaos und einen völligen Zusammenbruch der Wirtschaft zu verhindern. Es wurde festgelegt, dass alle offenstehenden vertraglichen Verpflichtungen durch Zahlung von 3,5 Prozent des ursprünglichen Preises abgegolten werden mussten. Damit begann ein Niedergang von dem Holland sich erst Jahrzehnte später erholte.

Der Film von Justin Chadwick ist fern von einer Dokumentation wie etwa "Master of the Universe", man darf sich vielmehr auf ein Liebesdrama mit historischem Hintergrund freuen.