Zwei Geschäftsfrauen

Elf Dax-Unternehmen ohne weibliche Führungskraft Studie: Weniger Frauen in den Vorständen von Dax-Konzernen

Stand: 07.10.2020, 09:07 Uhr

Erstmals seit Jahren ist der Frauenanteil in den Top-Etagen deutscher Börsenschwergewichte gesunken - gegen den internationalen Trend. In allen 30 Dax-Konzernen liegt er unter 30 Prozent.

Zum Stichtag 1. September 2020 saßen in den 30 Dax-Konzernen 23 Managerinnen im Vorstand, wie aus einer Untersuchung der gemeinnützigen Allbright Stiftung hervorgeht. Vor einem Jahr waren es noch 29. Der Anteil weiblicher Führungskräfte im Vorstand sank auf 12,8 Prozent. Erstmals seit der ersten Untersuchung 2016 gab es damit einen Rückgang.

"Was auch immer Aufsichtsräte dazu veranlasst, in der Krise nun sogar noch verstärkt auf Männer in den Vorständen zu setzen - es ist ein kurzsichtiger Reflex, der zeigt, wie wenig verankert die Vielfalt von Perspektiven an deutschen Unternehmensspitzen ist", kritisierte Wiebke Ankersen, Co-Geschäftsführerin der Allbright Stiftung.

Damit werde der dringend notwendige Modernisierungsschub an der Spitze der Unternehmen blockiert, der im Ausland längst in vollem Gange sei, sagte Ankersen. Die Entwicklung im Top-Management deutscher Unternehmen passe nicht zum Selbstverständnis eines fortschrittlichen westlichen Industrielandes, argumentierten Ankersen und ihr Co-Geschäftsführer Christian Berg.

Die Corona-Krise könnte einen Rückschritt für das Thema Gleichstellung bedeuten. Bereits vor einigen Monaten stellten die 17 Verbände der sogenannten Berliner Erklärung fest, dass die Pandemie für viele Verzögerungen als Erklärung genutzt werde, um Maßnahmen der Gleischstellungspolitik nicht mehr in dieser Legislaturperiode abzuschließen.

Andere Länder gehen voran

Im internationalen Vergleich sind die deutschen Börsenschwergewichte der Studie zufolge weiter zurückgefallen. In den USA stieg der Frauenanteil in der Top-Etage von 30 Börsenschwergewichten dagegen auf 28,6 Prozent, in Schweden auf 24,9 Prozent, in Großbritannien auf 24,5 Prozent, in Frankreich auf 22,2 Prozent und in Polen auf 15,6 Prozent. Die Zuwächse lagen zwischen 0,8 Prozent (USA) und 2,6 Prozent (Polen).

"Nur wenn Frauen und Männer gemeinsam Verantwortung übernehmen, können wir in diesen herausfordernden Zeiten Erfolg haben", schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die Zahlen der deutschen Unternehmen stünden im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, in denen der positive Trend anhalte und die Ergebnisse deutlich besser ausfielen.

Elf Dax-Konzerne ohne Frauen im Vorstand

Der Studie zufolge gab es zum Stichtag elf Dax-Konzerne ohne eine einzige weibliche Führungskraft im Vorstand. Ein Jahr zuvor waren es lediglich sechs Unternehmen. In allen 30 Dax-Konzernen liegt der Frauenanteil im Vorstand demnach unter 30 Prozent.

Auch die Wechsel im Leitindex trugen ihren Teil dazu bei. So wurde etwa im Juni die Lufthansa mit einem Frauenanteil von 17 Prozent im Vorstand durch den Immobilienkonzern Deutsche Wohnen ersetzt - ohne eine einzige Frau im Vorstand.

In nur vier Unternehmen sitzen mehrere Managerinnen in der Topetage. Dazu zählen Allianz, Daimler, Deutsche Telekom und Fresenius Medical Care. Dagegen haben beispielsweise 97 Prozent der US-Großunternehmen und 87 Prozent der französischen Topkonzerne mindestens zwei Frauen im Vorstand. Die deutsch-schwedische Allbright Stiftung setzt sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft ein.

tb