Malaysischer Staatsfonds 1MDB

Leonardo DiCaprio spielt den Betrüger Jordan Belfort. Still aus dem Kinofilm „Wolf of Wall Street“.

FBI jagt den "Wolf of Wall Street" Das neue Kapitel im 1MDB-Krimi

Stand: 21.07.2016, 13:38 Uhr

Jetzt spielt der Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB auch in den USA: Die US-Justiz will Vermögenswerte in Höhe von einer Milliarde Dollar aus dem Fonds beschlagnahmen. Ein Mega-Skandal, mit Querverbindungen zum "Wolf of Wall Street" und zum malaysischen Regierungschef.

Das US-Justizministerium hat sich eine ganz illustre Liste von Vermögenswerte vorgenommen: Luxusimmobilien in New York und Kalifornien, Gemälde von Van Gogh und Claude Monet sowie ein Bombardier-Flugzeug will die Behörde beschlagnahmen, wie aus der Klageschrift hervorgeht. Insgesamt geht es um Vermögenswerte im Wert von einer Milliarde Dollar, die vermutlich mit unterschlagenen Geldern aus dem malaysischen Staatsfonds 1Malaysia Development Berhad (1MDB) bezahlt wurden.

Der Skandal reicht bis nach Hollywood

Mehrere Millionen aus dem Fonds sollen auch zweckentfremdet worden sein zur Finanzierung des Films "The Wolf of Wall Street" von Martin Scorsese. Deshalb verlangen die USA Einnahmen aus dem Film. Elf Überweisungen von insgesamt rund 58 Millionen Euro hätten dazu gedient, das Studio zu betreiben und den Film zu drehen, in dem Leonardo DiCaprio die Hauptrolle spielt.

Der malaysische Staatspräsident Najib Razak vor dem Landeswappen

Der malaysische Staatspräsident Najib Razak. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Gegen den Fonds laufen in mehreren Ländern Untersuchungen wegen Geldwäsche. Die Affäre ist politisch hochbrisant, da der Aufsichtrat des Fonds von Malaysias Ministerpräsident Najib Razak geleitet wird. Najib hatte den staatlichen Fonds 2009 aufgelegt, um Modernisierungsprojekte im Land zu finanzieren. Doch mindestens vier Milliarden Dollar verschwanden in dunklen Kanälen. Die amerikanische Bundespolizei FBI ihrerseits strengt Ermittlungen gegen diverse Drahtzieher im Umfeld Najibs an. So könnte der Stiefsohn von Najib, Riza Aziz, in die Affäre verwickelt sein, da seine Firma Red Granite Picture "The Wolf of Wall Street" produzierte. Sowohl 1MDB als auch Najib haben ein Fehlverhalten bestritten. Riza war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Rolle der Schweizer Banken

Auch Schweizer Banken geraten ins Visier. Die Finanzaufsichtsbehörde Singapurs (MAS) will die Rolle der UBS und zwei weiterer Banken in der Korruptionsaffäre prüfen. Laut vorläufiger Ergebnisse hat die Behörde Kontrollmängel festgestellt, auch bei der singapurischen Bank DBS und Standard Chartered hätten Kontrollen versagt. In einigen Fällen habe es zudem Prozessschwächen beim Akzeptieren von Kunden und beim Überwachen von Transaktionen gegeben. Auch seien verdächtige Transaktionen erst verzögert erkannt und gemeldet worden.

Allerdings habe die Behörde bei den Instituten keine schwerwiegenden Kontrollmängel und Fehlverhalten von Angestellten wie bei der Schweizer BSI gefunden. Die Tessiner Privatbank wird auf Anordnung der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma nach zweifelhaften Transaktionen mit dem Fonds aufgelöst. Auch bei der Schweizer Falcon Private Bank seien substanzielle Unregelmäßigkeiten gefunden worden, die Untersuchung ist in diesem Fall aber noch nicht abgeschlossen.

Insgesamt hätten die Untersuchungen von verschiedenen Finanzinstituten im Zusammenhang mit 1MDB-Zahlungen ein komplexes internationales Transaktionsnetz aus verschiedenen Unternehmen und Personen offenbart.

bs