Steuerhinterziehung

Uli Hoeneß

Nach Festnahme in Warschau Hoeneß-Banker wieder in der Schweiz

Stand: 25.11.2014, 15:46 Uhr

Pech für die Münchner Staatsanwaltschaft. Der in Warschau festgenommene Banker von Uli Hoeneß hat sich in seine Heimat Schweiz abgesetzt.

Bei dem am vergangenen Mittwoch von der polnischen Polizei festgenommenen Mann handelt es sich um den 61-jährigen Devisenhändler Jürg Hügli von der Privatbank Vontobel. Er soll seit den 1990er Jahren die Finanzgeschäfte des früheren FC Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß betreut haben - und wird deshalb der Beihilfe zur Steuerhinterziehung bezichtigt.

Hügli, der mit einer Polin verheiratet ist, wurde zur Zielfahndung ausgeschrieben und war im Oktober in Warschau festgenommen worden, wurde aber gegen eine Kaution von einer Million Zloty (etwa 240.000 Euro) freigelassen. Im Gegenzug musste der Mann nach Gerichtsangaben seinen Reisepass abgeben und sich regelmäßig bei der Polizei melden. Außerdem durfte er das Land nicht verlassen.

Gegen Auflagen verstoßen

Gegen diese Auflagen hat Hügli mit seiner Abreise nun offenbar verstoßen. Er wird sich Vontobel-Angaben zufolge nun aus der Schweiz den möglichen Fragen der deutschen Behörden stellen und nimmt dafür einen deutschen Anwalt. Die von der Bank vorgeschossene Kaution habe der Mann inzwischen an das Institut zurückbezahlt.

"J.H. hat uns nachträglich über seine Rückkehr in die Schweiz informiert", erklärte ein Sprecher seines Arbeitgebers, der Bank Vontobel. Er habe sich in ärztliche Behandlung begeben. Darüber hatte zuvor der Banken-Blog "Inside Paradeplatz" berichtet. Die polnische Polizei konnte keine Angaben über den Verbleib des Bankers machen. Die Staatsanwaltschaft München wollte sich nicht äußern.

Vertrauter von Hoeneß

Die Rolle des Bankers war im Prozess gegen Hoeneß öffentlich zur Sprache gekommen. Der Schweizer war demzufolge jahrelang ein Vertrauter von Hoeneß. "Der Jürg“ sei ein "guter Freund", soll Hoeneß in seinem Steuerprozess das Verhältnis zu Hügli geschildert haben, berichtet "Bild". Für den Fußballmanager konstruierte er ein komplexes Devisenhandelsschema, mit dem Hoeneß Millionen bewegte.

Hügli sollte eigentlich nach Deutschland ausgeliefert werden, um hier von der Münchner Staatsanwaltschaft zu seinen Geschäften befragt zu werden. Auch wollen die Behörden wissen, ob Hügli neben Hoeneß noch weitere deutsche Kunden hatte. Sollte Hügli aussagen, stehen womöglich weitere Steuersünder vor der Enttarnung.

lg