Der Club der Finanzfrauen

Scrooge McDuck Dagobert Duck

Unter Dagobertas Dach Spekulatia, Fortuna und die Broker Girls

Stand: 07.06.2016, 14:40 Uhr

Dagoberta – bei dem Namen taucht man gedanklich in den Geldspeicher von Dagobert Duck ein. Und in der Tat geht es bei den Dagobertas um das große Geld. Aber um das der Frauen. Die Dagoberta ist ein Frauen-Investment-Club.

Die Botschaft der Dagobertas ist klar: Frauen und Geld - das gehört zusammen. Das haben sie in ihren Statuen festgelegt: Sie wollen die finanzielle Selbständigkeit der Frau fördern. "Ständig wird darüber geredet, dass sich Frauen mit dem Thema beschäftigen sollen", sagt Andrea Sauter, die die Dagobertas leitet, "aber nichts passiert". Viel zu selten nehmen Frauen die Geldanlage und ihre finanzielle Vorsorge selbst in die Hand.

"Frauen brauchen ein Forum, wo sie sich austauschen können", erklärt die Betriebswirtin, die 1999 den Frauen-Investmentclub mit gründete. Für viele Frauen die Finanzwelt eine fremde Welt. Sie fühlen sich überfordert von den komplexen wirtschaftlichen Zusammenhängen. Und Männer übernehmen wie selbstverständlich die finanziellen Dinge im Haushalt. Schon in der Erziehung fange es mit derartigen Rollenmustern an: "Väter sprechen eher mit den Söhnen als mit den Töchtern über Gelddinge", so Sauter. "Die Töchter müssen sich das irgendwie selbst aneignen."

Finanzen als Erlebnisreise

Die Dagobertas geben dabei Hilfestellung. Sie wollen die komplizierte Wirtschafts- und Börsenwelt einfach machen und die Frauen fördern. Sie laden zum Beispiel regelmäßig Fachreferenten zu Vorträgen ein zu Themen wie Geld, Beruf und Persönlichkeit.

Die Finanzfrauen setzen dabei darauf, Finanzen und Wirtschaft erlebbar zu machen. Die Dagobertas organisieren zum Beispiel Betriebsbesichtigungen. Denn: frau kauft lieber, was sie kennt, sagen die Dagobertas. Sie organisieren sogar Wirtschaftsreisen zu Wachstums- und Zukunftsmärkten, waren bereits in China und Singapur, in Südafrika und dem Oman. "Da bekommen wir starke Eindrücke von der wirtschaftlichen Seite", so Sauter. "Auf unserer Reise nach Abu Dhabi haben wir beispielsweise Masdar City besucht, ein Innovationsprojekt. Das wird eine Stadt, die mitten in der Region des Öls völlig ohne Öl auskommen will."

Im Oman trafen sich die Dagobertas mit Vertretern einer Frauenorganisation. Alles Akademikerinnen übrigens. "Sie hatten die gleichen Sorgen und Nöte wie europäische Frauen", erklärt Sauter. Frauen sind für die Ausbildung der Kinder und für die Möbel zuständig, die Männer geben ihr Geld lieber für schnelle Autos aus.

Dabei zeigt sich bei diesen Reisen und Firmenbesichtigungen ganz deutlich: Frauen haben durchaus Interesse an Wirtschaft, Aktien und Finanzen. Sogar sehr großes. Sie stellen nur dann keine Fragen, wenn Männer dabei sind. Deshalb sind Männer bei den meisten Veranstaltungen der Dagobertas auch ausgeschlossen. Die Fragen der Frauen würden dann nur so sprudeln.

Die Broker Girls bei Dagoberta

Dabei ist Dagoberta e.V. selbst gar kein Aktienclub, sondern ein Verein, der Aktienclubs eine Plattform bietet und regelmäßig Events organisiert. Er gibt den vielen kleinen Clubs quasi ein Dach über dem Kopf.

Die kleinen Clubs werden als GbRs gebildet, tragen illustre Namen wie Pecunia, Spekulatia, Fortuna oder die Broker Girls. Alles bleibt im kleinen Rahmen, jeder Club ist etwa 15 bis 20 Mitglieder stark: "Wir halten das extra klein", sagt Andrea Sauter, die selbst zwei der Aktienclubs leitet, Spekulatius und die Broker Girls. "In Aktienclubs mit 50 bis 100 Leuten kann man nicht mehr vernünftig über Aktien diskutieren." Und das wollen sich die Dagobertas nicht nehmen lassen.

Buch

Die Dagobertas haben auch einen Anlageratgeber geschrieben. | Bildquelle: DVA-Verlag, colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

Eine Aktie als Patenkind

Einmal im Monat ist Clubtreffen. Da diskutieren die Dagobertas über das gemeinsame Depot, über Charttechnik und Kennzahlen einer Aktie, aber auch über Hoffnungen und Ängste, die in der Börsenwelt zwangsläufig aufkommen.

Leitlinie ist, vom Wissen vieler zu profitieren. In Arbeitsgruppen analysieren die Club-Mitglieder diverse Firmen, Branchen und Märkte. Jede Aktie hat zudem eine der Dagobertas als Patin: Sie beobachtet das Papier, sammelt Informationen dazu und präsentiert sie dann den anderen. Am Ende wird demokratisch abgestimmt, ob eine Aktie gekauft oder abgestoßen wird.

Die Zocker, das sind die Männer

Unverständlich ist den Finanzexpertinnen der schlechte Ruf der Aktie. "In den letzten zehn Jahren ist in Deutschland sehr viel Geld von Privatanlagern aus Aktienanlagen abgeflossen, obwohl es sich um die rentabelste langfristige Anlage handelt."

Deshalb ist es ihnen ein Anliegen, bei den Dagoberta-Treffen Vertrauen in die Anlageform zu wecken, Chancen und Risiken realistisch zu bewerten. Aktien haben für sie nichts mit Glückspiel und Spekulation zu tun. "Männer haben eine höhere Zockerbereitschaft", sagt Sauter. Die Dagobertas sehen Aktien als unternehmerische Beteiligung, als Investition in Sachwerte, die Schutz bieten vor Inflation.
Gibt es so also gar keine Zockerei bei den Dagobertas? "Natürlich zocken auch Frauen schon mal. Aber in der Regel haben sie mehr fürs Value Investing übrig."

bs

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