Screenshot Jjames Gubb, Stinkefinger-Chart

Der etwas andere politische Protest So zeigt man an der Börse den Stinkefinger!

von Angela Göpfert

Stand: 10.11.2017, 13:45 Uhr

Das ist wahre Kunst: Durch gezielte Trades hat der Händler James Gubb einen Chart fabriziert, der eine klare Botschaft an den korrupten südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma bereithält.

Die umstrittenen geschäftlichen Verflechtungen zwischen der Politikerfamilie Zuma und der indischstämmigen Unternehmerfamilie Gupta hatten jetzt ein Nachspiel. Nein, nicht im Parlament. Nicht vor Gericht. An der Börse!

Der südafrikanische Händler James Gubb hat dazu im März nur 22 Aktien von Oakbay, dem Finanzvehikel der Gupta-Familie, zu verschiedenen Preisen an der Börse gehandelt.

Protest gegen Gupta-Familie

»Die Tatsache, dass der Chart einer geballten Faust mit emporgerecktem Mittelfinger ähnelte, mag einige verletzt haben. Doch genau darum ging es.«

James Gubb

Gubb wollte damit nach eigenen Worten gegen die "systematische Vergewaltigung unseres Landes durch die Gupta-Familie" protestieren. Also gegen jenen Clan mit indischen Wurzeln, der Präsident Zuma, seine Angehörige und Verbündete großzügig versorgt – im Tausch für lukrative Staatsaufträge und politischen Einfluss.

Atul Gupta und der südafrikanische Präsident Jacob Zuma

Korrupt und skrupellos: Die Familien Gupta und Zuma gängeln Südafrika. | Bildquelle: dpa, picture alliance / AP Photo, Montage: boerse.ARD.de

Wiederholung unmöglich

Um ein solches Chartbild zu "konstruieren", bedarf es allerdings schon sehr großer Trading-Erfahrung. Zugleich ist so etwas natürlich nur mit äußerst illiquiden Aktien möglich, wo den "Künstler" keine störenden äußeren Einflüsse wie Käufe oder Verkäufe anderer Marktteilnehmer von der Vollendung seines Kunstwerks abhalten.

Diese Voraussetzungen waren bei der kaum gehandelten Aktie von Oakbay gegeben, mittlerweile fand ein Delisting statt. Ein originalgetreues Plagiat des Gubbschen Kunstwerk ist damit für die Zukunft ausgeschlossen.

Der Chart - eine moderne Form der Kunst?

Früher malten die Menschen noch mit Kreide in Höhlen. Heute, im Technologiezeitalter, mit Microsoft Paint & Co. Der Gubbsche Stinkefinger ist allerdings der erste bekannte Fall, in dem ein Künstler die Linien eines Aktiencharts benutzt, um eine Botschaft zu übermitteln.

Nur leider haben die Aufsichtsbehörden für diese Art von Kunst so gar kein Verständnis. Die südafrikanische Finanzaufsicht "Financial Services Board" (FSB) hat Gubb nun eine Strafzahlung von 100.000 Rand (umgerechnet rund 6.000 Euro) aufgebrummt.

Die Begründung: "Diese Transaktion haben ein falsches und irreführendes Bild der Handelsaktivitäten in Oakbay-Aktien vermittelt und einen künstlichen Preis für die Oakbay-Aktie erzeugt."

Die perfekte Illusion?

In Zeiten, in denen nicht wenige Marktteilnehmer versuchen, die Aktiencharts zu ihrem persönlichen finanziellen Vorteil manipulieren, und ungestraft davonkommen, vermittelt die Strafe für James Gubb eine traurige Botschaft.

Und sie zeigt auch, dass Finanzaufsichtsbehörden von Kunst wirklich nichts verstehen. Denn genau darum geht es doch in der Kunst: Seit der Antike versuchen Künstler, ihre Betrachter in die Irre zu führen und ihnen Schein als Sein, Illusion als Wirklichkeit vorzuführen.

Vielleicht hätte Gubb sein Oakbay-Kunstwerk ja mit dem Titel versehen sollen: "Ceci n'est pas un chart". Zum besseren Verständnis.

"Ceci n'est pas une pipe" von René Magritte. | Bildquelle: picture alliance / dpa